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Nofretete-Ausstellung in Berlin : Auge in Auge mit der Pharaonin

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Wie meisterhaft die Bildhauer Achetatons ihre Kunst ausübten, wird selbst in diesen kümmerlichen Resten noch offenbar. Minutenlang steht man vor einem Kalksteinsplitter, dessen seidenglatt geschliffene Oberfläche sofort wiedererkennbar den sensiblen Mund und die scharf geschnittene Nase Echnatons zeigt. Acht Zentimeter lang ist das Bruchstück, nur fünf Zentimeter breit - und fesselt doch so wie einige Schritte weiter ein winziger wohlgeformter Finger, der das letzte Überbleibsel einer Statuette ist.

Ausgeburt eines Machtdeliriums und Größenwahnsinns?

Die erwähnte Echnaton-Büste des Louvre ist in Berlin präsent als 3D-Computerreplik des Originals - das ist längst so fragil, dass man es nur in äußersten Notfällen zu bewegen wagt. Dasselbe trifft auf die Nofretete-Büste zu - und war auf der Pressekonferenz zur Ausstellungseröffnung auch wieder zu hören. Selbstverständlich im Zusammenhang mit den unvermeidlichen Fragen nach den Rückgabeforderungen Ägyptens. Mit einem salomonischen „Sie gehört allen“ beendete Generaldirektor Bertram Eissenhauer die Debatte. Zu Recht: Berlin ist Treuhänder der Nofretete - und Beschützer. Unvorstellbar, was ihr 2011 bei der Stürmung des Nationalmuseums in Kairo hätte widerfahren können, was ihr während der momentanen Unruhen geschehen könnte und was, eingedenk der Buddhas von Bamijan, bei einem Sieg fundamentalistischer Bilderstürmer.

Weniger salomonisch agierte Friedrike Seyfried, die Direktorin des Ägyptischen Museums: „Mich interessieren die Mumien nicht“, antwortete sie auf Fragen nach den DNA-Untersuchungen des letzten Jahres, die ergaben, dass die Eltern von Echnatons Nachfolger Tutanchamun Geschwister gewesen sind. Ein ehrenwerter Standpunkt, denn damit distanziert sie sich von den hanebüchenen Spekulationen und verschwitzten Phantasien über pharaonischen Inzest und Geschlechtertausch, die Nofretete zum König oder eventuell einen jungen Mann namens Semenchkare zur „Gemahlin“ Echnatons gemacht haben. Aber mit ihrem kategorischen Urteil wendet die Direktorin auch den Rätseln dieser Ära den Rücken zu: Unbestreitbar oft sind Männer und Frauen in dieser Kunst kaum oder gar nicht zu unterscheiden, unverkennbar sind erotischer Aspekt und Bruch mit Tabus. Zeichen und Folge der neuen Aton-Religion, die zumindest für den Pharao als ihren Schöpfer alle Grenzen aufhob? Zugespitztes Darstellen einer alles ergreifenden Botschaft von Liebe und Güte?

Oder ist die Amarna-Kunst Ausgeburt eines Machtdeliriums und Größenwahnsinns, der Echnaton als Enkel und Sohn von Pharaonen ergriff, die nie zuvor gekannte Machtfülle und Reichtum geschaffen hatten? In einer Ausstellung, deren Ziel die Aufklärung über diese rätselhafte und wunderschöne Kunst ist, sollte auch auf diese Fragen „das Licht des Aton“ fallen.

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