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Hannes Hintermeier (hhm)

Oktoberfest in Dubai : Wüstn statt Wiesn

Am 7. Oktober startet das Oktoberfest der Superlative in Dubai. Bild: obs

Als verspäteter Dank für jahrelange Münchentreue soll am Dubaier Hafen das Oktoberfest 2021 stattfinden. Die Achse Bayern-Arabien ist also stabil. Doch ein paar Fragen bleiben offen.

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          Früher war in Bayern alles einfacher, denn es gab neben den Einheimischen nur Preußen und Saupreißn. Also Zugezogene von jenseits der Mainlinie, bei maximal großzügigster Auslegung des Weißwurschtäquators. Das kann man sich im Ethniensmoothie der Gegenwart gar nicht mehr vorstellen. Dabei ist es bestimmt fünf Jahrzehnte her, dass auch die Söhne und Töchter der Wüste München als Medizin- und Einkaufsstadt entdeckten. Klinikaufenthalte, die Entourage in Luxushotels, Einkaufszüge – Arabersaison.

          Boutiquen und Juweliere in der Maximilianstraße schlossen eilends auf und gleich wieder ab, wenn es einer arabischen Großfamilie gefiel, zu nachtschlafender Zeit shoppen zu gehen. Und dem Autor dieser Zeilen ist noch lebhaft in Erinnerung, wie ihm bei der Anprobe einer Anzughose Abstecknadeln von der Hand eines hektischen Verkäufers ins Fleisch fuhren, weil der Münchner Traditionsbetrieb am helllichten Tage mit der Durchsage „Achtung, wir schließen – die Araber kommen“ überfallartig die Kundschaft der Herrenabteilung verscheuchte.

          Der Dank für jahrelange Münchentreue

          Die Achse Bayern-Arabien ist also stabil, nicht von ungefähr hat das Emirat Abu Dhabi soeben den bekannten Starnberger Philosophen Jürgen Habermas zur „Kulturellen Persönlichkeit des Jahres 2021“ ausgerufen. Und ein bekannter Münchner Gastronom hat zu Jahresbeginn angekündigt, eine Filiale seiner „Käfer-Schenke“ am Dubaier Hafen eröffnen zu wollen. Dort soll jetzt, quasi als verspäteter Dank für jahrelange Münchentreue, das Oktoberfest stattfinden, weil es in München schon zum zweiten Mal ausfallen wird. Diese Nachricht wurde gestern von der „Bild“-Zeitung durchgezapft („Irrer Plan“), und seitdem beschäftigt die Vorstellung von einer Hitzeschlacht am Golf die Fans des weltberühmtesten Volksfestes, als wankten sie nach der achten Mass aus dem Augustinerzelt.

          Man muss aber nicht gleich vom Kamel plumpsen, bloß weil jetzt ein paar geschmeidige Gastronomen aus Berlin (!) und München eine Art Super League des Bierkonsums in Dubai aufziehen wollen, beraten ausgerechnet vom ehemaligen Wiesnwirt Sepp Krätz. Auf einem Areal an der Dubai Marina, so groß wie die Theresienwiese, sollen zweiunddreißig Zelte, zweihundertfünfzig Schausteller und eingeflogene Promis – unter anderem Arnold Schwarzenegger, Pamela Anderson und Lothar Matthäus – täglich von mittags bis Mitternacht dafür sorgen, dass sich das sicherheitshalber gleich auf ein halbes Jahre angelegte Gastspiel rentiert.

          Daheim schaut die Bavaria erneut auf die leere Theresienwiese und fragt sich, welcher Schutzpatron die Frage klärt, ob Bier eigentlich Alkohol ist? Nicht auf die Wiesn, in die Wüstn gehen wir, aber selbst in Lederhose ist es dort im Oktober noch recht heiß – und ob Dirndl in der neuen Liberalitas Arabica verschleiert werden müssen? Die Daheimgebliebenen werden sich an den Spruch „It’s nice to be a Preiß, but it’s higher to be a Bayer“ erinnern. In Dubai drunten, an der Marina, plärren sie bald „It’s nice to be a Bayer, but it’s higher to be a Dubaier“.

          Hannes Hintermeier
          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

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