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Oscar : Wer die Oscars gewann - eine kommentierte Liste

  • Aktualisiert am

Ron Howard und Brian Grazer mit ihren Oscars für „A Beautiful Mind” Bild: AP

"And the winner is..." - Ron Howards "A Beautiful Mind". Für acht Oscars nominiert, erhielt der Film über ein schizophrenes Mathematik-Genie immerhin vier der goldenen Figuren.

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          Die Academy of the Motion Picture Arts and Science hat ein Zeichen gesetzt: Erstmals in der Geschichte des Oscars wurden zwei afro-amerikanische Schauspieler parallel in der Kategorie "Beste Hauptdarsteller" ausgezeichnet. Unter Tränen nahm das nächste Bond-Girl, Halle Berry, seine Auszeichnung entgegen. Mit kämpferischer Pose verließ Berry die Bühne - die empfohlene Zeit für die Dankesrede, 45 Sekunden, hatte Berry um ein Vielfaches überschritten, dafür aber einer anderem Tipp der Academy unbewusst Folge geleistet: jede Menge Emotionen zu zeigen. Bester Film wurde Ron Howards "A Beautiful Mind"; eine kommentierte Liste der Preisträger.

          Bester Film

          Brian Grazer, Ron Howard für "A Beautiful Mind"

          Oscar-Lächeln schon vor der Zeremonie: Halle Berry
          Oscar-Lächeln schon vor der Zeremonie: Halle Berry : Bild: dpa

          FAZ.NET: War ja zu erwarten, trotz vorangegangener Schmäh-Kampagne. Die Entscheidung enttäuscht darüber hinaus, denn der Film geht handwerklich kühl und so entschieden nach der Beifalls-Rezeptur, dass ihn FAZ.NET bereits als "typisch Oscar" kritisiert hatte. Peter Jacksons wagnisreicheres und bestechendes Gesamtwerk "Der Herr der Ringe" hätte den Preis verdient gehabt. Seine Anhänger hoffen nun auf Lorbeer für Teil zwei.

          Bester Schauspieler

          Denzel Washington für "Training Day"

          FAZ.NET: Man - und damit ist in diesem Falle nicht nur Hollywood gemeint - hält ihn für einen der besten Schauspieler unserer Zeit. Nicht sein erster Oscar, 1990 erhielt er den Academy Award für den besten Nebendarsteller in Edward Zwicks Film "Glory". Vor ihm hat in der Hauptdarsteller-Kategorie nur ein anderer Schwarzer Glück: Sidney Poitier, 1964 in "Lilies of the Field". Poitier, der trotz reduziertem Sitzplatzkontingent im neuen Kodak-Theatre mit seiner mehrköpfigen Familie am Oscar 2002 teilnehmen konnte, erhielt einen Ehren-Oscar.

          Beste Schauspielerin

          Halle Berry für Marc Berrys "Monster's Ball"

          FAZ.NET: Eigentlich hätte ihn Nicole Kidman diesmal verdient gehabt, als schwindsüchtige und exzentrische Satine in "Mouline Rouge". Kidman blickt auf eine veritable Filmographie zurück (Kubricks "Eyes Wide Shut") und zeigte zuletzt in Amenabars beklemmendem Geisterstück "The Others", was für eine sensible Schauspielerin sie ist. Aber die Academy wollte wohl ein Zeichen setzen - erstmals in der 74-jährigen Geschichte des Oscars erhielt eine Schwarze die Auszeichnung für die beste Hauptdarstellerin. Voran gingen - als Nebendarstellerinnen - nur Whoopi Goldberg, 1991 in "Ghost" und Hattie McDaniel, 1940. "Für die Rolle von Leticia in 'Monster's Ball' hätte ich mein letztes Hemd gegeben", sagt die 34-Jährige, die bei der Entgegennahme der Statuette völlig die Fassung verlor und in Tränen zerfloss.

          Bester Nebendarsteller

          Jim Broadbent für "Iris"

          Beste Nebendarstellerin

          Jennifer Connelly für Ron Howards "A Beautiful Mind"

          FAZ.NET: Nicht wirklich. Connelly ist zwar wirklich hübsch anzusehen, aber eine von den älteren Ladies aus Robert Altmans "Gosford Park", Helen Mirren oder Maggie Smith, wären der Auszeichnung würdiger gewesen. Oder vielleicht doch Marisa Tomei in "In the Bedroom"?

          Bester Regisseur

          Ron Howard für "A Beautiful Mind"

          Bestes Original-Drehbuch

          Julian Fellowes für Robert Altmans "Gosford Park"

          Beste Drehbuch-Adaption

          Akiva Goldsman für "A Beautiful Mind"

          Bester Animationsfilm

          Aron Warner für "Shrek"

          FAZ.NET: Der beste Animationsfilm seit es schreckliche, grüne Waldbewohner gibt, die auch noch stinken. Nein, mal ehrlich, der Film hat es verdient. Richtige Entscheidung, große Freude.

          Beste Ausstattung

          Catherine Martin für Baz Luhrmans "Moulin Rouge"

          Beste Kamera

          Andrew Lesnie für Peter Jacksons "Der Herr der Ringe"

          Bestes Kostümdesign

          Catherine Martin für "Moulin Rouge"

          Bester Sound

          Michael Minkler, Myron Nettinga, Chris Munro für „Black Hawk Down"

          Bester Filmschnitt

          Pietro Scalia für „Black Hawk Down"

          Bester Tonschnitt

          Christopher Boyes (I), George Watters II für „Pearl Harbor"

          Beste Visual Effects

          Jim Rygiel, Randall William Cook, Richard Taylor (III), Mark Stetson für "Der Herr der Ringe"

          Bestes Makeup

          Peter Owen, Richard Taylor (III) für "Der Herr der Ringe"

          Bester Song

          Randy Newman für "Monsters AG"

          FAZ.NET: 16-mal war er nominiert, diesmal hat es geklappt. Im Duett mit John Goodman sang Filmkomponist Newman höchstselbst sein "Monsters Inc." Glückwunsch, dennoch hätte (ausgerechnet!) Paul McCartney mindestens ebenso viel Lorbeer verdient gehabt. Sein Soundtrack "Vanilla Sky" zum gleichnamigen Film von Cameron Crowe (Adaption nach Alejandro Amenábars "Abre Los Ojos") ist ein hübsches Liedchen, dass mit leicht psychedelischen Anklängen auf die menschlichen Entgrenzungen im Film anspielt. Gott sei Dank hat das nationalbewusste Amerika nicht Diane Warrens "Pearl Harbor" ausgezeichnet.

          Bester Soundtrack

          Howard Shore für "Der Herr der Ringe"

          Bester animierter Kurzfilm

          Ralph Eggleston für "For the Birds"

          Bester Kurzfilm

          Ray McKinnon, Lisa Blount für "The Accountant"

          FAZ.NET: Der einzige deutsche Kandidat ging leer aus. Johannes Kiefers Debüt, ein elfminütiges Werk mit dem Titel „Gregors größte Erfindung“, erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der eine Gehhilfe für seine Großmutter entwickelt und damit ihre Abschiebung ins Altenheim verhindert. Im Herbst 2001 hatte die Arbeit des Berliners das Internationale Kurzfilmfestival in Los Angeles gewonnen und deswegen die Erlaubnis erhalten, sich für einen Oscar zu bewerben.

          Bester Dokumentarfilm

          Jean-Xavier de Lestrade, Denis Poncet für "Murder on a Sunday Morning"

          Bester dokumentarischer Kurzfilm

          Sarah Kernochan, Lynn Appelle für "Thoth"

          Bester nicht englischsprachiger Film

          Danis Tanovic für "No Man's Land" Bester Film

          FAZ.NET: Alle hatten wir doch mit Jean-Pierre Jeunets "Fabelhaften Welt der Amélie" gerechnet, oder? Als ob dieser zauberhafte Film das einzige wäre, was Europa der Grande Nation jenseits des Atlantiks zu bieten hätte? Die Academy entschied sich für einen politischeren Film, den wir vermutlich wieder vergeblich in den Kinos suchen. Trotzdem schade für Amélie.

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