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Offener Brief : Bush muß weg!

  • -Aktualisiert am

MIchael Moore schätzt einen General? Bild:

„Es herrscht Krieg, General, und es ist der Krieg von Bush & Co. gegen uns“, schreibt Dokumentarfilmer Michael Moore in einem offenen Brief an Wesley Clark - Appell eines Bürgers an einen General in Kriegszeiten.

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          Appell eines Bürgers an einen General in Kriegszeiten (an der Heimatfront). Ein offener Brief an Wesley Clark.

          Lieber General Wesley Clark,

          ich will Ihnen schon seit längerem schreiben. Zwei Tage nach der Oscar-Verleihung fühlte ich mich allein und etwas bestürzt vom Ausmaß des Hasses, der mir entgegenschlug, weil ich gewagt hatte, darauf hinzuweisen, daß wir mit „fiktiven Gründen“ in einen Krieg geführt worden waren. In diesem Moment riskierte ein Mann etwas und eilte im nationalen Fernsehen zu meiner Verteidigung.

          !Der General gegen den Deserteur aus der Texas Air National Guard!"
          !Der General gegen den Deserteur aus der Texas Air National Guard!" : Bild: Pool

          Und dieser Mann, das waren Sie.

          Aaron Brown hatte gerade auf CNN sein über Satellit geführtes Interview mit mir beendet. Ich hatte gescherzt, ich sei „der einzige Nicht-General, den CNN in dieser Woche zugelassen hatte“. Brown beendete also das Interview und wandte sich dann Ihnen zu, da sie mit ihm an einem Tisch saßen. Er fragte Sie, was sie von diesem verrückten Typen Michael Moore hielten. Und obwohl wir uns noch in der ersten Kriegswoche befanden, erklärten Sie mutig, meine abweichende Meinung sei notwendig und willkommen. Sie erläuterten, daß ich gegen Bush und seine „Politik“ sei, nicht aber gegen die Jungs an der Front. Ich saß in Flint, den Kopfhörer noch im Ohr, und war platt: ein General trat für mich ein und für die Millionen Menschen, die gegen den Krieg und zum Schweigen gebracht worden waren.

          Sie scheinen ein integrer Mann zu sein

          Seit diesem Abend habe ich einige Zeit damit verbracht, etwas über Sie in Erfahrung zu bringen. Was ich über Sie erfahren habe, deckt sich mit meiner Erfahrung vom März. Sie scheinen ein integrer Mann zu sein. Sie scheinen keine Angst zu haben, die Wahrheit auszusprechen. Ich mochte Ihre Antwort, als man Sie nach Ihrer Haltung zur Schußwaffenkontrolle befragte: „Wenn Sie jemand sind, der Angriffswaffen schätzt, gibt es einen Platz für Sie - die Armee der Vereinigten Staaten. Dort haben wir sie.“

          Abgesehen davon, daß sie Klassenbester in West Point, ein Vier-Sterne-General aus Arkansas und früherer Oberbefehlshaber der Nato waren - genug, um einen friedliebenden Menschen innehalten zu lassen -, habe ich entdeckt, daß Sie:

          1. gegen den Patriot Act(¹) sind und gegen eine Ausdehnung seiner Reichweite kämpfen würden,
          2. eindeutig für das Recht auf Abtreibung sind,
          3. eine sogenannte Amicus-Eingabe(²) beim Obersten Gerichtshof gemacht haben, um die Universität von Michigan in einem Affirmative-Action-Prozeß(3) zu unterstützen,
          4. Bushs Steuer-„Senkung“ abschaffen und die Reichen dazu bringen würden, einen angemessenen Beitrag zu leisten,
          5. die Standpunkte unserer Verbündeten respektieren und mit ihnen und dem Rest der internationalen Gemeinschaft zusammenarbeiten wollen,
          6. gegen den Krieg sind. Sie haben erklärt, daß Krieg immer „der letzte Ausweg“ sein sollte und daß Militärs wie Sie am meisten für den Frieden einträten, weil Sie und Ihre Soldaten es seien, die am Ende sterben müßten. Sie finden einen Oberkommandierenden beunruhigend, der einen Fliegeranzug trägt und so tut, als ob er „Top Gun“ wäre - eine Schaunummer, die all jene entehre, die in diesem Anzug im Dienste ihres Landes gefallen sind.

          Gestern abend, General Clark, habe ich Sie persönlich kennengelernt. Ich möchte andere wissen lassen, was ich zu Ihnen gesagt habe: Sie könnten der Mann sein, der George W. Bush bei den Wahlen im nächsten Jahr besiegen kann.

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