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Neubauten in New York : Kampf der Wolkenkratzer

Neue Türme bedrängen das klassisch moderne, 1961 gebaute „270 Park“ (rechts). Gegen den Abriss formiert sich Protest. Bild: mauritius images

Norman Foster will einen der größten Türme von New York bauen. Dafür soll einer der elegantesten der Nachkriegsmoderne abgerissen werden: das „270 Park“ der Architektin Natalie Griffin de Blois.

          Es gibt kaum einen Architekten, der so aktiv auf Instragram ist wie Norman Foster: Auf den Hunderten von Fotos, die der Architekt im Internet postet, sieht man ihn beim Zeichnen, aber auch auf einem aufblasbaren Schwan sitzend, einmal posiert er vor einem alten Weltkriegsjeep, einmal am Strand von Cape Cod, dazu zeigen die Bilder Dinge, die er mag: einen Lamborghini aus den sechziger Jahren, seinen Entwurf für einen über dreihundert Meter hohen tulpenförmigen, daher „The Tulip“ getauften Aussichtsturm, den er in London neben dem ebenfalls von ihm entworfenen Gherkin-Hochhaus bauen will, noch einen schönen Mercedes Flügeltürer und die Hilma-af-Klint-Ausstellung im New Yorker Guggenheim-Museum. Keine Freunde macht sich Lord Foster allerdings gerade mit dem Plan, drei Kilometer südlich von diesem Museum in Manhattan einen neuen, 360 Meter hohen Wolkenkratzer für das internationale Finanzunternehmen JP Morgan zu bauen – denn auf dem Bauplatz an der Park Avenue steht schon ein gut zweihundert Meter hoch in den Himmel über New York ragendes, 52-geschossiges Hochhaus, das Anfang der sechziger Jahre errichtet wurde. Einen solchen Koloss mitten in Manhattan wieder verschwinden zu lassen – es wäre der größte Abriss in der Geschichte New Yorks – kostet ein Vermögen und lässt sich ökonomisch nur dann rechtfertigen, wenn man mindestens hundert Meter höher bauen darf.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Genau das ist jetzt durch die neuen „Zoning“-Regelungen für diesen Teil Manhattans möglich; die zweihundert Meter hohen Wolkenkratzer werden bald mickrig aussehen neben dem, was aus dem Boden nahe dem südlichen Central Park schießt. Einen Vorgeschmack gab ebenfalls auf der Park Avenue das Wohnhochhaus „432 Park“ das mit 425,8 Metern Bauhöhe das höchste Wohngebäude der westlichen Hemisphäre ist und, wie die Anrainer am Central Park grimmig anmerken, wie ein ausgestreckter Mittelfinger des großen Geldes in der Skyline auftaucht. Dort wird es eher bald nicht mehr allein sein; der Central Park Tower, ebenfalls ein Wohnbau, wird über 470 Meter hoch sein. Es ist interessant, dass – nachdem in den sechziger Jahren ganze Wohnviertel niedergelegt wurden, um Bürotürmen Platz zu machen, was als Vertreibung der kleinen Leute durch einen gefräßigen Kapitalismus kritisiert wurde – mittlerweile ebendiese Bürotürme wieder abgerissen werden, um Luxuswohnbauten Platz zu machen; offenbar ist mit dem Wohnen in der Stadt des postindustriellen Spätkapitalismus mehr Geld zu machen als mit dem Arbeiten, und angesichts all der als Geldanlagen erworbenen, leeren Luxuswohnungen freut man sich fast, wenn man einen Vertreter der bedrohten Spezies des innerstädtischen Angestellten sichtet. Gegen die neuen Wohntürme nimmt sich Fosters geplanter Bürobau jedenfalls fast bescheiden aus.

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          Dass dafür das jetzige „Two Seventy“-Building weichen soll, empört Denkmalschützer und Architekturfreunde aber zu Recht – denn der 1961 fertiggestellte Turm mit seinen leichten, filigranen, vom nahen Seagram-Building inspirierten Vertikalen ist ein Meisterwerk der damals für Skidmore, Owings & Merrill arbeitenden Architektin Natalie Griffin de Blois und galt lange als „höchstes von einer Frau entworfenes Gebäude der Welt“, ein Ehrentitel, der angesichts der Masse von Türmen kein gutes Licht auf die Arbeitsverteilung in der Architekturwelt wirft.

          Natalie Griffin de Blois, die 1921 als Tochter einer Ingenieursfamilie geboren wurde und vor sechs Jahren starb, war eine Ausnahmeerscheinung in der New Yorker Architektur. Sie arbeitete für den Bau-Utopiker und Theoretiker Friedrich Kiesler und wurde in den fünfziger Jahren einer der wichtigsten Entwerfer der Architekturfirma Skidmore, Owings & Merrill. Anders als ihr Büropartner Gordon Bunshaft wurde sie aber kaum bekannt; sie arbeitete am New Yorker Lever House mit, das mit seinem kleinen Innenhof ein geradezu europäisches Raumgefühl in die amerikanische Büroarchitektur brachte (und später ganz Bunshaft zugeschrieben wurde), entwarf das Pepsi Building und Teile der Ford World Headquarters in Dearborn, Michigan. Dass jetzt ihr elegantester Bürobau verschwinden soll, ist vielleicht auch ein Zeichen für das Ende einer Nachkriegsmoderne, deren Versprechen in den klaren, kühlen Formen der Türme von Midtown ihren besten Ausdruck fanden.

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