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"Festival della Bellezza" : Unter Männern

  • -Aktualisiert am

Wie kann Gleichberechtigung nur so rückwärtsgewandt sein? Bild: dpa

Beim "Festival della Bellezza" in Verona diskutieren über Eros und Schönheit – ausschließlich Männer. Wie kann Gleichberechtigung nur so rückwärtsgewandt sein?

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          In Italien genügt ein Festivalprogramm, um zu zeigen, wie rückwärtsgewandt man in Fragen der Gleichberechtigung noch ist. Das „Festival della Bellezza“ in Verona ist gerade eröffnet worden. Diesjähriges Thema: „Schönheit und Eros.“ Vierundzwanzig hochkarätige Namen der italienischen Kunst- und Kulturszene werden in der römischen Arena über „die Kunst und Philosophie von Schönheit als gedanklicher Ausdruck großer Künstler“ vortragen. Als gebe es keine weiblichen Intellektuellen, denen man das zutrauen kann, befindet sich, abgesehen von der Schauspielerin Jasmine Trinca, die das Fest eröffnen durfte, keine Frau unter den Geladenen.

          Die Entrüstung ist gewaltig. Schönheit und Eros gründen in geschlechtsspezifischen Zuschreibungen. Mit nur Männern auf dem Podium ignoriere man die weibliche Perspektive und riskiere ein Abrutschen in männliche Phantasien. „Das Festival der Schönheit findet in Saudi-Arabien statt, nehme ich an“, twitterte die Autorin Letizia Pezzali. „Die Organisatoren glauben, Frauen können nicht über Eros sprechen, aber minderjährige Mädchen dürfen dessen Sinnbild sein“, kritisierte die Abgeordnete Alessia Rotta in Anspielung auf die Illustration auf Programmen und Plakaten, die ein mit Bienen bekleidetes Mädchen zeigt. Das Bild ist ein Werk Maggie Taylors. Wie sich herausstellte, hatte die Künstlerin seiner Verwendung gar nicht zugestimmt.

          Das alles ist ein beschämendes Desaster, das der Rechtfertigungsversuch des Festivals noch schlimmer gemacht hat. Ursprünglich habe man Charlotte Rampling, Ute Lemper, Jane Birkin und Patti Smith dabeihaben wollen, aber „wegen Schwierigkeiten in Zusammenhang mit Covid“ sei es nicht dazu gekommen. Warum hat man nicht eine Zuschaltung per Videoanruf organisiert? Oder ganz einfach Italienerinnen eingeladen, die nicht fliegen müssen, um in Veronas Arena zu stehen? Man staunt weiter, auch der Ort der Arena soll ein Absagegrund gewesen sein.

          Viele Frauen hätten sich „in diesem besonderen Kontext nicht bereit für einen Auftritt gefühlt“. Anders gesagt: Die Frauen hatten nicht nur Angst vor Ansteckung, sie schreckten auch vor der Arena zurück. Sie war und bleibt eben nur ein Ort für Gladiatoren. Nun werden neue Plakate ohne das Bild von Maggie Taylor gedruckt. An der Besetzung des Podiums hält man fest. Von den geladenen Männern gab es keine Kritik daran. Sie hätten dem Beispiel Giuseppe Provenzanos folgen sollen. Der Minister des Südens hat vor einiger Zeit eine Konferenzteilnahme abgesagt. Er hatte keine Lust, an einem Tisch zu sitzen, an dem ausschließlich Männer Platz nehmen durften.

          Karen Krüger

          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

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