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Oscar : Kampagne gegen „A Beautiful Mind“

  • Aktualisiert am

Gegenstand einer Kampagne: „A Beautiful Mind” Bild: UIP

Der Kampf um die Oscars wird nicht allein aus dem Werbe-Etat bestritten. Jüngstes Beispiel: Der Film „A Beautiful Mind“.

          2 Min.

          Wenige Tage vor der Oscar-Vergabe hat eine Schmähkampagne in Hollywood für Aufsehen gesorgt. Gerichtet war sie gegen das Drama „A Beautiful Mind“, das mit Russell Crowe in der Hauptrolle zu den fünf Anwärtern auf den Oscar für den besten Film des Jahres gehört. Wieder einmal zeigt sich: Je näher die Entscheidung rückt, desto unfeiner wird hinter den Kulissen der Traumfabrik der Konkurrenzkampf.

          Mit Getuschel im Internet fing es an, ausgelöst durch gezielte Hinweise. Nach dem Internetdienst „Drudge Report“ stieg die Klatschpresse ein. Ihr Vorwurf: Der unter Anfällen von Schizophrenie leidende Nobelpreisträger John Nash, den Crowe so eindrucksvoll darstellt, sei im wirklichen Leben eine miese Figur. Auf Toiletten habe er junge Männer angemacht. Seine Kinder habe er vernachlässigt. Und 1967 habe er sich gar in einem Brief als „fanatischer Antisemit“ geoutet. All das hätten die Filmemacher verschwiegen.

          Man sei ja manches gewöhnt, aber die offensichtlich inszenierte Kampagne gegen „A Beautiful Mind“ hätten selbst Hollywood-Insider „als besonders brutal empfunden“, schrieb die „New York Times“.

          Antisemitismus-Karte

          Der Filmhistoriker Pete Hammond fand es bedenklich, wie im Kampf um die Stimmen der mehr als 5.000 Mitglieder der Filmakademie, die Antisemitismus-Karte gespielt worden sei: „Man weiß doch, dass sehr viele derjenigen, die über die Oscars abstimmen, Juden sind“.

          „Das war jenseits jedes Gefühls für Verantwortung“, schimpfte auch Filmstar Crowe, der für die Nash-Darstellung auf seinen zweiten Oscar hoffen kann. So wie er wies Sylvia Nasar, die Autorin der verfilmten Nash-Biografie, darauf hin, dass der Nobelpreisträger anti-jüdische Äußerungen nur in einer Phase der Umnachtung von sich gegeben habe. „Damals hielt er sich abwechselnd für Hiob, für einen Sklaven in Ketten, den Herrscher der Antarktis oder einen Messias.“ Für den Film sei der bewusste Brief deshalb nicht relevant gewesen.

          Er sei absolut kein Antisemit, beteuerte auch der Angegriffene selbst. Der 72-jährige Nash sagt in einem Interview des Fernsehsenders CBS: „Ich hatte nur zu gewissen Zeiten verrückte Ideen“. Seine Frau, die von der ebenfalls Oscar-nominierten Jennifer Connelly gespielt wurde, sah sich zu der Erklärung genötigt, ihr Mann sei nicht schwul. „Ich kenne ihn, seit ich 20 war. Ich würde es wissen.“ Der Sohn, der ebenfalls unter Schizophrenie-Anfällen leidet, erklärte, er und sein Stiefbruder seien von ihrem Vater großzügig mit Anteilen aus dem Nobelpreis-Vermögen bedacht worden.

          Stecken andere Studios dahinter?

          Manche vermuten hinter der Kampagne die psychologische Kriegführung gegnerischer Hollywood-Studios. Neben dem Werbe-Etat gibt es anscheinend auch dafür ein freilich inoffizielles Budget. So glaubte kaum jemand an einen Zufall, als die „Los Angeles Times“ enthüllte, auch einer ihrer Reporter sei von einem Miramax-Repräsentanten gezielt auf Schattenseiten im Leben Nashs angesprochen worden. Die Propaganda gegen „Beautiful Mind“ ist nicht die erste Kampagne dieser Art. In Erinnerung bleibt die Propagandaschlacht zwischen Miramax („Shakespeare in Love“) und DreamWorks („Der Soldat James Ryan“) aus dem Jahre 1998, die schließlich Miramax für sich entschied.

          Diesmal ist Miramax mit „In the Bedroom“ im Rennen. Der Streifen gilt in einer Kategorie, zu der auch „Der Herr der Ringe“, „Moulin Rouge“ und „Gosford Park“ vertreten sind, zwar nicht als großer Favorit. Doch er ist neben Universals „A Beautiful Mind“ das einzige Drama in der Hauptkategorie, und der Wettlauf gilt in diesem Jahr als so offen wie schon lange nicht mehr.

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