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Oscars 2022 : Was war bloß bei den Oscars los?

Stolz mit Oscar: Jane Campion ist mit dem Oscar für die „Beste Regie“ ausgezeichnet worden. Bild: AFP

Ein bester Film über Kinder gehörloser Eltern, eine beste Regie als Kritik am Schema „Held und Schurke“ und eine Ohrfeige – die Academy Awards zeigten, dass das alte Spiel zu Ende ist

          4 Min.

          Jeder Spielfilm zeigt eine Sicht auf die Welt und gleicht dabei einem Schwanz, der mit einem Hund wedelt: Das Besondere (ein Kampf, eine Liebesgeschichte . . .) bedeutet da ein Allgemeines („Alle Menschen wollen . . .“, „Du sollst nicht . . .“).

          Dietmar Dath
          Redakteur im Feuilleton.

          Wenn’s gut gemacht ist, wird das Publikum mitgenommen ins Ausagieren von Empfinden, Denken und Urteilen, als Spiel und Regie. Es gab einen Krawallmoment bei der 94. Oscar-Verleihung, der diese Konstellation zwischen Besonderem und Allgemeinem zur drastischen Szene zusammendrosch: Die spezielle Empörung des (kurz danach für Fach­liches prämierten) Schauspielers Will Smith über einen matten Scherz des moderierenden Komikers Chris Rock, der Smiths Gattin, Jada Pinkett Smith, ihrer krankheitsbedingten Kahlköpfigkeit wegen mit einer Filmfigur verglichen hatte, wurde zur Macho-Ohrfeige, die ein Ausrufezeichen hinter die allgemeine Vorschrift „Man spottet nicht über ein Gebrechen!“ setzte. Die an keinerlei Anstandsvermutungen gebundene Blitzgerüchtemaschinerie der sozialen Me­dien gebar und verbreitete sofort den Ver­dacht, die Szene sei inszeniert gewesen. Derber kann man den Gedanken nicht angreifen, Filmstars könnten Vorbilder sein, mög­licherweise sogar über ihre Rollen hinaus.

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