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Virtuelle Realität - ein Selbstversuch : Die Maske, die die Welt bedeutet

Mark Zuckerberg, Neu-Besitzer der Firma, wird die Technik möglicherweise im Kino etablieren wollen.

Welche Simulationstechnik sich am Ende durchsetzt, das ist wohl eine Frage des Preises. Die jüngste Ausbaustufe des Oculus Rift, DevelopmentKit2 genannt, soll in diesen Tagen ausgeliefert werden. Angeblich kostet sie wenig mehr als dreihundert Euro. „Billiger ist virtuelle Realität kaum vorstellbar“, sagt Florian Soyka, der Physiker am Tübinger Max-Planck-Institut. Die Brille fürs mobile Wunderland gibt es dann in HD-Auflösung und mit der Option, die Bewegungen der eigenen Hände und Füße im Raum realistisch zu simulieren. „Willkommen im Wunderland“ ist übrigens kein Werbespruch der VR-Industrie, sondern der Titel einer aktuellen wissenschaftlichen Veröffentlichung, in der sich die Tübinger Kybernetiker um Institutschef Heinrich Bülthoff und Gruppenleiterin Betty Mohler mit der Wahrnehmung der eigenen Hand in der Oculus-Simulation beschäftigten.

In der dreidimensionalen Scheinwelt toben sich nicht nur spieleverrückte Programmierer aus, sondern angesehene Wissenschaftler, vornehmlich Informatiker zusammen mit Physikern, Technikern, Biologen und Psychologen. Am United States Army Research Laboratory forschen daran auch Ingenieure des Militärs und zunehmend Mediziner.

So wie Big Data inzwischen verspricht, die Datenflut aus dem Körper von Menschen zu nutzen, um eine intelligente Systemmedizin aufzubauen, so wollen die Tüftler virtuelle Realitäten auch bei der Behandlung seelischer Krankheiten nutzen. In Tübingen startet ein Projekt mit magersüchtigen Mädchen, die sich mittels Oculus-Maske in unterschiedlicher Gestalt erleben können, mal dicker, mal dünner, um eine Vorstellung vom trügerischen Selbstbild zu bekommen. Im Forschungsplan der amerikanischen National Institutes of Health enthält der Forschungsplan für die „nichtpharmakologische Schmerzbekämpfung Dutzende von Projekten mit virtueller Realität und viele Millionen Dollar an Fördermitteln“, schrieb David Thomas vom NIH Institute for Drug Abuse jüngst in der Zeitschrift „Cyberpsychology“.

Scotty, der schnauzbärtige Bordingenieur des Raumschiffs Enterprise, der mit einem Knopfdruck alles reparieren konnte, ist auf Youtube als alkoholkranker Raumfahrtrentner zu sehen, der mit Captain Picard das Holodeck betritt und im simulierten Kontrollraum der ersten Enterprise ein grünes Gesöff schluckt, das ihm offenbar den Nostalgienerv kitzelt, ihm aber leider nicht schmeckt. Die Tür hinter dem Holodeck schließt er mit dem Kommando: „Computer, shut off this bloody thing“ - Computer, stell das verdammte Ding ab.

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