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NSA-Parodie : Die Botschaft ist angekommen

Na dann: Prost! T-Shirt aus der Kollektion McCalls Bild: LibertyManiacs

Seit Jahren verkauft Dan McCall T-Shirts mit verfremdeten Siegeln von NSA und Homeland Security. Das haben die beiden Dienste lange verhindern wollen. Und jetzt doch nachgegeben.

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          Dan McCall ist zu weit gegangen. Über den Online-Versand Zazzle vertreibt der Graphiker aus Minnesota Kleider und Aufkleber, Plakate und Kaffeebecher mit den Konterfeis von Sitting Bull, Thomas Jefferson oder David Henry Thoreau, mit Parolen, die zum Frieden, zum Widerstand und zu eigenständigem Denken aufrufen. Ein Motiv zeigt Obama als kapitalistischen Zombie, ein anderes seinen Herausforderer im Wahlkampf 2012, Mitt Romney, in ähnlicher Entstelltheit, wie er sich gerade über ein Baby hermachen will.

          Doch es sind nicht Bilder wie diese, die den Zorn der Behörden auf sich gezogen haben. Eine Unterlassungsaufforderung haben der amerikanische Heimatschutz und die NSA an Zazzle geschickt, weil sie ihre Siegel auf T-Shirts widerrechtlich gebraucht sahen. Unter den einen Schlüssel tragenden Adler der NSA hatte McCall die Zeile „Die einzige Behörde, die wirklich zuhört“ gedruckt, und beim Department of Homeland Security trägt der Adler gar statt der Pfeile eine Flasche in der linken Klaue, das Wappen ziert ein Vulkanausbruch und ein Schiffsuntergang, und das Wort Security ist durch Stupidity, Dummheit, ersetzt.

          Alte Forderungen in neuem Licht

          Man dürfe ein behördliches Siegel nicht zu kommerziellen Zwecken reproduzieren, hatte die NSA argumentiert. Der Heimatschutz argumentierte, die Verfremdung jedes behördlichen Logos sei ungesetzlich. Die haben Sorgen, könnte man meinen. Sie hatten Sorgen: Die Forderungen der beiden Dienste erreichten Zazzle im März und August 2011, in einer Zeit also, lange bevor sich das Bild der NSA durch die Enthüllungen Snowdens leicht zugespitzt und der Grund zur satirischen Reaktion deutlich verstärkt hat. Wie die „Washington Post“ berichtet, vertreibt McCall die Motive bereits seit 2003.

          Jetzt hat sein Anwalt mit der Bundesstaatsanwaltschaft eine Einigung erzielt, in der die Forderung beider Behörden zurückgenommen und McCall das Recht zur Parodie zugestanden wird. Nur auf eine Werbebotschaft wird der Graphiker, der beide Motive auch auf der Seite LibertyManiacs.com verkauft, künftig verzichten müssen: auf das stolze „Censored by the NSA“.

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