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Nordkorea : Goethe-Institut schließt Lesesaal

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Der Lesesaal des Goethe-Instituts in Pjöngjang wurde 2004 eröffnet Bild: EPA

Der Lesesaal des Goethe-Instituts in Nordkorea sollte eine „Nachbarschaft des Geistes“ begründen. Nun wird die Einrichtung in der Hauptstadt Pjöngjang geschlossen - wegen Zugangsbeschränkungen und Zensur.

          Das Goethe-Institut schließt seinen Lesesaal in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang. Nachdem die Bundesrepublik und Nordkorea 2001 diplomatische Beziehungen aufgenommen hatten, eröffnete der Lesesaal am 2. Juni 2004 als erste ausländische Kultureinrichtung in dem kommunistischen Land. Die damalige Präsidentin des Goethe-Instituts, Jutta Limbach, hatte bei der Eröffnung von der Aussicht gesprochen, eine „Nachbarschaft des Geistes“ zwischen den beiden Staaten zu begründen. Den Lesesaal sah sie als „eine kleine Tür“ nach Nordkorea. Der ungehinderte Zugang zu dem Lesesaal sowie der freie Zugriff auf die vorhandene Literatur galten als Grundbedingungen. Auf nordkoreanischen Wunsch stammte die Hälfte der rund viertausend verfügbaren Bücher aus dem naturwissenschaftlich-technischen Bereich.

          Die „Vermittlungsstelle für Deutsche Wissenschaftliche und Technische Literatur“, wie der Lesesaal offiziell hieß, hatte ihren Sitz im Chollima-Kulturhaus im Stadtbezirk Mitte von Pjöngjang. Neben Fachbüchern umfassten die Bestände auch Romane sowie Werke zur deutschen Kultur, Geschichte und Gesellschaft. Mit anfänglich sechzig bis hundert Lesern pro Tag entsprach die Besucherzahl in etwa der des Goethe-Instituts in Seoul. Zwar lagen zunächst auch deutsche Zeitungen und Magazine aus, aber das änderte sich 2007. Von nordkoreanischer Seite hieß es dazu, der Platz werde für Fachliteratur benötigt.

          Zutritt nur für Kader

          Klaus-Dieter Lehmann, der Präsident des Goethe-Insituts, begründete die Schließung damit, dass sich die in den Lesesaal gesetzten Hoffnungen nicht erfüllt hätten, zumal die vertraglich vereinbarten Bedingungen nie gegeben gewesen seien. Nur lupenreine Kader hätten Zutritt erhalten, und es gebe keine unzensierten Medienbestände. Das Goethe-Institut habe zwar in Verhandlungen darauf gedrängt, die Vertragsverletzungen zu beseitigen, aber das sei nie passiert. Lehmann fügte hinzu, die Schließung bedeute nicht das Ende der deutschen kulturpolitischen Aktivitäten in Nordkorea. So werde etwa die Zusammenarbeit im Filmbereich fortgesetzt.

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