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Nobelpreisträger Liu Xiaobo : Was das Wirken des Friedensaktivisten ausmacht

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Während eines Interviews am 3. Oktober zeigt Liu Xia, die Ehefrau Liu Xiabos, ein Foto des Inhaftierten Bild: REUTERS

Rechtzeitig zu den Studentenprotesten auf dem Platz des Himmlischen Friedens kehrte der promovierte Literaturwissenschaftler Liu Xiaobo nach China zurück. Sein Gefängnisaufenthalt derzeit ist nicht der erste.

          Liu Xiaobo wurde am 28. Dezember 1955 in der mandschurischen Stadt Changchun geboren. Der promovierte Literaturwissenschaftler trat in den achtziger Jahren in Peking als Existentialist mit einer Vorliebe für deutsche Philosophen, speziell Nietzsche, in Erscheinung und galt als radikaler Intellektueller. Seinen ersten Auslandsaufenthalt verbrachte er 1988 ausgerechnet in Oslo, jener Stadt also, in der ihm nun der Friedensnobelpreis zugesprochen wurde.

          1989 kehrte Liu aus Amerika nach China zurück, als dort die Studentenbewegung ihre Proteste begann. Nach dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens am 3. und 4. Juni 1989 wurde der aktive Demokratieverfechter zum Vertreter einer abgewogenen, langfristig vorausschauenden Vernünftigkeit, die unmittelbare Konfrontationen mit dem Regime vermeiden will. Trotzdem wurde Liu 1989 zu seinen ersten zwei Jahren Haft verurteilt. Weitere Gefängnisstrafen sollten folgen.

          Die Artikel, in denen Liu seine Thesen zur Demokratisierung Chinas vertrat, konnten nur im Ausland erscheinen, seine Gedichte sind dagegen selten übersetzt worden. 1996 wurde er zur „Umerziehung durch Arbeit“ verurteilt, die erst 1999 endete. Der danach als freier Schriftsteller in Peking lebende Liu wurde 2003 zum Präsidenten des unabhängigen chinesischen PEN gewählt. Wegen der Unterzeichnung der Charta 08 wurde er im Dezember 2009 schließlich zu elf Jahren Gefängnis verurteilt. Aus der Haft an unbekanntem Ort veröffentlichte er im Februar 2010 eine persönliche Erklärung zu seinem Prozess, in der er jeglicher Feindschaft eine Absage erteilte. Im Westen stieß diese Erklärung meist auf Unverständnis.

          Auf Deutsch gibt es bislang kein Buch von Liu Xiaobo. Das wird sich im kommenden Jahr ändern, denn S. Fischer hat die Weltrechte an einer Ausgabe seiner Schriften erworben, die von Tienchi Martin-Liao, der jetzigen Präsidentin des unabhängigen chinesischen PEN, und Liu Xia, der Ehefrau des Autors, herausgegeben wird. Darin sollen zentrale literarische, politische und philosophische Texte von Liu versammelt werden.

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