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Obdachlosenverhinderungsbänke : Richtig sitzen

Ob auf einer Grünfläche, dem Gehsteig oder einem öffentlichen Platz: Die Parkbank steht in Deutschland nicht für Gleichheit. Bild: dpa

Weil sich Menschen über schlafende Obdachlose beschweren, werden deutsche Parkbänke extra ungemütlich designt. In Paris stehen seit hundert Jahren Metallstühle, die jeder benutzen darf. Das funktioniert auch andernorts.

          Jetzt, wo es richtig warm wird, brauchen die Menschen Orte, an denen sie sich niederlassen können, um auszuruhen, und man könnte eine kleine Weltkulturgeschichte darüber schreiben, wo sie das besser können und an welchen Orten weniger gut. Nehmen wir nur mal die Parkbank, dieses ebenso begehrte wie umkämpfte Objekt. Ist die Parkbank – ob sie nun auf einer Grünfläche steht, auf dem Gehsteig oder an einem öffentlichen Platz – zu bequem, fürchten manche, sie wäre eine Einladung für Obdachlose, sich darauf zum Schlafen zu legen, und deshalb sieht man bei vielen Bänken geradezu ein Obdachlosenverhinderungsdesign, sogenannte „defensive Architektur“, nämlich eingezogene Armlehnen, die das Hinlegen unmöglich machen.

          Verwarnungsgeld von zwanzig Euro

          Auch in den Kommunen ist das Sich-Hinhocken, Herumhängen oder gar Schlafen auf Bänken ein Riesending. In Städten wie Dortmund zahlt ein Verwarnungsgeld von zwanzig Euro, wer langgestreckt auf der Bank ertappt wird, allerdings „meistens“ nur, wenn sich jemand darüber beschwert, was wieder ganz andere Überlegungen zu unseren ordnungsfanatischen oder gar denunziatorischen Neigungen eröffnet, und wer das Geld nicht hat, landet schnell bei einem Bußgeld von 48 Euro.

          Jetzt kommt ein unfairer Vergleich, nämlich mit Paris und dem Jardin du Luxembourg. Dort haben sie seit hundert Jahren diese grünen Metallstühle, ein uraltes Design, es gibt sie als aufrechten Stuhl und zurückgeneigten Stuhl, und jeder kann sich einen nehmen und ihn dort hinstellen, wo er sitzen will, um etwa auf das Wasserbecken vor dem Schloss zu schauen. Philanthropen wie Sie oder ich sehen darin natürlich ein Bild für die Gleichheit aller Menschen, theoretisch zumindest.

          Aber erst, wenn man die Stühle (und die Menschen darauf) an einem sonnigen Tag in Aktion sieht, begreift man, dass sie die Ideale der Französischen Revolution verkörpern, soweit sich das von irgendeinem Ding auf Erden überhaupt sagen lässt. Das klassische Modell trägt den Namen „Senat“, weil im Jardin du Luxembourg der französische Senat tagt, und die Firma, die ihn heute herstellt, hat das Design modernisiert und bietet den Stuhl unter dem Namen „Luxembourg“ für jedermann in 24 Farben an. Friede den Hütten, Krieg den Palästen!

          Auch in Harvard, in Delft und am Stuttgarter Schlossplatz haben sie inzwischen diese Stühle. Beim Spaziergang im Jardin du Luxembourg sah ich auch die Stelle, an der sie gestapelt werden. Selbst eine zwanzigköpfige Rentnertruppe könnte kommen und sich ein Kontingent zusammenstellen, um den Park im Sitzen zu genießen, und wer seine Zeitgenossen absolut nicht sehen will, der krallt sich einfach einen Stuhl mit verkürzten Hinterbeinen, so dass man richtig zurückgelehnt sitzt, fast schon liegend wie ein Obdachloser, streckt die Beine aus und spricht mit den Vögeln oder lauscht dem Rauschen der Bäume, die hier noch etwas grüner sind als der Stuhl. Es ist eben Paris, und dort wissen sie, wie man so etwas macht.

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

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