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Debatte über Judenhass : Namenlos

Sein Buch heißt „Gegen Judenhass“: Oliver Polak. Bild: Theodor Barth/laif

Der Komiker Oliver Polak schreibt ein Buch über Judenhass. Er erzählt darin unter anderem von einem Fernsehmoderator, der ungenannt bleibt. Jetzt weiß jeder, wer gemeint ist. Doch was tut das zur Sache?

          Vor vier Wochen gab der Komiker Oliver Polak in der „Welt am Sonntag“ ein Interview zu seinem Buch „Gegen Judenhass“. In diesem schildert er – ganz ohne Witz –, was ihm als Deutschem jüdischen Glaubens an Anfeindungen alltäglich widerfährt – seit seiner Kindheit.

          Zwei Episoden, die Polak in seinem Buch und im Interview schildert, handeln von einem Fernsehmoderator, der ungenannt bleibt. In der einen steht der Moderator mit Polak, dessen Auftritt gerade zu Ende ist, auf der Bühne, holt ein Desinfektionsspray hervor, fragt die übrigen Anwesenden, ob sie Polak die Hand gegeben hätten, und desinfiziert sich und den anderen die Hände. Wenig später steht der „Desinfektionsspraymoderator“ hinter Polak, als gerade ein Interview mit ihm geführt wird, und macht, wie Polak in der „Welt am Sonntag“ sagte, „Gesten des Ekels, zeigt auf mich und flüstert immer wieder ,Jude’. Krank, so richtig besessen. Als ob diese Person etwas am Laufen hat mit diesem Machtgefälle, das Deutsche manchmal unbewusst anzapfen.“

          Sollte, fragt sich Polak, „das Ironie sein? Wem genau galt sie? Imitierte er mit seiner Geste einen Antisemiten, oder sprach einer aus ihm? Fakt ist: Sein Gag war keiner, denn er hatte keine Pointe.“

          Dreimal darf man raten, wer der „Desinfektionsspraymoderator“ ist, den die Wochenzeitung „Freitag“ nun namentlich aus der Kulisse gezogen hat. Es müsste jemand sein, der es hintersinnig findet, über einen Despoten wie Erdogan Sodomie-Witze zu reißen, weil er ja vorher gesagt hat, dass dies Schmähkritik und in Deutschland verboten sei. Wer könnte so jemand sein? Wer könnte so jemand anderes sein als – Jan Böhmermann, der Hauskabarettist des ZDF.

          Man hätte es sich bei Polaks Schilderung fast schon denken können. Aber um diesen Witzbold im Besonderen geht es Oliver Polak in seinem Buch gar nicht, es geht ihm ums Allgemeine und Grundsätzliche. Um den Judenhass, um den Antisemitismus, der Menschen jüdischen Glaubens bei uns tagtäglich begegnet und sie aus dem Land treibt. Auch Oliver Polak denkt darüber nach, ob hier seine Kinder groß werden sollen. Darauf will er den Blick lenken, deswegen hat er Böhmermann nicht benannt. Und jetzt?

          Nun reden selbstverständlich wieder alle über Böhmermann, der mit einem Tweet („Ich kann leider ohne eine angemessene Umsatzbeteiligung nicht an der nachträglichen Umdeutung von ultrakrassen Ficki-Ficki-Comedykarrieren in schillernde, sensible Intellektuellenbiografien mitwirken“), einmal mehr beweist, dass er nicht verstanden hat, worum es geht.

          Reden sollte man indes über den Kiepenheuer & Witsch-Verleger Helge Malchow, der Oliver Polak, wie dieser sagt, überreden wollte, die Passage mit dem anonym bleibenden Moderator aus seinem Buch zu streichen. Der dadurch transportierte Vorwurf gegenüber einem anderen Autor des Verlages sei eine „absolut gegenstandslose Unterstellung“, sagte Malchow in der „WamS“. Polak indes, der dies nicht zu Unrecht als Akt der Zensur deutete, wechselte daraufhin zu Suhrkamp.

          Und reden muss man über Polaks Anliegen – dass Judenhass in diesem Land nicht zur Gewohnheit wird. Er wolle „keine einzelnen Personen an den Pranger stellen, sondern unterschiedliche Situationen aus meinem Alltag schildern. Es ging mir um die Sache, nicht um Personen“, sagt Polak. Alles andere ist „Neo Magazin Royale“.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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