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Ortstermin Köln : An der Basis bleibt die alte SPD jung

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Heute, wo sich Gerhard Schröder in Härte übt und Ottmar Schreiner die Unterwelt mobilisiert, gießt kein Liedermacher mehr weiches Wasser auf die Mühlen der Parteibasis.

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          Wenn die SPD heute im Berliner Tempodrom ihr hundertvierzigjähriges Parteijubiläum feiert, dann stimmen die für die Beschallung zuständigen "Prinzen" wohl kaum eine A-cappella-Fassung jener weichgespülten Hymne an, die Heinz Rudolf Kunze zum hundertfünfundzwanzigjährigen Jubelfest der Sozialdemokraten sang: "Wir wollen wie das Wasser sein, das weiche Wasser bricht den Stein."

          Der Protestsong, aus den wogenden Menschenmeeren der Friedensbewegung hervorgestiegen, kündete von der Hoffnung auf die Urgewalten der Basis. Wer die Götter nicht erweichen kann, setzt eben die Unterwelt in Bewegung. 1988 durften auch Sozialdemokraten, damals noch in alle Ewigkeit zur Opposition verdammt, an den vielstimmigen Chor der Gegenöffentlichkeit glauben.

          Sozialromantik trägt jetzt den Namen "WenzF"

          Heute, wo sich Gerhard Schröder in Härte übt und Ottmar Schreiner die Unterwelt mobilisiert, gießt kein Liedermacher mehr weiches Wasser auf die Mühlen der Parteibasis. Die Sozialromantik des "Iwan" trägt jetzt den Namen "WenzF", und die Abstimmung mit Füßen und Kopfstimmen steht eine Friedensbewegung später, wo auch die Opposition als Chefsache läuft, nicht mehr auf der Tagesordnung. Mit seiner Regierungserklärung vom 14. März 2003 stellte Gerhard Schröder den uralten Begriffsapparat von Überbau und Basis - längst zwischen Dampfmaschinen und Stahlträgern im Industriemuseum eingerostet - von den Füßen auf den Kopf: Denn anders als im neunzehnten Jahrhundert ist der gesamtgesellschaftliche Fortschritt, der seit Schröders Kopfgeburt "Agenda 2010" heißt, nur gegen die Basis durchzusetzen. Das Geschichtsbild der Sozialdemokratie, das die Zukunft immer dicht am Boden suchte, steht in jenem Augenblick zur Debatte, in dem das Land selbst am Boden liegt. Dabei liegt die politische Heimat des Bundeskanzlers in jenem widerständigen Sumpf, welchen die Parteiführung nun trockenlegt.

          Als Juso mit Tolle und Rollkragenpullover trat Schröder in den Grabenkämpfen der siebziger Jahre den Anti-Revisionisten bei, die politische Fragen von Fall zu Fall entschieden und auf die Kleinarbeit vor Ort setzten. Schlägt heute in Berlin die Stunde des Revisionismus? Oder weiß Schröder, daß die wahren Geburtstagsreden in jenen Kreisen erklingen, in welchen die von der Agenda 2010 aufgewühlte Parteibasis dieser Tage überall im Lande zusammenkommt - als ob sie in einem nostalgischen Historama die ersten Sitzungen des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins noch einmal durchspielen wollte?

          Verratene Basis

          Zur Illustration von Fernsehnachrichten über die Sozialdemokratie diente in den vergangenen Jahren die Klinkerfassade des gelben Hauses, das die Kölner SPD beherbergt. Immer noch erinnert der Ort, an dem die Kölner Jusos ihre außerplanmäßige Themenkonferenz zur Agenda 2010 abhalten, an eine durch die Parteiführung verratene Basis. Mit mehr als tausend Mitgliedern stellen die Kölner Jusos den größten Unterbezirk Nordrhein-Westfalens. Trotz Streitigkeiten in der Partei legte der Verband am 1. Mai das Mitgliederbegehren zur Unterschrift aus.

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