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Österreich und die Rückgabe : Ein Prozess wie bei Kafka

  • -Aktualisiert am

Ein Brief an die Schwester

Weder Herbert Gruber noch Notar Scheubrein verstehen, warum Templ das Geschäft so lange blockiert hat. „Er hat uns allen geschadet, uns viel Zeit und Geld gekostet“, sagt Scheubrein. Auch nachdem der Verkauf endlich über die Bühne gegangen ist, lässt Gruber die Frage nicht los, warum Stephan Templ handelte, wie er handelte: „Es erschien nicht logisch“, sagt Gruber. Er hat das Gefühl, Templ habe sich - mehr als alle anderen Erben - vor dem Verkauf absichern wollen. Nur wieso? Der Genealoge stellt Nachforschungen an und findet heraus, dass Helene Templ eine Schwester hat: Elisabeth Kretschmer.

Im Dezember 2011 schreibt der Notar Scheubrein einen Brief an Elisabeth Kretschmer. Darin informiert er die Zweiundachtzigjährige, dass auch sie im Fall des Sanatoriums Fürth anspruchsberechtigt ist - die immer wieder verlängerte Frist zur Antragstellung ist aber am 31. Dezember 2009 ausgelaufen. Scheubrein lässt Elisabeth Kretschmer auch wissen, dass ihre Schwester, Helene Templ, zu der seit mehr als zehn Jahren kein Kontakt besteht, mit dem Verkauf ihres Anteils der Immobilie 1,1 Millionen Euro eingenommen hat. Daraufhin stellt Kretschmer trotz verstrichener Frist einen Antrag beim Entschädigungsfonds, der im Januar 2012 zurückgewiesen wird. Sie fühlt sich um ihren Erbteil des Sanatoriums betrogen und fordert von ihrer Schwester 550.000 Euro ein.

Ein Verhör im Sommer 2012

Stephan Templ sieht in Scheubreins Brief eine Racheaktion: „Ich bin mir sicher, dass Gruber und er schon lange vorher von der Existenz meiner Tante wussten. Aber sie haben sie erst informiert, als sie meiner Mutter und mir damit Probleme machen konnten.“ Als Helene Templ nicht auf die Forderungen ihrer Schwester reagiert, schickt Elisabeth Kretschmer eine Darstellung des Sachverhalts an die Staatsanwaltschaft Wien. Die interessiert sich für den Fall - weil Templ im Restitutionsantrag für seine Mutter, den er 2005 stellte, keine weiteren Erben genannt hat. Die Staatsanwaltschaft hält das für vorsätzlichen Betrug, auch Gruber und Scheubrein denken so: „Diese ganzen Aktionen, die den Verkauf verzögert haben, die Eintragung ins Grundbuch, waren Templs Versuch, sich gegenüber anderen Erben aus der Familie, mit denen er nicht teilen wollte, abzusichern“, sagt Gruber.

Im Sommer 2012 muss sich Stephan Templ in Wien auf dem Polizeirevier melden und wird verhört. Damals macht er sich kaum Gedanken um die Sache: „Ich wusste, dass viele der anderen Erben auch keine weiteren Anspruchsberechtigten genannt haben - obwohl sie Kenntnis von deren Existenz hatten. Für niemanden hatte das juristische Konsequenzen.“ Als Templ dann im Januar 2013 die Anklageschrift erhält, stutzt er. Der Vorwurf lautet, er habe den österreichischen Staat um 550.000 Euro - die Hälfte des Gewinns aus dem Verkauf des Immobilienanteils seiner Mutter - betrogen. „Das ist absurd. Wenn es überhaupt eine Geschädigte gibt, dann ist das meine Tante, nicht die Republik Österreich“, sagt Templ.

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