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86. Academy Awards : Oscars für die Favoriten, Pizza für alle

Er ist der Meinung, das war Spitze: Vor Freude über den Oscar für „12 Years a Slave“ als bester Film macht Regisseur und Produzent Steve McQueen einen Luftsprung Bild: REUTERS

Dass „Gravity“ oder „12 Years a Slave“ als großer Gewinner aus der Oscar-Nacht hervorgehen würde, war klar. Die Entscheidungen zwischen den beiden Filmen blieb allerdings lange erstaunlich offen.

          Wir tun ja das ganze Jahr über nichts Glamouröses, das waren ungefähr die Worte von Kevin Spacey, als er kurz vor Beginn der Oscar-Gala gutgelaunt erklärte, was für die Menschen im Filmgeschäft so besonders an der Oscar-Nacht sei – „wir gehen auf Soundstages und tun unsere Arbeit. Und einmal im Jahr feiern wir dann und erinnern uns gegenseitig daran, wie gut wir sind.“

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Brillant, irrsinnig talentiert, teuflisch begabt, das waren die Vokabeln, die im Laufe des langen Abends immer wieder fielen. Ellen DeGeneres, die Gastgeberin bei der Verleihung (sie hatte das Ganze vor sieben Jahren schon einmal hinter sich gebracht), hatte ihre eigene Meinung zu der Sache. Wer keine Familie habe, keine Freunde und auch sonst nichts im Leben, wofür es sich lohne aufzustehen, der gehe ins Filmgeschäft. Und einmal im Jahr kämen dann lauter solche Leute zusammen und nennten sich gegenseitig „Familie“. Man ahnte, was sie meinte, als Norman Neville, der in der Kategorie Bester Dokumentarfilm gewann (für „20 Feet from Stardom“), seine Familie „my background singers“ nannte.

          Keine entfernte Ähnlichkeit mehr

          Machen wir uns nichts vor, hatte Ellen DeGeneres am Anfang noch gesagt, dies hier sind die „Hunger Games“  und damit gemeint: von wegen „Familie“. Aber auch: Hier haben viele schon länger nichts mehr gegessen, und es dauert noch eine Weile, bis es etwas gibt. Also bestellte sie Pizza und ließ einige wagenradgroße Schachteln ins Auditorium liefern.

          Die Pappteller mit den obzön dimensionierten Fett-auf-Teig-Ecken und die wertvolle Garderobe der Heißhunrigen ergaben einen reizvollen Kontrast. Viele der mit großem Aufwand feingemachten Gäste hatten möglicherweise wirklich seit zwei Monaten nichts mehr zu sich genommen. Aber schlank sein allein reicht nicht in Hollywood, wie man an vielen Gesichtern sehen konnte, die mit den Trägern der Namen, die zu ihnen aufgerufen wurden, keine entfernte Ähnlichkeit mehr hatten. Kim Novak? Liza Minnelli? Goldie Hawn?

          Teilweise grotesk misslungen

          Es begann, fast schon wie immer, mit dem Oscar für die beste männliche Nebenrolle. Jared Leto war der große Favorit, und er gewann – in weißem Dinner-Jacket mit roter Fliege, keine Überraschung gleich zu Beginn.  „Happy“, das Lied aus „Despicable Me 2“ machte aus dem Auditorium gleich nach Letos erstaunlicher Dankensrede für ein paar Minuten eine Tanzparty – das war, bevor es zu viele Enttäuschte gab. Noch lag Hoffnung auf den Gesichtern aller Nominierter, und einige tanzten sogar und zeigten, wie ihre Kleider in Bewegung aussehen. Was zu den Kostümen führte.

          Gab es eine Alternative zum „Großen Gatby“ und damit zu Catherine Martin? Nein, nicht nach Meinung der Academy. Dass überhaupt noch jemand sich an diese flaue Fitzgerald-Verfilmung von Baz Luhrmann, dem Ehemann der Oscar-Preisträgerin erinnerte, war erstaunlich genug und verdankt sich einzig diesen Kostümen, die teilweise grotesk misslungen waren. Und zum Kostüm-Oscar gehört traditionell fast automatisch der für die beste Ausstattung, und so war es auch hier.

          Gerecht geht es halt nicht zu bei den Oscars

          Die Stimmung am Sonntag Abend schien lockerer als in anderen Jahren – gutgelaunt, selbstironisch. Aber nach zwei Stunden waren immer noch gerade mal die Hälfte der Trophäen verliehen, und die Sache begann sich hinzuziehen. Die Hauptpreise für die Darsteller, für Regie und besten Film ließen lange auf sich warten. Dazwischen sahen wir dafür lange Zusammenschnitte von Filmhelden, die auf solchen im Leben beruhten, von Helden mit Superkräften, eine Hommage an den „Zauberer von Oz“, nur weil er 75 Jahre alt wurde. 75 in Hollywood! Seit wann ist das ein Grund zum Feiern? Und so endete auch der Erinnerungsclip an die Toten des Jahres mit dem Jüngsten – mit Philip Seymour Hoffman, dessen Bild noch einen Augenblick im Hintergrund stehen blieb.

          Einerseits sah es aus, als könnte es keine große Überraschungen geben in diesem Jahr. Die Favoriten waren klar. Jared Leto. Lupita Nyong`o. Die technischen Preise für „Gravity“. Cate Blanchett. Matthew McConaughey. Ein Schläfer war nicht zu erwarten. Andererseits war es selten spannender als in diesem Jahr. Denn die Favoriten lagen so nah beieinander, dass die Prognosen, ob „Gravity“ oder „12 Years a Slave“ nun als der große Gewinner des Abends herauskommen würde, sich in etwa die Waage hielten.

          Steve McQueen oder Alfonso Cuarón als bester Regisseur? „12 Years a Slave“ oder „Gravity“ als bester Film? Das waren mehr oder weniger die einzigen offenen Fragen. Nachdem Alfonso Cuarón den Regiepreis gewonnen hatte, war traurig eigentlich nur das Gesicht von Martin Scorsese, über das eine Enttäuschung zog, die wir in diesem Rahmen auf diesem Gesicht schon häufiger gesehen haben.

          „12 Years a Slave“ als bester Film – Steve McQueen dankte dafür ungefähr fünfzig Mal seiner Mutter und widmete den Oscar allen Versklavten. Hat das Thema gesiegt? Weil Hollywood der Sklaverei als Teil der amerikanischen Geschichte bisher nicht gerade ein Übermaß an Aufmerksamkeit schenkte? Oder fanden die mehr als sechstausend Mitglieder der Academy tatsächlich, dies sei der beste, oder vielleicht der wichtigste Film des Jahres? Ein ehrenvoller Gewinner ist er allemal. Nur sei noch einmal daran erinnert, dass es nicht wirklich Kriterien gibt, nach denen entschieden wird. „Her“, für den Spike Jonze den Oscar für das beste Original-Drehbuch mit nach Hause nahm, hätte auch in der Regie- und Bester-Film-Kategorie und mit Joaquin Phoenix als Darsteller auch bei den Schauspielerpreisen eine Rolle spielen können, spielen müssen. Aber gerecht geht es halt nicht zu bei den Oscars. Alles in allem können wir in diesem Jahr zufrieden sein.

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