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Online-Recherche : Vergelt's Gott!

Mit Wellness zu Millionen: Verheißung auf „ratzinger.com” Bild: AP

Wer als Pilger in der Wüste des Internet nach dem rechten Weg zu „Ratzinger“ oder „Benedikt“ fragt, wird in die Irre geleitet. Doch selbst auf den Seiten von Fitneßstudio-Betreibern und Unternehmensberatern schimmert es fromm.

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          Die Website „ratzingerfanclub.com“ erfreut sich inzwischen einiger Beliebtheit im Internet, leidet allerdings unter schwacher Serverleistung. Sie ist seit Dienstag abend nicht erreichbar.

          Er muß seinen Blick also schweifen lassen, der Pilger im Online-Universum, auf der Suche nach dem neuen Papst. Zwar führen alle Wege nach Rom, nicht alle Suchabfragen im Internet jedoch führen auch zum Gesuchten. Aber doch auf auffällige Weise in dessen Nähe.

          www.ratzinger

          Wer zum Beispiel das Suchwort „Ratzinger“ gewählt hat, erhält einige Ergebnisse, in denen seelischer oder auch ganz praktischer Beistand angeboten wird.

          „Ratzinger.at“ zum Beispiel erweckt schon in den wenigen Wörtern, mit denen Google die Website skizziert, den Eindruck, hier habe sich ein besonders findiger Hirte der Herde des Herrn angenommen und Bahnhofsmission und Motorradgottesdiensten die seelsorgerische Zuwendung zu den verirrten Kneipengängern an die Seite gestellt: „Wirtschafsberatung“ bietet Ratzinger zusammen mit den Herren Gstöttner und Wurzer im österreichischen Steyr.

          Auch auf „ratzinger.com“ wird nicht direkt das Seelenheil verheißen, aber zumindest einige Umstände, die ihm zuträglich sind: Ob man eine sichere Zukunft suche, mehr Lebensqualität oder bessere Perspektiven? Mit ein wenig Offenheit, Selbständigkeit, Lernbereitschaft und Willenskraft sei da einiges zu machen.

          Die Website verspricht - wie viele andere - überwältigende Verdienstmöglichkeiten von zu Hause aus. Die Ermunterung zum Einstieg liest sich jedoch wie klassische Missionsprosa, die wir an zwei Stellen sanft grammatisch korrigieren mußten: „Sie befinden sich bereits auf dem richtigen Weg. Indem Sie an diesem, erwiesenermaßen erfolgreichen Programm teilnehmen, gesellen Sie sich zu vielen erfolgreichen Menschen aus der ganzen Welt, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren.“

          www.benedikt

          Zur richtigen Zeit haben Stefan Achatz und Rogers Cadenhead sich die Domains „papst-benedikt.de“ beziehungsweise „benedictXVI.com“ gesichert. Auf der Seite des Münchners, der außerdem die Website „lady-sportiv.de“ nebst dazugehörigen Fitneßstudios betreibt, finden sich an diesem Mittwoch morgen bereits Glückwünsche an den neuen Papst, außerdem die Möglichkeit zum Buchkauf über „amazon.de“.

          Einem Bericht der Zeitung „Die Welt“ zufolge ist Achatz zwar vor Jahren aus der katholischen Kirche ausgetreten. Dennoch grüßt er auf der Website mit „Vergelt's Gott“ all jene, die er dem Buchhändler mit Gewinn zuführen konnte und verweist stolz darauf, sich schon vor dem Konklave ausführlich mit dem Namen des neuen Papstes beschäftigt zu haben. Ein herzliches „Vergelt's Gott“ wird er auch demjenigen mit auf den Weg geben, der die Namensrechte einmal übernehmen wird.

          „Gott bewahre“ ruft hingegen Rogers Cadenhead all jenen entgegen, die sich Sorgen gemacht haben sollen, der gegenwärtige Inhaber von „benedictXVI.com“ könne die Namensrechte an Pornographen verkaufen. Außerdem wird, wie Cadenhead weiter ausführt, auch seine gläubige Großmutter ihn vor unüberlegten Schritten bewahren.

          Wohl überlegt war nicht nur Cadenheads frühes Investment in „benedictXVI.com“, sondern auch in „clementXV.com“, „innocentXIV.com“, „leoXIV.com“, „paulVII.com“ und „piusXIII.com“. Auch wenn ihm wohl das Gottvertrauen fehlte, wie Achatz auf einen einzigen Namen zu setzen, konnte der Mann aus Jacksonville, Florida nach dieser Vorsorge sicher ruhig schlafen. Seine Website wurde zuletzt am Montag aktualisiert.

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