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Ode an die Pistazie : Auf die Nuss!

Und dann sind sie auch noch so gesund! Bild: obs

Vielleicht wirft sie sich in Schale, weil wir sie erobern sollen: Die Pistazie ist ein Wunderding der Küche, als Panade, als Eis – und abends als Beschäftigungstherapie.

          Es gibt eine wunderschöne Zeichnung von Walter Trier, dem Mann, der auch die Kinderbücher von Erich Kästner illustriert hat, sie heißt „Straßenreinigung in Heidelberg“ und zeigt Männer mit Besen, die auf einer Straße unterhalb des Schlosses lauter Herzen zusammenkehren – und wer die Pointe nicht versteht, hat seines noch nicht in (oder an) Heidelberg verloren oder kennt das Lied nicht, das dieses Schicksal besingt, und den gleichnamigen Film mit Paul Hörbiger auch nicht.

          Tobias Rüther

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Jedenfalls muss ich immer an diese Zeichnung denken, wenn frühmorgens in der Stadt noch die Schalen von Pistazien auf dem Asphalt vor Shisha-Bars oder Dönerbuden liegen, die Schalen erzählen vom Abend davor, vom Herumstehen, halb drinnen, halb draußen, im Schein eines Lokals, von schnellen Händen und jenem lässigen Wegschnippen, das man auch aus spanischen Bars kennt, wo genauso alles vor dem Tresen liegen bleibt, was man zum Trinken braucht, aus Prinzip, so geht man halt aus in diesem Land, ich hab’ meinen Olivenkern in Madrid verloren, und meine Serviette und drei Zahnstocher noch dazu.

          Pistazien gehören zu den Wundern der Küche, mit denen man alles anfangen kann. Man kann sie zerstoßen und Fleisch damit panieren, man kann sie in Currys werfen, am besten aber gefallen sie mir als Eis. Wer sein Herz nicht an Pistazieneis verloren hat, der kennt euch nicht, ihr himmlischen Mächte!

          Pistazien regen also nicht nur zur Poesie an: Sie sind ebenso sehr gesund, aber das ist auch Broccoli oder keine Chips zu essen. Man isst Pistazien sicher auch nicht, um sich bestmöglich zu ernähren, es geht mindestens genauso sehr um Beschäftigung – was einer der wesentlichen Gründe ist, fürchte ich, warum wir überhaupt nach acht Uhr abends essen. Der Wiederholungstrieb, der einen dazu bringt, wieder und wieder in eine Tüte Chips zu greifen, lässt sich mit Pistazien sehr gut austricksen.

          Pistazien sind subtil, das Nussige an ihnen drängt sich nicht so auf wie bei der Macadamia, wo man immer das Gefühl hat, noch einen Löffel Butter dazu gegessen zu haben (in Wirklichkeit isst man mit jedem Griff in die Chipstüte einen Löffel Butter mit!)

          Vielleicht ist es so, dass die Pistazie erobert werden will – deswegen die Schale, in die sie sich wirft und die wir wiederum auf den Boden werfen, wo sie dann die Geschichte eines Abends draußen in der Stadt erzählt, die dann am nächsten Morgen weggefegt wird, wie ein Mandala, um abends wieder neu geschrieben zu werden, und dann am nächsten Morgen – Essen ist, beschäftigt zu sein, ohne es zu merken.

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