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Unesco-Welterbe : Der „Nasse Limes“ sucht den Anschluss

Gigantomanisch als wäre es eine Kulisse für „Game of Thrones“: Virtuelle Ansicht der antiken Vorgängerstadt Xantens am niedergermanischen Limes Bild: FaberCourtial GbR für LVR-Archäologischer Park Xanten

Nach dem obergermanisch-rätischen soll jetzt auch der niedergermanische Limes Unesco-Welterbe werden. Eine Spurensuche zwischen Xanten und Bonn in Zeiten von Covid-19 und Hochwasser.

          4 Min.

          ­Nähert man sich Xanten von Süden her auf der B 57, der alten Rö­merstraße, erscheint, kurz bevor der Alte Rhein hinter den Bäumen auftaucht, ein unscheinbares Schild auf grünem Grund: „Amphitheater Birten“. Soll das etwa der Hinweis auf das größte erhaltene Standlager der Antike mit seinem noch zugänglichen Vergnügungsbau sein (Vetera castra I), das jetzt, zusammen mit vielen anderen antiken militärischen Stätten, den Welterbestatus an­strebt?

          Uwe Ebbinghaus
          Redakteur im Feuilleton.

          Der Niedergermanische oder „Nasse Limes“, der hundertfünfzig Kilometer südlich an den bereits zum Welterbe gehörenden Obergermanisch-Raetischen anschloss – dieser verlief dann über Land weiter nach Osten, bis er in den ebenfalls auf der Bewerberliste stehenden Donaulimes überging –, nutzte den Fluss bis zur Nordsee als Grenze zur rechtsrheinischen Germania magna, jenem Gebiet, das sich nach der Varusschlacht und den er­folglosen Germanicus-Feldzügen um das Jahr 15 nach Christus für Rom als unbeherrschbar erwiesen hatte. Bis zu vierzigtausend Soldaten waren in den folgenden vier Jahrhunderten allein am Niederrhein in vier Legionslagern und mehreren Dutzend Hilfstruppenkastellen stationiert, ein Viertel des römischen Heeres, eine enorme Verdichtung militärischer Macht. Auf der B 57 bei Birten spürt und erfährt man von dieser Bedeutung nichts.

          Sie wollten die germanischen Stämme beeindrucken

          Weit besser ausgeschildert ist der nur wenige Kilometer nördlich gelegene Archäologische Park Xanten des Landschaftsverbands Rheinland. Schon von Weitem sieht man das hinter einer hohen Mauer aufragende Amphitheater. Wir blicken auf die Südecke des größten deutschen archäologischen Freilichtmuseums, das auf den Resten von Colonia Ulpia Traiana steht, jener zivilen römischen Stadt, die um 100 nach Christus aus einer Plan­siedlung im Umkreis von Vetera castra hervorging. In Hochzeiten lebten hier mehr als 10.000 Menschen: Handwerker, Händler, Gastwirte, Veteranen. Durch diesen militärischen Be­zug sind auch die Reste der Zivilstadt Teil des von den Niederlanden und Deutschland gestellten Welterbeantrags „Niedergermanischer Limes“ als Teil der „Grenzen des Römischen Reiches“.

          Blick auf den 73 Hektar großen Archäologischen Park Xanten
          Blick auf den 73 Hektar großen Archäologischen Park Xanten : Bild: FaberCourtial GbR für LVR-Archäologischer Park Xanten

          Die wenigen rekonstruierten Gebäude im Museumspark wirken bei näherer Betrachtung völlig überdimensioniert. Aber genau diesen Eindruck sollten die antiken Vorgängerbauten wohl auch erwecken. Sie sollten die germanischen Stämme beeindrucken. Allein der dem Rhein zugewandte Tempel maß 27 Me­ter Höhe, das Kapitol 36 Meter. Mehr als eine halbe Million Besucher zieht der Park schon ohne Welterbetitel jährlich auf die 73 Hektar große Fläche.

          Im Park sind bewusst nur 15 Prozent der Bodendenkmäler ergraben worden, doch mit neuen geophysikalischen Me­thoden lassen sich auch mit wenig Erdbewegung die unterirdischen Überreste erforschen. Viele der zuletzt errichteten Gebäude dienen einer Art experimenteller Archäologie. Beeindruckend die in Lehmstampftechnik errichteten ge­räumigen Handwerkerhäuser, deren sorg­fältig rekonstruierte Inneneinrichtung einen um Jahrtausende zurückversetzt. In einer „Werft“ genannten Halle werden derweil in einem inklusiven Projekt römische Schiffe nachgebaut, die auf dem schon in der Antike stark befahrenen Rhein nicht nur patrouillierten, sondern auch enorme Mengen an Nahrung, Waren und Baumaterial transportierten.

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