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Oscar-Verleihung : Wege zum Ruhm auf dem roten Teppich

  • -Aktualisiert am

Der rote Teppich der Oscars soll besonders stilettotauglich sein. Bild: dpa

Der rote Teppich gilt als Inbegriff für Glamour und Glitzer. Doch ihn fürchten auch gestählte Stars – denn sobald sie das Auto verlassen, „beginnt das Tollhaus“.

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          Die Aussicht, in der Nacht zum Montag auf dem roten Teppich eine schlechte Figur abzugeben, treibt vielen Stars schon vor den Oscars den Schweiß auf die botoxglatte Stirn. „Man muss es irgendwie schaffen, in dieser unangenehmsten aller Situationen so auszusehen, als fühle man sich wohl“, gestand die Oscar-Preisträgerin Sandra Bullock. Die englische Schauspielerin Emily Blunt gab zu, den Spießrutenlauf nur mit einem Martini ertragen zu können: „Sobald man aus dem Auto steigt, beginnt das Tollhaus.“

          Auch Julianne Moore, in diesem Jahr für das Alzheimer-Drama „Still Alice“ nominiert, dürfte es schon grauen. Sie hatte sich bei den Screen Actors Guild Awards vor vier Wochen zu einem empörten „Das mache ich nicht!“ hinreißen lassen, als eine Reporterin sie dazu drängte, die manikürten Nägel in die sogenannte Mani-Cam zu halten. Im Internet brach prompt eine Debatte über die Unsitte aus, Schauspielerinnen durch das Diorama im Schuhkartonformat auf die Fingerspitzen zu reduzieren.

          „Was für ein hässliches Kleid!“

          Seit der Kinobetreiber Sid Grauman vor mehr als 90 Jahren bei der Premiere des Films „Robin Hood“ Hollywoods ersten roten Teppich ausrollen ließ, gilt der Läufer als Inbegriff von Glamour, Glitzer und Gossip. Während des Goldenen Zeitalters bot er Fans die seltene Gelegenheit, Stars wie Clark Gable, Grace Kelly und James Stewart einmal diesseits der Leinwand zu sehen. Im Jahr 1964, drei Jahre nach dem ersten „red carpet“ bei den Academy Awards, entschloss sich die amerikanische Filmakademie, die Parade der Prominenten für das Fernsehpublikum nicht auf ein paar stumme Aufnahmen zu beschränken.

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          Vor den Oscars : 360°-Aufnahmen von Hollywood Bild: Torsten Hemke

          „Schon die Ankunft der Stars trägt zur Spannung jeder Oscar-Gala bei“, versprach der „Variety“-Kolumnist Army Archerd den Zuschauern. Während Steve McQueen und Julie Andrews aus schwarzen Limousinen stiegen, beließ es Archerd damals aber noch bei braven Kommentaren. „Ich versuche, den Nominierten einen kleinen Augenblick im Scheinwerferlicht zu geben. Es könnte ihr letzter sein“, sagte der Journalist später.

          Filmpreis : Oscar-Verleihung: Der rote Teppich ist ausgerollt

          Vor 20 Jahren machte Joan Rivers den roten Teppich schließlich zu dem, was er heute ist - ein Minenfeld für Celebritys und ihre Stylisten. Auf Rivers’ harmloses „Who are you wearing?“ folgten meist bissige Statements der Comedienne. Als Nicole Kidman im Jahr 1997 eine grasgrüne Robe aus dem Haus Dior trug, warf Rivers ihr den Satz „Was für ein hässliches Kleid!“ hinterher. Zehn Jahre später honorierte sie Maggie Gyllenhaals nachtblaue Robe mit Federbesatz ähnlich trocken: „Und wie viele Tauben mussten dafür sterben?“

          Ohne Presseagenten läuft nicht immer alles glatt

          Rivers’ mangelnde Political Correctness soll den Sender E! wenige Jahre später dazu bewogen haben, die „Königin des roten Teppichs“ in das Fernsehstudio zu verbannen. Die Quotenstrategie der vor einem halben Jahr gestorbenen Entertainerin geht aber weiter auf. Da die Celebritys den roten Teppich ohne die sonst omnipräsenten Presseagenten beschreiten, läuft zur Freude der mehr als 30 Millionen Fernsehzuschauer nicht immer alles glatt.

          Die Entertainerin Joan Rivers machte den Roten Teppich zu dem, was er heute ist: ein Spießrutenlauf für die Filmstars.
          Die Entertainerin Joan Rivers machte den Roten Teppich zu dem, was er heute ist: ein Spießrutenlauf für die Filmstars. : Bild: Reuters

          Als Jennifer Lawrence im vergangenen Jahr auf dem regennassen Läufer vor dem Dolby Theater ausrutschte, schien halb Amerika über „Jen’s fall“ zu twittern. „Die Wahrheit ist, dass der rote Teppich eine einzige große PR-Veranstaltung ist mit dem Ziel, bemerkt zu werden“, plauderte Rivers in der „Vanity Fair“ aus dem Nähkästchen. „Wie man das anstellt? Entweder durch einen Oscar oder einen besonderen Auftritt, der die Leute am nächsten Tag reden lässt.“

          Der mehr als 150 Meter lange Läufer muss deshalb einiges aushalten. Das Unternehmen American Turf & Carpet, das den roten Teppich in den vergangenen Tagen zum 24. Mal für die Oscars ausrollte, fertigte eigens eine stilettotaugliche Nylonmischung. Dennoch wird der wohl berühmteste Läufer der Welt unauffällig alle paar Jahre ersetzt, um unter den Füßen der etwa 3500 Filmschaffenden und rund 400 Medienleute auch bei grellem Scheinwerferlicht frisch auszusehen. Und rot ist der rote Teppich genaugenommen auch nicht. „Die Farbe heißt Cayenne und verhindert durch Blautöne, dass der ,red carpet‘ unter den Strahlern orangefarben wirkt“, sagte Gauro Coen, der OscarBeauftragte bei American Turf & Carpet.

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