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Oscar : Hollywood und die Schwarzen

  • -Aktualisiert am

Halle Berry - Hoffnungsträger der Schwarzen in Amerika Bild: AP

Trotz der drei Oscar-Nominierungen: Schwarze haben im amerikanischen Filmgeschäft immer noch einen schweren Stand.

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          Drei schwarze Schauspieler sind in diesem Jahr für den Oscar nominiert. Und doch bleiben die „Afro-Amerikaner“ in der amerikanischen Filmwirtschaft unterrepräsentiert. Jetzt wird über deren Situation in den amerikanischen Medien wieder heftig diskutiert.

          „Es hat sich viel verändert, aber vieles ist gleich geblieben“, sagte unlängst der Schauspieler Sidney Poitier. Anlass war eine Geschichte der Zeitschrift „Newsweek“ über Denzel Washington, neben Will Smith und Halle Berry einen der drei schwarzen Schauspieler, die in diesem Jahr für den Oscar nominiert sind. Es gebe Grenzen für schwarze Schauspieler, sagt Washington selbst. „Es wäre falsch, anzunehmen, dass Afro-Amerikaner nun die Anerkennung bekommen, die sie verdienen.“ Damit würde man der Akademie, welche die Preise verleiht, eine Macht zuschreiben, die sie nicht hat. Die Macht, so die allgemeine Auffassung in Amerika, hat das Kinopublikum, das schwarze Schauspieler nicht so goutiere wie weiße. Und auf diese Publikumsmeinung nehme die „Academy“ Rücksicht.

          Im Jahr der Oscar-Verleihung wird in Amerika so heftig wie schon lange nicht mehr über die Chancen für Schwarze in der Filmwirtschaft diskutiert. Dass nur sechs Schwarze je den Oscar bekamen, wird zurecht als schlechtes Zeichen gewertet. Kweisi Mfume, Präsident der „Organisation für das Vorwärtskommen von Farbigen“, hält jedoch die Situation hinter den Kulissen für noch schlimmer. Verschwinden gering sei die Zahl schwarzer Produzenten, Regisseure, Drehbuchautoren und Kameraleute.

          Einen Bären hat er schon: Denzel Washington

          Kaum schwarzes Führungspersonal

          Aber auch in den Führungsetagen der Filmstudios, dort, wo über Projekte und ihre Besetzung entschieden wird, seien Schwarze dramatisch unterrepräsentiert, sagt Mfume laut „New York Times“. Gleichzeitig glaubt Mfume, es sei riskant, jetzt öffentlich zu protestieren. Das Publikum könne sich gerade in diesem Jahr fragen: „Bekommen die denn nie genug?“ Mfume beschuldigt jedoch niemanden, rassistisch zu sein. Die Sache sei komplizierter, meint er. Wenn die Oscar-Jury sich seltener für Schwarze entscheide, hänge das mehr damit zusammen, dass sie das „Vertraute“ bevorzuge, zitiert ihn die „New York Times“.

          Andere Beobachter weisen darauf hin, dass schwarze Schauspieler eine geringe Auswahl an Rollen hätten, und das liege wiederum auch daran, dass für sie weniger Rollen geschrieben würden. Und Schwarze würden eher selten für Rollen ausgewählt, die „rassen-neutral“ seien.

          Eine Ausnahme war Denzel Washington. In der Grisham-Verfilmung „The Pelican Brief“ spielte er eine Rolle, die Grisham eigentlich nicht für einen Schwarzen vorgesehen hatte. Und Grisham wollte Washington zunächst nicht haben. Doch der hatte in Julia Roberts eine einflussreiche Fürsprecherin. Sie wollte Denzel Washington als Partner - und bekam ihn.

          „Irgend jemand wird es schaffen“

          Jetzt hofft Julia Roberts, dass Denzel endlich den Oscar bekommt: „Es übersteigt meine Vorstellungskraft, in einer Welt zu leben, in der ich einen Oscar bekommen habe und Denzel nicht.“

          Washington selbst bleibt bei allen Schwierigkeiten, die Schwarze in Amerika allgemein und in der Filmindustrie im Speziellen haben, positiv gestimmt: Die „Grenzen“, die es gebe, stellt er sich gerne gläsern vor. „Sie können an einem bestimmten Punkt durchbrochen werden.“ Und bescheiden fügt er, den viele für den besten amerikanischen Schauspieler der Gegenwart halten, hinzu: Auch wenn ihm das nicht gelinge, „irgend jemand wird es schaffen.“ Halle Barry, die nach ihrem Erfolg in „Monster's Ball“ nun für ihre Rolle als neues Bond-Girl fast zu schade ist, freut sich, dass die Nominierungen ein „Schritt in die richige Richtung“ seien.

          Wie auch immer es weitergeht, zumindest ist es nicht mehr so wie in jenen finsteren Zeiten, als selbst Schwarze nicht von Schwarzen gespielt werden durften. Als 1913 „Onkel Tom's Hütte“ verfilmt wurde, wurde Tom noch mit einem Weißen besetzt, dem man das Gesicht färbte.

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