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Österreich und die Rückgabe : Ein Prozess wie bei Kafka

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Templ muss nun in aller Eile handeln, denn die Frist zur Antragstellung beim Entschädigungsfonds ist eigentlich schon abgelaufen. Er hofft, dass eine Gesetzesnovelle den Stichtag nach hinten verschiebt und seine 1933 in Prag geborene Mutter noch als Erbin berücksichtigt werden kann. Beim Entschädigungsfonds muss er Dokumente vorlegen, die beweisen, dass seine Mutter, Helene Templ, mit Lothar und Suse Fürth verwandt ist. Außerdem lässt man ihn, der bevollmächtigt von seiner Mutter handelt, ein Antragsformular ausfüllen. „Dreißig oder vierzig Seiten waren das“, sagt Templ. Irgendwo weit hinten in dem Formular wird nach anderen möglichen Erben gefragt. Templ lässt die Stelle frei. „Ich habe sie wohl überblättert“, sagt er.

Eine gespaltene Gemeinschaft

Die Sachbearbeiterin vom Entschädigungsfonds prüft die von Templ vorgelegten Dokumente und lässt ihn wissen: Es sehe gut aus für seine Mutter - wenn die Frist noch einmal geöffnet würde. Tatsächlich wird die Verlängerung der Frist schon im Dezember 2005 vom österreichischen Nationalrat bewilligt. Bereits im Januar 2006 nimmt die Schiedsinstanz Helene Templ offiziell in die Gruppe der Erbberechtigten auf.

Nach dem Willen der Erbengemeinschaft, die zum Großteil von Grubers Notar und Anwälten vertreten wird, soll das Sanatorium nun umgehend verkauft werden - „für einen relativ niedrigen Preis an eine dubiose ukrainische Firma“, sagt Stephan Templ. Herbert Gruber und der für ihn tätige Notar Helmut Scheubrein beurteilen das anders: Der potentielle Käufer habe eine hohe Summe geboten, fast zehn Millionen Euro. Der Deal sei dank einer Bankgarantie wasserdicht gewesen.

Alle Erben seien mit den Vertragsbedingungen zufrieden gewesen - nur Stephan und Helene Templ nicht. „Meine Mutter hat darauf bestanden, dass sie vor einem Verkauf als Teileigentümerin im Grundbuch vermerkt wird“, erklärt Stephan Templ. Das aber kostet Zeit und Geld, denn der potentielle Käufer des Sanatoriums will nicht ewig warten, die Erbengemeinschaft und Gruber ebenso wenig. Templ sagt: „Sie haben angefangen, Druck auf uns auszuüben.“

Ein geplatztes Geschäft

Er zieht ein neues Blatt aus seinen Ordnern: den Ausdruck einer E-Mail, die ihm Herbert Gruber im Mai 2007 geschickt hat, Betreff: Schmidgasse. „Hallo Stephan“, steht da, „Deine Position / die Position Deiner Mutter erscheint ungünstig. Das Geschäft ist an sich sehr groß und frustrierte Partner im Grundstücksgeschäft sehr unangenehm.“ Dadurch lassen sich Templ und seine Mutter nicht von ihrer Meinung abbringen: Sie wollen auf die Eintragung im Grundbuch warten. Und die ist erst möglich, wenn alle Fristen zur Antragstellung beim Entschädigungsfonds abgelaufen sind - nur dann steht die Verteilung der Besitzanteile am Sanatorium endgültig fest: nach dem 31. Dezember 2009.

Inzwischen hat der Kaufinteressent sein Angebot zurückgezogen. Einer der Erben, verärgert über die Verzögerung und den anzunehmenden Wertverlust des Gebäudes, verklagt Helene Templ in einem zivilrechtlichen Prozess auf Schadensersatz - und scheitert. „Meine Mutter wurde 2010 im Grundbuch eingetragen, so wie sie es wollte“, sagt Stephan Templ. „Ihren Anteil am Sanatorium - ein Zwölftel - hat sie dann unabhängig von den anderen Erben verkauft und dafür 1,1 Millionen Euro erzielt.“ Insgesamt bringt der Verkauf der Immobilie, sehr zum Missfallen Grubers und der Erbengemeinschaft, aber nur noch 7,9 Millionen Euro.

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