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Orchesterstreit : Kampflied oder Kündigung?

  • Aktualisiert am

Keine Kampflieder: die Kasseler Musiker bei VW Bild: dpa/dpaweb

Mißklänge aus Kassel: Bei einem Konzert wünschte sich der VW-Betriebsrat das Kampflied „Die Internationale“. Das wollten die Musiker des Staatstheaters nicht spielen. Wurde ihnen deshalb mit der Kündigung gedroht?

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          Der Intendant des Staatstheaters Kassel, Christoph Nix, hat Musikern mit der Kündigung gedroht, um sie zum Spielen der „Internationalen“ zu zwingen. Das bestätigte das hessische Kunstministerium am Montag, das auf eine Beschwerde des Orchesters hin eine solche Sanktion aber ablehnte.

          „Wir halten es für unzumutbar, Orchestermitglieder, die unter dem DDR-Regime gelitten haben, so unter Druck zu setzen“, sagte Ministeriumssprecherin Adrienne Lochte in Wiesbaden. Nix hingegen bestritt die Drohung. Das kommunistische Kampflied hätte an diesem Montag bei einem Konzert im VW-Werk gespielt werden sollen. „Ich habe keinen Menschen gezwungen“, erklärte Intendant Nix.

          „Alberne“ Weigerung

          Das Orchester habe sich mit seinem Protest gegen die „Internationale“ direkt an das Ministerium und nicht an ihn gewandt. Die Weigerung, das Stück zu spielen, habe er „albern“ gefunden. Auf Vorschlag des Ministeriums sei statt dessen die „Marseillaise“ in das Konzert zu Beginn der Betriebsversammlung im Volkswagenwerk aufgenommen worden. Der Betriebsrat als Veranstalter hatte sich das Arbeiterlied gewünscht, aber Nix die Auswahl überlassen.

          Generalmusikdirektor Roberto Paternostro erklärte, Nix habe das Konzert bei Volkswagen nicht mit ihm abgestimmt. Auf Wunsch des Orchestervorstandes habe er die Vorbehalte gegen die „Internationale“ zur Sprache gebracht. „Man sollte Leute nicht zwingen, etwas zu spielen, mit dem sie in ihrer persönlichen Lebensgeschichte eine sehr schmerzhafte Erfahrung gemacht haben.“ Da mehrere Orchestermitglieder aus der ehemaligen DDR stammten, hätte die Frage der „Internationalen“ mehr politisches Gespür verdient.

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