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Paläontologisch vereint : Echse, hilf!

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Prähistorisches Bollwerk gegen die politische Vereinnahmung: Der Triceratops und seine Zeitgenossen. Bild: dpa

In einer Welt voller Filterblasen können sich Rechts und Links nicht einmal mehr über wissenschaftliche Themen verständigen. Doch Hoffnung naht – aus dem Mesozoikum.

          Hunde und Kinder, so weiß jeder, der für ein Publikumsmedium arbeitet, gehen immer. In einer gespaltenen Gesellschaft ist man ja zunehmend dankbar für ein paar Themen, auf die sich alle einigen können. Die Naturwissenschaften zum Beispiel. Wo kommen wir her, wo gehen wir hin, und was denken wir uns dabei?

          Das geht jeden etwas an, sollte man meinen, aber das stimmt nur auf den ersten Blick. Wissenschaftler der New Yorker Cornell-Universität haben für eine jüngst im Magazin „Nature Human Behaviour“ publizierte Studie Sachbuchkäufe großer Online-Anbieter ausgewertet, indem sie von Barack Obamas Buch „Ein amerikanischer Traum“ und Mitt Romneys „No Apology“ ausgingen und sich anhand der „Kunden, die diese Bücher gekauft haben“-Empfehlungen weiter entlanghangelten.

          Überparteiliche Verbrüderung

          Demnach interessieren sich Käufer, die eher liberal ausgerichtete Bücher wie das von Obama erwerben, vor allem für die Grundlagen des Lebens wie Physik, Zoologie und Astronomie. Da, wo noch Fragen offen sind, lebt der Linke auf. Käufer konservativer politischer Bücher gehen nicht so gern ins Detail, sie interessieren sich für Themenfelder wie Kriminologie, Medizin und Geophysik. Also grundsätzlich schon für Naturwissenschaften, aber am liebsten dann, wenn sie sich gesellschaftlich nützlich machen.

          Auch wenn sich beide Seiten einmal auf ein Thema einigen können, etwa Biologie, tendieren sie dazu, sehr unterschiedliche Bücher zu kaufen: solche, die die Evolutionstheorie bestätigen, und solche, die sie anzweifeln. Oder allgemeiner formuliert: solche, die mit wissenschaftlichen Methoden arbeiten, und solche, die einer Ideologie hinterherforschen. Weder Weltklima noch Tierreich sind sicher vor politischer Vereinnahmung, aber das ahnte man ja bereits.

          Die große Ausnahme überparteilicher Verbrüderung tritt jedoch ein, sobald das Viech krank oder ausgestorben ist: Veterinärmedizin geht für das gesamte politische Spektrum klar, und noch eindeutiger ist die Übereinstimmung interessanterweise beim Thema Dinosaurier. Da ist nichts mehr zu retten, das liegt tot im Boden, da kann der Paläontologe nur noch graben und abpinseln und ausstellen. Das taugt nicht, um irgendeine parlamentarische Forderung damit zu verbinden. Über Dinosaurier lesen Liberale und Konservative auch die gleichen Bücher, Evolution hin oder her. Ob der Brontosaurus im Mesozoikum grast oder im Garten Eden, ist anscheinend eher zweitrangig. Aus dieser Erkenntnis kann nur eines folgen: Wenn irgendetwas die auseinanderdriftende Nation der Vereinigten Staaten von Amerika vor der gesellschaftlichen Spaltung retten kann, dann ist es die integrative Kraft sehr großer Echsen.

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