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Oscar-Nacht : Deutscher Jungfilmer gewinnt in der Kategorie Kurzfilm

  • Aktualisiert am

Oscargewinner: Florian Gallenberger Bild: dpa

Mit einem Oscar hatte Florian Gallenberger nicht gerechnet. Trotzdem bekam der Münchener einen für den Film „Quiero Ser“

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          Dass er einen „Oscar“ mit nach Hause bringen würde, hatte Florian Gallenberger noch vor zwei Tagen nicht zu hoffen gewagt. „Ganz ehrlich, ich denke leider nein“, sagte Florian Gallenberger am Freitag vor der Oscarverleihung auf die Frage, ob er sich mit seinem Kurzfilm „Quiero Ser“ („Ich will sein“) Chancen auf einen Preis ausrechne. Und dann bekam er ihn doch, hielt ihn plötzlich in Händen und erlebte damit den bisher größten Moment seiner jungen Karriere. Er habe „keine wirkliche Erinnerung mehr“ an die Ehrung am Sonntagabend, sagte der 29-jährige Nachwuchsregisseur am Montagmorgen in der ARD. Erst langsam fange er an, zu begreifen, „dass es unglaublich ist“.

          Mit Unterstützung des Film-Fernseh-Fonds Bayern (FFF) hatten Florian Gallenberger und sein Team den prämierten Kurzfilm „Quiero Ser“ bereits im Herbst 1998 unter schwierigsten Bedingungen in Mexico City gedreht. Das halbstündige Jugenddrama handelt von zwei Brüdern, die in der Millionenstadt den Aufstieg aus dem Elendsviertel schaffen wollen. Ein zehnjähriger Junge tingelt mit seinem 16-jährigen Bruder durch die Straßencafes, um sich mit Musizieren und Singen ein paar Groschen zu verdienen.

          Der zerplatzte Traum

          Der große Traum der beiden ist es, sich mit dem Erspartem ein Luftballongeschäft aufzubauen. Doch der Ältere verliebt sich und stiehlt heimlich das gemeinsame Geld, um sich ein neues Hemd zu kaufen. Das führt zum Bruch in der Beziehung, und der Jüngere läuft davon. Die letzte Szene zeigt die Freunde als Erwachsene: den „Kleinen“ im flotten Auto, den „Großen“ als abgerissenen Straßenmusikanten. Der Kurzfilm war zugleich Gallenbergers Abschlussarbeit an der Hochschule für Fernsehen und Film München, mit der er 1999 sein Studium beendete.

          An der Hochschule erinnert man sich gerne an den „hervorragenden Schüler“, der nicht nur für seinen Abschlussfilm die Note eins erhalten habe, sondern auch für alle vorangegangenen Arbeiten. Für den jungen Regisseur sind Kurzfilme ein „wunderbares Genre“, einen Kinofilm von 90 Minuten Länge zu drehen, habe sich der frischgekürte Oscar-Preisträger aber auch „nicht zugetraut“.

          Überhaupt waren dem gebürtigen Münchner bei seinem ersten Auftritt in Hollywood alle Starallüren fremd. „Ich freue mich, dabei zu sein, ansonsten mache ich meine Arbeit“, hatte Gallenberger in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ zwei Tage vor der Verleihungs-Gala angekündigt. „Ich fahr' halt nicht so ab auf diese Glamour-Kiste“, fügte der Regisseur hinzu, der schon als Kinder- und Jugenddarsteller bei Film, Fernsehen und Theater Erfahrungen in dem Metier sammelte.

          München, Berlin, Hollywood, Indien

          Eine Dankesrede hatte der Oscar-Anwärter aber trotz aller Bescheidenheit vorbereitet, obwohl er dem amerikanischen Wettbewerbsfilm eher den Sieg zugetraut hatte. „Das ist eine große Ehre, ein wirklich bedeutender Moment für mich“, sagte Gallenberger, nachdem er die begehrte goldene Trophäe in der Hand hielt.

          Der gebürtige Münchner ist vor einem halben Jahr nach Berlin gezogen und plant eine Karriere als freier Filmemacher. Sein nächstes Projekt führt ihn nach Angaben der Hochschule für Film und Fernsehen mit dem Regisseur Helmut Dietl zusammen: Mit Dietl will Gallenberger seinen ersten langen Spielfilm in Angriff nehmen, dessen Autor er auch ist. Für die Liebesgeschichte mit dem Arbeitstitel „Schatten der Zeit“ bricht er Anfang April zu einer mehrwöchigen Recherchereise nach Indien auf, wo der Film spielen soll

          Für „Quiero Ser“ war der Oscar die wichtigste, aber nicht die erste Auszeichnung. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Streifen den Studenten-Oscar (Honory Foreign Film Award) für den besten fremdsprachigen Film erhalten. Davor war der Kurzfilm ebenfalls schon mehrfach ausgezeichnet worden, unter anderem als bester europäischer Film beim Filmfestival in Brest und als bester Absolventen Film bei den Babelsberger Medientagen 1999. Florian Gallenberger hatte im vergangenen Jahr den deutschen Nachwuchspreis First Steps erhalten.

          Oscars für junge deutsche Filmemacher

          Andere Nachwuchskünstler der deutschen Kurz- und Trickfilmszene haben in den vergangenen zehn Jahren mehrfach einen Oscar erhalten. So 1990 Wolfgang und Christoph Lauenstein für „Balance“ als den besten kurzen Zeichentrickfilm (Animationsfilm), Pepe Danquart 1994 für „Schwarzfahrer“ als besten Kurzfilm sowie 1997 Thomas Stellmach und Tyron Montgomery für den besten Zeichentrick-Kurzfilm („Quest“) und Volker Engel für die besten visuellen Effekte in „Independence Day“.

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