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Deutsche Oscar-Nominierung : Los Angeles? Wahnsinn!

  • -Aktualisiert am

Am Mulholland Drive: Patrick Vollrath über Los Angeles Bild: Christiane Heil

Der deutsche Regisseur Patrick Vollrath ist für den Kurzfilm-Oscar nominiert. Doch auch wenn er nicht gewinnt, hat er nicht verloren.

          3 Min.

          Ganz am Mulholland Drive angekommen ist Patrick Vollrath noch nicht. Der Infinity Pool, der nahtlos in das Häusermeer des San Fernando Valley zu münden scheint, ist weiter kalt, der Weinkeller unberührt. „Ich habe keine Ahnung, ob wir die trinken dürfen“, sagt der Regisseur und weist auf ein paar Dutzend Flaschen kalifornischen Merlot. Der Regisseur aus dem Harz hat die raumschiffartige Villa in den Hollywood Hills erst vor ein paar Tagen bezogen, um hier mit seinem Filmteam auf die Oscar-Verleihung zu warten.

          „Eine kostenlose Leihgabe“, sagt Vollrath. Die Vermieterin war von der Nominierung seines Kurzfilms „Alles wird gut“ so beeindruckt, dass sie die Anfrage des Einunddreißigjährigen bei einem Portal für Ferienunterkünfte spontan positiv beschied. „Ich könnte mich an so etwas gewöhnen“, freut sich der Filmemacher bei der Tour durch 600 Quadratmeter Luxus aus Pop-Art, Designermöbeln und unzähligen Flachbildschirmen.

          Studenten-Oscar steht neben dem Fernseher

          Die deutsch-österreichische Produktion „Alles wird gut“, Vollraths Abschlussfilm an der Filmakademie Wien, bringt den Regisseur in dieser Woche zum dritten Mal nach Los Angeles. Anfang September ehrte ihn die amerikanische Filmakademie mit dem Studenten-Oscar in Bronze, der jetzt in Vollraths Wiener Wohnung neben dem Fernseher steht. Vor drei Wochen bat ihn die Academy for Motion Picture Arts and Sciences (AMPAS) dann zum traditionellen Mittagessen der Nominierten in das Hotel Beverly Hilton – mit Stars wie Sylvester Stallone, Lady Gaga und Matt Damon.

          Vorbereitungen für die Oscar-Verleihung in der Nacht zum Montag
          Vorbereitungen für die Oscar-Verleihung in der Nacht zum Montag : Bild: Torsten Hemke

          Aber für Smalltalk mit Hollywood-Prominenz hat er wenig übrig. „Was bringt es, bei so einem Event zwei Minuten mit jemandem wie Steven Spielberg zu reden? Die spannendsten Erlebnisse hatte ich mit Leuten, die hinter den Kulissen arbeiten. Wie mit einer Cutterin, die für ihre Arbeit bei ,Star Wars‘ nominiert wurde“, sagt der Regisseur, der aus der 1300-Einwohner-Gemeinde Eisdorf im Landkreis Osterode stammt. Bei Leonardo DiCaprio würde Vollrath wohl eine Ausnahme machen. Als selbstloser Jack Dawson in James Camerons Katastrophenepos „Titanic“ hinterließ der Hollywood-Star vor 18 Jahren so viel Eindruck bei dem damals Zwölfjährigen, dass er gleich dreimal ins Kino lief.

          „Danach wurde mein Leben anders“, erinnert sich Vollrath. „Ich wollte irgendetwas mit Film machen, am liebsten Schauspieler werden.“ Nach der ersten kleinen Rolle in dem Stück „Arsen und Spitzenhäubchen“ am Tilmann-Riemenschneider-Gymnasium in Osterode übernahm er größere Parts und schließlich die Leitung der Theater-AG. Bei dem Österreicher Michael Haneke, der vor drei Jahren für das Altendrama „Liebe“ mit einem Oscar und einer Goldenen Palme geehrt wurde, folgte in Wien ein Studium in der Regieklasse. „Nach der Nominierung im Januar rief Michael Haneke sofort an und hat mir gratuliert. Wenn wir uns sehen, umarmt er mich jetzt immer.“

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