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Neue Bahnhöfe für New York : Der Dinosaurier wirft ganz Manhattan aus der Bahn

Fischgräten über Marmorboden: Die ersten Besucher des Oculus kommen vor allem zum Fotografieren. Bild: AFP

Santiago Calatrava entwarf für Ground Zero die teuerste U-Bahn-Station der Welt. Und jetzt will New York auch noch eine neue Penn Station bauen: Riesige Bahnhöfe sollen zum Zentrum der zukünftigen Stadtkultur werden.

          Das große Fest fand nicht statt. Es gab eine Eröffnung, aber es war eine Zeremonie mit zusammengebissenen Zähnen, die wirkte, als wollten Auftraggeber und Port Authority das Unvermeidliche schnell hinter sich bringen. In der vergangenen Woche wurde dort, wo 2001 die Doppeltürme des World Trade Centers zusammenstürzten, die gigantische Transithalle des neuen Bahnhofs eröffnet - aber allein der Architekt Santiago Calatrava war allerbester Laune und sprach von einer „Botschaft der Liebe“ und einem „Geschenk für alle New Yorker“.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Dieses sogenannte Geschenk haben sich die New Yorker allerdings recht teuer selbst bezahlt; der Bau kostete 3,85 Milliarden Dollar, zwei Milliarden Dollar mehr als ursprünglich geplant, so oder so recht viel für eine U-Bahn-Station, auch wenn sie symbolisch wichtig ist und Bahnhöfe in den Vereinigten Staaten traditionell eine große Bedeutung haben. Die Eroberung des Kontinents gelang nur dank des Eisenbahnbaus, und als der Westen urbanisiert war, brachten Züge die Menschen jeden Morgen in die großen Städte: Es war das 1913 eröffnete Grand Central Terminal, das die Entwicklung von Manhattans Midtown zum dichtestbesiedelten Geschäftsviertel der Welt erst möglich machte. Noch heute kommt eine halbe Million Menschen jeden Tag in der Verkehrskathedrale auf 44 Bahnsteigen und 67 Gleisen an, noch heute ist Grand Central der größte Bahnhof der Welt und das meistbesuchte Gebäude von New York. Aber nicht das teuerste.

          Immerhin soll Calatravas Bahnhof mit seiner 111 Meter langen und 49 Meter hohen Stahlrippen-Halle der drittgrößte Verkehrsknotenpunkt der Stadt werden, und symbolisch wichtige Bauten sollten einer Gesellschaft auch Geld wert sein. Auch der Eiffelturm war nicht billig, und das Wehgeschrei über explodierende Kosten hat oft etwas Buchhalterisch-Kleingeistiges. Andererseits muss die Kostenexplosion das Geld auch wert sein. Der neue Bahnhof ist beeindruckend, wenn man darunter den schieren Effekt von Größe versteht und wenn man den Effekt absoluter Sauberkeit und dentalklinischer Helligkeit als Gegenbild zum rußig-backsteinernen alten New York mag. Als Symbol ist er trotzdem irritierend. Als Calatrava vor zwölf Jahren seinen Entwurf vorstellte, zeigte er allen Ernstes eine computeranimierte aufflatternde weiße Taube - als Bild für Friedenshoffnungen. Während der Entwurfsphase verwandelte sie sich in ein gigantisch-bizarres Flügelwesen, das zwischen den neuen Türmen landen würde. Wohlmeinende Kritiker, die den Bau nicht von vornherein als absurd kostspieligen symbolpolitischen Kitsch verurteilen, führten auch das Bild des „Phönix aus der Asche“ ins Feld. Wobei dieser Phönix, je mehr man sich ihm nähert, beunruhigend entfedert und fluguntüchtig aussieht. Anders als Eero Saarinens TWA-Terminal am Flughafen JFK, dessen Betonschwingen die Zuversicht der frühen sechziger Jahre in eine Form gossen, erinnert Calatravas Bau von außen eher an ein in Verteidigungshaltung erstarrtes Gerippe oder ein Gürteltier, das phantastische Stacheln ausgefahren hat. Einige Besucher mussten bei den stürzenden Rippen sogar an die Trümmer der tragenden Außenhülle des alten World Trade Centers denken, wieder andere an ein Auge mit gigantischen Wimpern, was die Erbauer dadurch nahelegen, dass sie die Halle „Oculus“, „das Auge“, tauften.

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