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Olympische Spiele : Schüttelpflicht

  • -Aktualisiert am

IOC-Präsident Thomas Bach erinnert die Politik daran, dass olympische Besuchs- und Begrüßungspflicht besteht. Der Mann kennt schließlich seinen Job.

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          Bei Robert Lembkes heiterem Beruferaten hatten die Studiogäste einst als kleinen Hinweis für das Rateteam eine für ihren Beruf „typische Handbewegung“ auszuführen. Das war naturgemäß für all diejenigen schwierig, die bei ihrer Arbeit die Hände kaum benutzen. Unternehmensberater etwa, Lobbyisten oder hohe politische Repräsentanten hätten es da nicht leicht gehabt.

          Auf die eigentlich typische Geste hat jetzt aber ein besonderer Kenner des Milieus hingewiesen. IOC-Präsident Thomas Bach nämlich kritisiert gerade hochrangige Politiker dafür, dass sie den Olympischen Winterspielen im Diktaturgebiet Sotschi fernbleiben. Er fordert dazu auf, zwischen Russland und Putin zu unterscheiden und die politische Ansicht zur Lage des Landes nicht auf die Spiele zu übertragen. Außerdem werde gerade wegen der Olympischen Spiele jetzt so viel über den Umgang mit Homosexuellen in Russland geredet, da sehe man doch die positiven Auswirkungen der Vergabeentscheidung.

          Eröffnungsfeierverpflichtung

          Das finden wir übrigens auch, dass sich die Sache dann ja schon gelohnt hat, und freuen uns auf Spiele demnächst vielleicht in Nigeria, Guantánamo oder Tschetschenien. Aber das nur nebenbei, jetzt zurück zur Handbewegung. Bachs Monitum nämlich, schon das Fernbleiben von Staatsmännern und -frauen sei ein „Transportieren von Botschaften auf dem Rücken von Athleten“, gilt nicht nur dem Umstand, dass sich jetzt gemeinerweise das Bruttogewicht der deutschen Athleten gegenüber ihren Konkurrenten erhöht, die keine politischen Botschaften transportieren müssen.

          Es folgt daraus auch zwingend eine olympische Besuchspflicht für Politiker. Alles andere wäre ein Verstoß gegen die Rollenerwartung. Sich dem Gefilmtwerden (mit Herrn Putin, mit Rennrodlern, mit Herrn Bach, mit Herrn Vesper) durch Abwesenheit zu entziehen, wertet Bach entsprechend als Dialogverweigerung. Wem anders als ihm sollen wir glauben, wenn es um die menschenrechtsverbessernden Wirkungen des Besuchs von Eröffnungsfeiern, Eislaufstadien und Abfahrtsläufen geht.

          Aus einer solchen Besuchspflicht folgt wiederum, dass die oberste Aufgabe von höchsten Repräsentanten das Begrüßen ist. Sie sollen nicht nur, sie müssen jeden begrüßen. Das wiederum ist nur möglich und führt nur dann zu einem geschlossenen politischen System, wenn sie sich auch von allen begrüßen lassen, selbst von denjenigen, die verantwortlich für etwas sind, das sie selbst nicht begrüßenswert finden. Und das führt zur typischen Handbewegung. Die Kette des Händeschüttelns darf einfach nicht abreißen.

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