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Mode für die Oscars von Galvan : Who are you wearing?

Die richtige Connection: Anna-Christin Haas mit Carolyn Hodler, Katherine Holmgren und Sola Harrison (von l. nach r.) Bild: Foto Hersteller

Vier junge Frauen haben innerhalb eines Jahres mit dem Modelabel Galvan eigentlich Unmögliches erreicht. Sie leben in Düsseldorf, Los Angeles und London, ganz so wie ihre Klientel: Gwyneth Paltrow, Rihanna, Sienna Miller – und die Kundin von nebenan.

          Sola Harrison ist zunächst nicht zu erreichen. Stattdessen nur der Skype-Anrufbeantworter: „The person you’re trying to reach is not available.“ Ebenfalls kein Durchkommen auf ihrem Handy, weder auf der englischen noch auf der amerikanischen Nummer. Sola Harrison lebt in Los Angeles und ist eine von vier Gründerinnen des Modelabels Galvan. Wo Harrison ist, fragt sich da auch die Zweite von vieren, Anna-Christin Haas, die wiederum jetzt in Düsseldorf vor dem Laptop auf dem Tripp-Trapp-Stuhl ihres kleinen Sohnes sitzt. Oder die dritte von Galvan, Katherine Holmgren, die in London lebt, den ganzen Tag in der Produktionsstätte des Labels verbracht hat und ebenfalls bereits zugeschaltet ist. Die vierte, Carolyn Hodler – ist gerade erst aus Australien gelandet und jetlagged.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Trotz Skype, trotz ständiger Erreichbarkeit ist es eben noch immer kein leichtes Unterfangen, mit einer Person am anderen Ende der Welt in regelmäßigem Kontakt zu stehen. Aber Galvan sind zu viert – und Geschäftspartnerinnen. Und dennoch hat das erst ein Jahr alte Modelabel in dieser kurzen Zeit Unmögliches erreicht. Oder vielleicht gerade deshalb.

          Schauspielerin Gemma Arterton trug vergangenen Mai zur „Vanity Fair“-Party in Cannes einen dunkelblauen Einteiler – von Galvan. So wie Gwyneth Paltrow wenige Wochen später zu einer Pressekonferenz in Hongkong. Und Sienna Miller lief vergangenen Oktober zur Premiere von „Foxcatcher“ in einem Abendkleid in Silbermetallic über den roten Teppich – ebenfalls von Galvan. Wer weiß, vielleicht entscheidet sich auch an diesem Sonntag die eine oder andere Schauspielerin für ein Kleid des jungen Labels, zur Verleihung der Oscars oder anlässlich einer der After-Parties am selben Abend.

          Prominente und Strippenzieher im Freundeskreis

          Die vier Frauen, alle zwischen 30 und 36, richten sich dabei aber genauso sehr an die Kundin von nebenan, die das Geld für ein Kleid von Galvan selbst verdient. Weil sie jahrelang Schwierigkeiten hatten, Kleider für offizielle Abendveranstaltungen zu finden, die ihrem Sinn für Mode von tagsüber entsprechen, weil auch viele ihrer Freundinnen dieses Problem teilten, gründeten sie eben ein Label für Abendkleider. Der Name Galvan hat somit nichts mit Galvanisieren zu tun, also mit Oberflächenveredelung, sondern ist angelehnt an das englische Verb „to galvanize“, was so viel bedeutet, wie jemanden wachzurütteln oder auf eine Lücke hinzuweisen – in diesem Fall den Mangel an coolen Abendkleidern, in denen man sich weder kostümiert fühlt noch beim Kauf hoch verschuldet. Neben den Schauspielerinnen konnten sie mit der Idee die besten Läden der Welt überzeugen. Dass ein Label in den ersten zwei Saisons von Geschäften wie Bergdorf Goodman in New York, Matches in London und Quartier 206 in Berlin zugleich gekauft wird, grenzt angesichts des zur Zeit rauhen Klimas im Einzelhandel tatsächlich an ein Ding der Unmöglichkeit.

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