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Oscar-Verleihung : „Green Book“ erhält den Oscar für den besten Film

„Green Book“ erhielt den Oscar für den besten Film: Produzent Peter Farrelly (Mitte am Mikro) und das Filmteam nahmen die Auszeichnung in Los Angeles entgegen. Bild: dpa

Zum ersten Mal seit 30 Jahren fehlte den Oscars die Moderation. „Bohemian Rhapsody“ gewann vier Oscars, „Roma“ drei, „Green Book“ wurde bester Film. Auch sonst bot die 91. Gala ein paar Überraschungen.

          Die diesjährigen Oscars begannen mit „We will rock you“ und „We are the Champions“. Dafür fehlten die Gastgeber: Die Show eröffneten die Komikerinnen Maya Rudolph, Tina Fey und Amy Poehler, dann durften diverse Schauspieler die Gewinner ankündigen, was den Abend deutlich straffte. Anders als in vielen Vorjahresausgaben war auch, dass es keinen klaren Favoriten gab, also nicht den einen Film, von dem alle erwarten, er werde in mehreren wichtigen Kategorien gewinnen. Überraschungen waren entsprechend zu erwarten.

          Elena Witzeck

          Redakteurin im Feuilleton.

          Den Oscar für den besten Film gewann „Green Book“, die Geschichte über den afroamerikanischen Pianisten Don Shirley, der in den Sechzigerjahren mit seinem Chauffeur in die Südstaaten reist. Für die beste Regie wurde Alfonso Cuarón ausgezeichnet. Sein Schwarz-Weiß-Film über eine Hausangestellte in Mexiko-Stadt, der keine englischsprachigen Stars zu bieten hat, gehört zu den ungewöhnlichsten Produktionen des vergangenen Jahres, Cuarón selbst wiederum zu Hollywoods festen Größen.

          Olivia Colman, die in „The Favourite“ die amtsmüde englische Königin Anne spielt, gewann den Oscar als beste Hauptdarstellerin. Der Kostümfilm des griechischen Regisseurs Giorgos Lanthimos über die Machtspiele am britischen Hof war für insgesamt zehn Oscars nominiert. Bester Hauptdarsteller wurde Rami Malek, dem in „Bohemian Rhapsody“ eine faszinierende Variante des unkopierbaren, 1991 gestorbenen Queen-Sängers Freddy Mercury gelungen ist.

          Olivia Colman denkt auf der Bühne an ihre Kinder vor dem Fernseher.

          Drei Jahre nach der Hashtag-Debatte #OscarsSoWhite über fehlende Diversität in den Entscheidungen der Academy ließ sich in diesem Jahr das Bestreben erkennen, bei der Auswahl der Gewinner auch bislang wenig beachtete Themen und Blickwinkel zuzulassen. Den Oscar der besten Nebendarstellerin bekam Regina King für ihre Rolle in „If Beale Street Could Talk“. Sie spielt darin eine Mutter, die ihre schwangere Tochter unterstützt, während deren Verlobter unschuldig im Gefängnis sitzt. Es ist der erste Oscar für King. Emma Stone und Rachel Weisz, beide für „The Favourite“ nominiert, gingen dafür leer aus.

          Bester Nebendarsteller wurde Mahershala Ali. Er hatte in dieser Kategorie 2017 schon mit seiner Rolle in „Moonlight“ gewonnen. In „Green Book“ spielt er neben Viggo Mortensen eigentlich eine Hauptrolle. Er freute sich trotzdem.

          Ali widmete seine Auszeichnung seiner Großmutter.

          Zu den am stärksten besetzten Kategorien des Jahrgangs gehörte der Auslands-Oscar: Neben Florian Henckel von Donnersmarcks „Werk ohne Autor“ war der Cannes-Gewinner des letzten Jahres, „Shoplifters“, nominiert. Donnersmarck hatte 2007 für „Das Leben der Anderen“ einen Oscar gewonnen. Den Preis bekam dann aber „Roma“. Auch der Preis für die beste Kamera ging an Cuaróns Produktion.

          Der in Berlin lebende Syrer Talal Derki ging mit seinem Film „Of Fathers And Sons - Die Kinder des Kalifats“ in der Sparte beste Dokumentation ebenfalls leer aus. Stattdessen gewann „Free Solo“ von Jimmy Chin und Elizabeth Cha Vasarhely. Darin bezwingt der Kletterer Alex Honnold ohne Hilfsmittel den Granitfelsen El Capitán im Yosemite National Park. In diesem Jahr also keine Oscars für die deutsche Filmbranche.

          Cuarón mit seiner Hauptdarstellerin, Yalitza Aparicio.

          Die meisten Oscars gewann der Freddy-Mercury-Film „Bohemian Rhapsody“, der neben Hauptdarsteller Rami Malek für Technikkategorien wie den besten Schnitt, den besten Tonschnitt und die beste Tonmischung ausgezeichnet wurde. Die Superhelden-Geschichte „Black Panther“ sammelte für ihre Filmmusik, die Kostüme und die beste Ausstattung insgesamt drei Oscars ein.

          Zu den Favoriten des Abends gehörte auch „A Star Is Born“ mit Lady Gaga und Bradley Cooper. Am Ende bekam der Film über einen abgehalfterten Musiker und eine exaltierte Sängerin, die gemeinsam auf die Bühne gehen, immerhin den Oscar für den besten Song.

          Für das beste Original-Drehbuch wurde „Green Book“ ausgezeichnet. „BlacKkKlansman“, die auf einer wahren Geschichte basierende Satire über einen Afroamerikaner, der sich gemeinsam mit einem Freund beim Ku-Klux-Klan einschleust, bekam den Oscar für das beste adaptierte Drehbuch.

          Der Oscar für den bester Trickfilm ging an „Spider Man: A New Universe“. Darin rettet der New Yorker Jugendliche Miles Morales mit einer Gruppe unkonventioneller Spider Man-Charaktere Brooklyn vor der Auslöschung. Bester animierter Kurzfilm wurde „Bao“, die Geschichte einer chinesischen Frau, die einen Dumpling als Kind annimmt. Die Pixar-Produktion wurde als Vorfilm zu „Die Unglaublichen 2“ gezeigt.

          Alle Oscars in der Übersicht

          Bester Film

          „Green Book“

          Beste Regie

          Alfonso Cuarón („Roma“)

          Beste Hauptdarstellerin

          Olivia Colman („The Favourite“)

          Bester Hauptdarsteller

          Rami Malek („Bohemian Rhapsody“)

          Beste Nebendarstellerin

          Regina King (“If Beale Street Could Talk“)

          Bester Nebendarsteller

          Mahershala Ali (“Green Book“)

          Bester fremdsprachiger Film

          „Roma“

          Bester Dokumentarfilm

          „Free Solo“

          Bester Trickfilm

          „Spider Man: A New Universe“

          Bester Kurzfilm

          „Skin“

          Bester animierter Kurzfilm

          „Bao“

          Bester Dokumentar-Kurzfilm

          „Period, End of Sentence“

          Bestes Original-Drehbuch

          „Green Book“

          Bestes adaptiertes Drehbuch

          „BlacKkKlansman“

          Beste Kamera

          „Roma“

          Beste Filmmusik

          „Black Panther“

          Bester Song

          „Shallow“ (Lady Gaga und Bradley Cooper)

          Bester Schnitt

          „Bohemian Rhapsody“

          Beste Ausstattung

          „Black Panther“

          Beste Kostüme

          „Black Panther“

          Beste Effekte

          „First Man“

          Bester Tonschnitt

          „Bohemian Rhapsody“

          Beste Tonmischung

          „Bohemian Rhapsody“

          Bestes Make-up

          „Vice“

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