Verbrechen und Sprache :
Erlebnis Vergewaltigung?

Lesezeit: 3 Min.
Macht es irgendetwas besser, ein Opfer nicht mehr unverblümt als Opfer zu bezeichnen? Frauen in Bukarest, Rumänien, protestieren gegen sexuelle Gewalt.
Eine Kulturwissenschaftlerin schlägt vor, die Opfer einer Gewalttat als „Erlebende“ zu bezeichnen. Dagegen wehren sich viele Frauen, denn so werden Taten durch Sprache unsichtbar gemacht.

Mit Blick auf Vergewaltigungen von Opfern zu sprechen sei verkehrt. Und auch im Bezug auf den Holocaust, so wird in Klammern nahegelegt, solle man den Begriff besser nicht verwenden. Die angemessene, weil wertneutrale Bezeichnung für Menschen, denen insbesondere sexuelle Gewalt widerfahren sei, laute „Erlebende“. So müsse es auch im Duden stehen. Eine Vergewaltigung ein Erlebnis? Es ist schon atemberaubend, was die „Missy“-Autorin und Kulturwissenschaftlerin Mithu Sanyal mit der Studentin Marie Albrecht in einem gemeinsamen Text in der „taz“ propagiert. Und es wird atemberaubender mit jedem weiteren Argumentationsschritt dieses Artikels, der geradewegs in den Abgrund führt – und damit beispielhaft für die Irrläufe eines reaktionären, vor allem im Internet heimischen Feminismus steht, der sich mit viel Hashtag- und Sprachvorschriftsgetöse als vermeintliche Speerspitze im Kampf um Gleichstellung aller Gender und Identitäten, Ethnien und Klassen geriert, tatsächlich aber Opferverachtung betreibt.

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