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Frauenquote in Düsseldorf : Was die Herren sich einfallen lassen

Männerbündlerisches Setting? Die Ausstellung zu Verschwörungstheorien im NRW-Forum Düsseldorf läuft unter dem Titel „Im Zweifel für den Zweifel“. Bild: NRW-Forum

Das NRW-Forum eröffnet eine Ausstellung und lädt neben zwölf Männern nur eine Künstlerin ein. Die Reaktion des Kurators wächst sich zu einer Abrechnung mit dem Feminismus aus. Ein Lehrstück zur Repräsentanz weiblicher Positionen.

          Verena Kaspar-Eisert, Kuratorin am Kunsthaus Wien, traute ihren Augen nicht. Ihre Kollegen vom NRW-Forum in Düsseldorf luden sie „und Ihre Freunde“ zur Eröffnung einer Ausstellung über Verschwörungstheorien ein, und in der Künstlerliste auf der Einladungskarte stand neben zwölf Männern eine einzige Frau. Was war da passiert? Dieser von Kaspar-Eisert auf Instagram aufgeworfenen Frage gaben die Künstlerin Candice Breitz in einer Serie polemischer Facebook-Anschläge sowie ein auf feministische Beobachtung des Kunstbetriebs spezialisierter Blog weitere Publizität. Ein offener Brief trägt inzwischen 1180 Unterschriften.

          Der Kurator Florian Waldvogel antwortete auf die Kritik in seiner Eröffnungsrede, die er bei Facebook publizierte. Dieser Text, dessen Vortrag etwa vierzig Minuten beansprucht haben muss, ist schon deshalb ein Dokument, weil er seinen eigenen Status proklamiert. Waldvogels Gegenattacke beginnt mit dem Vorwurf, die Kritikerinnen hätten ihren Gegenstand verfehlt, sähen nämlich als Ausstellung nur die Ausstellung. Er hingegen verstehe „die visuellen Erscheinungsbilder und theoretischen Erfahrungssysteme – Ausstellung, Einladungskarte, Display, Pressetext, Vermittlungsarbeit, Eröffnungsrede, begleitende Publikation, Symposium oder Vortrag – als gleichwertige Bausteine eines Projektes“. Dafür berief sich Waldvogel auf Adorno: „Denken ist ein Tun, Theorie eine Gestalt von Praxis.“

          Gehässiger Totalverriss

          Die Rede, unzweifelhaft von einem Mann vorgetragen, mutmaßlich vom selben Mann verfasst, höchstwahrscheinlich also nicht von einer Frau erdacht und insofern als Tat kein effektives Argument gegen die Kritik am männerbündlerischen Setting des Projekts, ist redekunstgerecht aufgebaut, nach dem Gesetz der Eskalation. Sie kulminiert in einem gehässigen Totalverriss von Person und Werk von Candice Breitz, nachdem der Redner sich in eine Generalabrechnung mit dem heutigen Feminismus hineingesteigert hat, in der angeblich hegemonialen Gestalt eines „bürgerlichen Mainstream-Feminismus“, inklusive des „begriffslosen Sternchen-Feminismus“ und (in ganz gewiss hochtheoretisch negativ-dialektischer Erneuerung des Hysterietopos) des „übererregten Hashtag-Feminismus“.

          Dieser Feminismus sei neoliberal und gehe mit der „Forderung nach einer Frauenquote“ von 50 Prozent der Auseinandersetzung mit der „strukturellen Dimension des Patriarchats“ aus dem Weg. Der Haken an der Sache beziehungsweise, um neben der von Waldvogel lang und breit zitierten Simone de Beauvoir eine andere Klassikerin zu bemühen, der kleine Unterschied zwischen Referat und Bezugstexten: Die Kritikerinnen haben gar keine Quote gefordert, keine „50-Prozent-Zielmarke“ aufgestellt, sondern mit der ironischen Formulierung, der Anteil von einem Dreizehntel habe als „homöopathische Frauenquote“ zu gelten, nur den Eindruck zu Protokoll gegeben, dass man in Düsseldorf gar nicht an weiblichen Positionen interessiert sei.

          Aus der schlagenden statistischen Evidenz dieses Desinteresses ergibt sich nicht notwendig die Forderung nach Abhilfe durch Quotierung. Die Herren müssen sich schon selbst einfallen lassen, wie sie es besser machen wollen.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

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