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Schaulaufen in Hollywood : Der Schönheitswahnsinn vor den Oscars

  • -Aktualisiert am
Shailene Woodley bei der Premiere von „Insurgent“ in London im März 2015

Wie die Schwestern Streicher behandelt auch der kalifornische Dermatologe Harold Lancer kurz vor den Oscars vor allem kosmetische Notfälle. Der Mediziner, der seit mehr als 30 Jahren am noblen Rodeo Drive praktiziert, genießt bei Scarlett Johansson, Kim Kardashian und dem Ehepaar Beckham den Ruf, auch die schlimmste Hautunreinheit in wenigen Stunden in makellosen Teint verwandeln zu können. In den Tagen vor Hollywoods biggest night empfängt Lancer die ersten Patienten schon vor Sonnenaufgang. Um früh präsent zu sein, übernachtet er während der Oscar-Woche meist in einer Suite, die er sich in der mehr als 1000 Quadratmeter großen Praxis eingerichtet hat.

Vegane Stammzellen

„Obwohl das Wort ,immer‘ in der Medizin selten vorkommt, glaube ich, dass ich immer alles korrigieren kann“, sagte der Dermatologe der „Elle“. Die Stars machten ihm seine Arbeit dabei eher leicht, da sie ihn bei jedem Pickelchen sofort alarmierten. „Die Aussicht, von Tausenden angestarrt zu werden, lächerliche Fragen beantworten zu müssen und ein unbequemes Kleid zu tragen, würde wohl den meisten Menschen Stresspickel und Ekzeme bereiten. Besonders, wenn auf ihnen 30 Tage lang der Druck lastet, großartig auszusehen“, fasste der Erfinder des „Lancer Glow“ das Schaulaufen auf dem roten Teppich zusammen.

Die Schauspielerin Brie Larson, die nach der Nominierung für das Entführungsdrama „Raum“ als sichere Oscar-Kandidatin gilt, soll Lancer auch ohne Notfall regelmäßig besuchen. Ob die Sechsundzwanzigjährige sich dabei mit veganen Stammzellen behandeln lässt oder Botox injiziert, wissen nur sie und der Arzt.

Brie Larson bei den Screen Actors Guild Awards in Los Angeles im Januar 2016

Dass Los Angeles’ Prominentenfriseure wie Sally Hershberger und Stephanie Hobgood seit Wochen Bobs schneiden, ist dagegen kein Geheimnis. Schon bei den Golden Globes im Januar lief Lady Gaga in einer blonden Variation des Retro-Looks über den roten Teppich. Bei der Verleihung der Grammys überraschte Taylor Swift die Fans vier Wochen später ebenfalls mit dem kinnlangen Klassiker. Rachel McAdams, als Reporterin Sacha Pfeiffer in Tom McCarthys Missbrauchsdrama „Spotlight“ in der Kategorie Beste Nebendarstellerin für einen Oscar nominiert, zog ebenfalls die Blicke auf sich, als sie vor zwei Wochen mit einem platinblonden Bob zu dem traditionellen Mittagessen der Filmakademie erschien.

Tiefrote Lippen

Zeitaufwendige Hochsteckfrisuren, bislang ein Klassiker zu den Abendkleidern der Oscars, bleiben den meisten Celebritys zumindest in diesem Jahr erspart. Die etwa 37 Millionen Zuschauer, die am heutigen Sonntag in den Vereinigten Staaten vor dem Fernseher sitzen, müssen bei den 88. Academy Awards aber nicht auch Glamour verzichten.

Das Heer der Stylisten rät seinen prominenten Klientinnen für den Red Carpet zu tiefroten Lippen in Tönen wie Fuchsia und Ruby. Auch bei den Smokey Eyes tragen viele Stars angeblich so dick auf, dass selbst bei einer Kim Kardashian Neid aufkeimen könnte. Der mehrlagige Lidschatten hat aber noch einen weiteren Nebeneffekt. Unter dem Puder lassen sich nach Hollywoods langen Partynächten der vergangenen Wochen auch Falten vor den Kameras verstecken, die Selleriesaft und Spritzen nicht mehr glätten konnten.

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