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Obama im Gegenwind : Der Präsident ist nicht das Problem

  • -Aktualisiert am

Der Gegenwind, der auch Segen bringt: Präsident Barack Obama Bild: Chip Somodevilla/Getty

Worüber wir reden, wenn wir über Barack Obama reden: Amerika hält einfach nicht mehr zusammen, die gemeinsame Identität ist verloren.

          4 Min.

          Am vergangenen Wochenende kam es in den Vereinigten Staaten zu einem Auffahrunfall. Es wurden keine Personen verletzt, der Sachschaden blieb gering. Und doch beschäftigte das lehrbuchtaugliche Beispiel für ein Nichtereignis die wichtigsten Journalisten des Landes, denn am Steuer saß der Handelsminister, bis dato ein kaum bekannter Mann. Einen Buick soll er gerammt haben, schreibt die „Washington Post“, daraufhin sei er ausgestiegen, um mit dem Fahrer des geschädigten Wagens zu reden, ja und beim Wegfahren, da habe er gleich wieder den Buick gestreift. Der Sprecher des Ministers erklärte, der habe „einen Anfall“ erlitten und sei in klinischer Behandlung.

          Daraufhin flippte das Pressekorps des Weißen Hauses, einst ein stolzer Club knallharter Rechercheure, aus: Ist der Minister noch tragbar? Ist er gesundheitlich in der Lage, sein Amt auszuüben? Wie viele Unfälle waren es genau? Was ist mit regelmäßigen medizinischen Untersuchungen für Mitglieder der Regierung? Und so weiter. Sie fragten und hakten nach und klangen und sahen aus wie Hauptstadtjournalisten, die an etwas dran sind, aber es war doch nur Blech. Dirk Niebels fliegender Teppich hatte im Vergleich dazu die Dimension von Watergate.

          Es ist kein sportlicher Wettkampf

          Die kleinteilige und hochfahrende, aber stets auf Unterhaltsamkeit und Spannung bedachte amerikanische Nachrichtenbranche ist ganz auf die Befriedigung der kürzestmöglichen, emotional dominierten Aufmerksamkeitsspanne optimiert, also auf „finde ich gut“ versus „hasse ich“. Es ist ja auch verführerisch: Statt sich beängstigende Fragen zum Zustand der amerikanischen Demokratie und der Fitness der Republik zu stellen, betrachtet man Bilder des Präsidenten und sinniert, wie man den so findet. Und weil er ergraut ist und die Wunder ausgeblieben sind, zuckt man mit den Schultern oder sagt „schade eigentlich“.

          Doch das geht nicht. Demokratie ist kein Event und die Welt zu zusammenhängend, als dass man das Nachdenken über die amerikanischen Zustände multitaskend nebenbei und surfend erledigen sollte. So, als stünde, wenn der es nicht packt, noch ein halbes Dutzend anderer guter Kandidaten bereit, den Job genau so, halt nur etwas besser zu machen; so als wäre es ein sportlicher Wettkampf, bei dem sich zwei Teams auf der Basis gewisser Spielregeln gegenüberstehen.

          Aber das ist nicht mehr so. Ein Team, die Republikaner, treten nur noch an, wenn das Feld ihnen gehört, die Zuschauer ihre Freunde sind und die anderen vor Spielbeginn von wichtigen Richtern disqualifiziert werden - gerade auch der amtierende Präsident. In längst versunkenen Zeiten hätten die Republikaner seine Bilanz kritisiert und nur für Gesetze gestimmt, die ihren politischen Vorstellungen entsprechen. Im Kriegs- und Krisenfall aber hätten sie sich hinter den Präsidenten gestellt, nicht weil er eine Wahl gewonnen hat, sondern weil er der Repräsentant der ganzen Nation und Staatsoberhaupt der Republik ist. Dahinter stand also ein spezifischer Bürgerbegriff.

          Zweifel an der Staatsbürgerschaft Obamas

          Nun ist das ganz anders: Die Republikaner stimmen auch gegen Gesetzesvorschläge, die ihrem eigenen Programm entnommen wurden. Das wichtigste, das einzige Ziel, das der republikanische Sprecher des Repräsentantenhauses John Boehner am Abend seiner Wahl zu verkünden hatte, war, die Wiederwahl Obamas zu verhindern. Und weil jedes im überparteilichen Konsens verabschiedete Gesetz dem Präsidenten nützen könnte, gibt es eben kein einziges Konsensgesetz. Eher hält man die größte Volkswirtschaft der Welt als Geisel, als mit den Demokraten zusammenzuarbeiten. Der Parteiname der Mehrheitsfraktion im Kongress ist die reine Ironie. Mit personellen Animositäten oder Parteipolitik hat diese Ideologie nichts zu tun, sie wurzelt viel tiefer. Liest man die zu seinem achtundachtzigsten Geburtstag erschienenen Porträts des einundvierzigsten Präsidenten George H. W. Bush und vergleicht man seine Aussagen mit denen seiner politischen Erben, so ermisst man erst den qualitativen Sprung: Bush senior klingt heute wie ein Linksextremist.

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