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Omikron twittert : Hier spricht das Virus selbst

  • -Aktualisiert am

Das Coronavirus in Nahsicht. Bild: Katharina Sabering

Auf Twitter findet sich zur Corona-Pandemie Sinnfälliges ebenso wie Unsinniges zuhauf. Ein Account hat nach unserem Dafürhalten den Bogen raus: Hier twittert die Omikron-Variante.

          2 Min.

          Twitter und die Pandemie sind zwei Dinge, die auf Dauer ziemlich anstrengend sind, vor allem in Kombination. Im Kurznachrichtendienst kann sich ein jeder als Virenexperte oder „Ideologie-allergischer“ Journalist aufspielen und in großem Stil Desinformation verbreiten.

          Diejenigen, die wirklich Ahnung vom Fach haben und neue Studien twittern, müssen sich im schlechtesten Fall auf Morddrohungen gefasst machen, mindestens aber auf den Vorwurf, sie würden „systematisch lügen“ oder seien vom Staat, von Bill Gates oder sonst wem gelenkte Marionetten.

          Twitter und die Pandemie, das ist nach zwei Jahren mit der Seuche eine teuflische Symbiose. Und nun hat auch noch das Virus selbst sich unter die Twitterer gemischt. Die Omikron-Variante höchstpersönlich hat sich einen deutschen Account namens „Omicron aka B.1.1.529“ (@realB11529) zugelegt und twittert, so steht es in den Profilangaben, „über ihre Tour durch Deutschland“. Mehr als 53.000 Accounts folgen der Variante inzwischen, die erstaunlicherweise gar nicht gekommen ist, um noch weiter zu polarisieren.

          In ihren Tweets berichtet sie ganz freundlich und mit schwarzem Humor, wie es so läuft und was sie so vorhat. „Seid ihr auch so froh, dass #Lauterbach einen Lockdown ausgeschlossen hat?“, twittert sie etwa oder über Erkenntnisse der Frankfurter Virologin Sandra Ciesek, wonach Antikörper Omikron nicht so gut neutralisieren können wie ihren Kollegen Delta: „Das sind super Nachrichten für meine Tourneepläne. Das sagt aber nix über den Verlauf aus. Und danach fragt ihr mich ja ständig. Dafür fehlen immer noch Daten. Also lasst alle Maßnahmen sein und steckt euch an! Für die Wissenschaft!“

          Wünscht sich das Virus an einem Tag so viele Infizierte wie Follower, kann es schon am Tag darauf tweeten: „Erledigt.“ Über verkaufsoffene Sonntage freut es sich selbstverständlich auch. Und bei aller Satire: Omikrons Tweets machen sachlich auf die Gefährlichkeit des Virus aufmerksam, ganz ohne tagesaktuelle Inzidenztabellen und Todeszahlen, die in vielen pandemiemüden Menschen schon lange nichts mehr auslösen. Selbst unter den Tweets sucht man vergebens nach dem sonst auf Twitter herrschenden Großraumbüro, in dem ständig irgendwer irgendwen anschreit.

          Die Variante kommuniziert auf Twitter, wie man sich so ein Virus eben vorstellt: gänzlich uneitel. Alles, was es will, ist, sich zu verbreiten, und Gelegenheit macht Ansteckung. Sich das häufiger vor Augen zu führen, wenn auch von einem Twitter-Account unbekannten Ursprungs, kann gar nicht schaden. Am 28. Dezember gab der Omikron-Account einen neuen, weltweiten Höchststand der Neuinfektionen mit dem Virus bekannt. Keine guten Nachrichten vor dem Jahreswechsel.

          Kim Maurus
          Volontärin.

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