https://www.faz.net/-gqz-3gvy

On Tour : Statische Show der Rock-Rüpel: Oasis in Berlin

  • Aktualisiert am

Bewegend unbeweglich: Oasis-Sänger Liam Gallagher in Berlin Bild: dpa

Mit einer gewohnt bewegungsarmen Bühnenshow begeisterte die Britpop-Legende Oasis am Montagabend ihr Publikum in der lange ausverkauften Berliner Columbiahalle.

          2 Min.

          Er spult ein Lied nach dem anderen ab und sagt kaum ein Wort zu seinem Publikum. Stattdessen schlendert Liam Gallagher, Sänger der Britpop-Band Oasis, immer wieder mit lässigem Gang über die Bühne. Eine große Bühnenshow der Band gibt es nach wie vor nicht, dafür versteht es Liam immer noch, sich ignorant zu inszenieren.

          Er bohrt sich in der Nase, spuckt auf den Boden oder greift nach dem Handtuch. Die Fans feiern jede dieser seltenen Bewegungen mit euphorischen „Liam! Liam!“-Rufen. 3.500 tanzende, hüpfende und textsicher mitsingende jugendliche Zuhörer bejubelten die Band am Montagabend anderthalb Stunden lang in der Berliner Columbiahalle. Wie bei jedem Konzert, ist die B-Seitennummer „Acquiesce“ Opener der Show. Es folgen Hits wie „Live Forever“, „She is Electric“ oder „Some Might Say“. Bei „Go Let It Out“, „Cigarettes And Alcohol“ und dem Welthit „Don't Look Back In Anger“, bei dem Liam seinem älteren Bruder und Songwriter Noel die Bühne überlässt, singen die Fans wie aus einem Mund. Auf die Hymne „Wonderwall“ wartet die Menge dagegen vergebens.

          Der mit hellblauer Jeans, hellgelber Sportjacke und großer Sonnenbrille ausstaffierte Sänger des Quintetts steht zweifellos im Mittelpunkt des Abends. Beim Vortrag wirkt er eher steif, hat die Hände auf dem Rücken verschränkt und schubst das Mikrofon immer wieder mit dem Mund weg. Text-Pausen nutzt der Star von der Insel, um clownesk das Tamburin auf seiner Nase oder seinem Kopf zu balancieren - oder sich vor Tausenden Augen rüpelhaft zu benehmen.

          Pöbel aus Manchester

          Wegen der streitlustigen Brüder, die ihren Zwist gerne über die Medien austragen und dort schon als „Pöbel aus Manchester“ bezeichnet wurden, ist Oasis seit Jahren auch außerhalb des Fan-Kreises gut bekannt. 1997 etwa ließ Liam eine US-Tournee platzen, weil er sich in England ein Haus ansehen wollte. Dann geriet er mit Alkoholexzessen in die Schlagzeilen. Noel hingegen schimpfte regelmäßig öffentlich über seinen jüngeren Bruder. „Ich liebe ihn, aber ich kann ihn nicht ausstehen“, sagte der Oasis-Chef vor zwei Jahren über Liam - und kehrte der Band mitten auf einer Europatournee den Rücken. Das Ende von Oasis galt damit als besiegelt.

          Doch schon im April 2001 spielte die Musikerschar um die beiden Brüder wieder eine CD ein. „Wir gehen wieder alle zusammen weg, betrinken und streiten uns auch gar nicht mehr“, verkündete Noel Gallagher. In Berlin führten sie einigermaßen einträchtig ihren gitarrendominierten Erfolgspop auf. Das Konzert sollte ursprünglich der einzige Oasis-Auftritt in Deutschland in diesem Sommer sein. Am Montag wurde dann bekannt, dass die Erfolgsband im Herbst auch in Bremen (19. September) und Stuttgart (20. September) auftreten wird. Kommenden Montag erscheint das fünfte Oasis-Album „Heathen Chemistry“. Im Internet kursiert es bereits seit längerer Zeit.

          Weitere Themen

          Wörter sind nichts Festes

          Yasmina Reza im Gespräch : Wörter sind nichts Festes

          Sprache als Heimat, Übersetzungen als Tragödie, eine Frauenrolle für einen Mann: Die französische Schriftstellerin Yasmina Reza hat einen neuen Monolog geschrieben – „Anne-Marie die Schönheit“

          Tortenkunst mal anders Video-Seite öffnen

          „The Bakeking“ : Tortenkunst mal anders

          Eine Schimpansentorte in Lebensgröße - das ist die neue Kreation von Ben Cullen, der als „The Bakeking“ mit seinen Backkreationen begeistert. Auf der „Cake International“ trifft er die besten Tortenkünstler der Welt.

          Topmeldungen

          Kriminalfall : Milliarden-Betrug mit falscher Kryptowährung

          Die bulgarische „OneCoin“-Erfinderin Ruja Ignatova hat Anleger wohl um 4 Milliarden Dollar gebracht – danach ist die „Krypto-Königin“ verschwunden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.