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Obamas Berater Cass Sunstein : Der Knoten im Netzwerk

Ein schneller und versatiler Kopf: Cass Sunstein Bild: Suhrkamp Verlag

Zu Barack Obamas wichtigsten innenpolitischen Beratern gehört Cass Sunstein, der meistzitierte Jurist der Vereinigten Staaten. Wofür er steht, ist schwer zu sagen. „Libertärer Paternalismus“ nennt er es selbst. Doch er schreibt und denkt so schnell, dass er kaum zu fassen ist.

          In Anlehnung an den deutschen Wahlkampfstil könnte man Cass Sunstein den „Professor aus Chicago“ nennen. Er hat für Barack Obama, den er von der Juristenschule der Chicagoer Universität her kennt, wo Obama lange Verfassungsrecht unterrichtete, in Iowa und Virginia Wahlkampf gemacht. Er berät ihn, den er als „visionären Minimalisten“ bezeichnet hat, in innenpolitischen Fragen. Und Sunstein, der nach dem Studium in Harvard einst als Rechtsberater im Justizministerium der Regierung Ronald Reagans begann, gilt als Kandidat der Demokraten für einen Sitz im Supreme Court.

          Was er denkt, wofür er steht? Nicht leicht zu sagen, denn Sunstein steht gar nie. Er schreibt, mit anderen Worten, zu schnell, als dass man zu einem gegebenen Zeitpunkt genau feststellen könnte, ob er gerade konservativ oder liberal oder neoliberal oder wohlfahrtsstaatlich argumentiert. Sein eigenes Wort dafür ist „libertärer Paternalismus“, was wohl so viel heißt wie: mal so, mal anders.

          Ungeheure Produktivität

          Das passt zu seiner Produktivität, Sunstein hat mehr Bücher publiziert, als er sich merken kann, und über mehr Themen, als alle anderen sich merken können, darunter das genetische Klonen, reaktionäre Richter, den Versicherungsstaat, die Todesstrafe - die er befürwortet, weil auf jeden Hingerichteten siebzehn durch Abschreckung verhinderte Morde kämen -, Wikipedia, Pornographie, die amerikanische Verfassung, irrationales Entscheiden und Bob Dylan. Er soll, manchmal merkt man es seinen Argumenten an, allmorgendlich schon Sekunden nach dem Aufwachen mit dem Schreiben anfangen.

          Das hat Samantha Power verraten, mit der Sunstein seit Juli verheiratet ist, die als Expertin für Menschenrechtspolitik seit 2005 für Obama arbeitete, den Kandidaten außenpolitisch beriet, im März aber aus seinem Wahlkampfteam ausschied, nachdem sie in einem Zeitungsinterview Hillary Clinton als „Monster“ bezeichnet hatte.

          Meistzitierter amerikanischer Jurist

          Cass Sunstein ist mithin der Innenseiter des intellektuellen Netzwerkes, das in den nächsten Jahren den amerikanischen Politikstil bestimmen dürfte. Oder besser: Er ist dessen Knoten. In der unterhaltsamen Juristenzeitschrift „The Green Bag“ erschien im vergangenen Herbst ein Aufsatz „Six Degrees of Cass Sunstein“, in dem von einem Mathematiker und einer Juristin der Vanderbilt University berechnet wurde, dass unter Sunsteins fünfhundert Aufsätzen achtzig sind, die er mit 58 Koautoren geschrieben hat, die ihrerseits insgesamt Aufsätze mit 837 anderen Autoren verfasst haben. Kein Wunder, dass Sunstein selbst in den vergangenen zehn Jahren der mit Abstand meistzitierte amerikanische Jurist überhaupt war.

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