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New York : Die Pfennigfuchser von Ground Zero

  • -Aktualisiert am

Wie geht es weiter mit Ground Zero? Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Wer sich an die salbungsvollen Töne erinnert, die einst für die Bebauung und revolutionäre Umgestaltung von Ground Zero angeschlagen wurden, wird entsetzt sein: Viele der Pläne sind aufgeschoben - aus Geldmangel.

          Frank Gehry hat nun erst einmal die Arbeit am Reißbrett unterbrochen. Der Stararchitekt, der unter großem Trara den Zuschlag bekommen hatte, einen der Kulturbauten an Ground Zero zu entwerfen, hängt wieder in der Warteschleife.

          Wie er dorthin kam, ist weder ihm noch seinen Auftraggebern ganz klar. Fest steht nur, daß er frühestens im nächsten Jahr einen Entwurf vorzulegen braucht. Es ergeht ihm da immerhin noch besser als Daniel Libeskind, dem einst in den Himmel über Manhattan gelobten Masterplaner, der weiter auf seinen ersten Auftrag für ein Gebäude wartet.

          Geldmangel

          Mit Gehry müssen sich aber auch die für den Theaterbau ausgewählten Organisationen, das Joyce Dance Theater und die Signature Theatre Company, abermals in Geduld üben. Offenbar ist ihre Mitwirkung im geplanten Kulturareal weniger definitiv, als es vor Monaten den Anschein hatte, und ganz sicher gibt es für den Aufschub und die neu ausgebrochenen Ungewißheiten einen guten Grund: Geldmangel.

          Darum wird sich Gretchen Dykstra, die neugekürte Leiterin der World Trade Center Memorial Foundation, nun darauf konzentrieren, fünfhundert Millionen Dollar aufzutreiben, um wenigstens für das Memorial und das ihm angeschlossene Memorial Center den ursprünglichen Fahrplan einzuhalten. Große Namen wie Robert De Niro, der in der Nähe von Ground Zero wohnt, und Michael D. Eisner, der nach seinem angekündigten Rücktritt vom Chefposten bei Disney wohl über etwas mehr Zeit für gemeinnützige Projekte verfügt, sollen das Fundraising in Schwung bringen.

          Priorität des Mahnmals

          Für den Gehry-Bau, der nach ersten Schätzungen nicht unter vierhundert Millionen Dollar zu haben sein dürfte, und das sogenannte Freedom Center, in dem auch das jetzt noch in SoHo residierende Drawing Center unterkommen soll, ist ans Geldsammeln noch gar nicht zu denken. Zumal die Angehörigen der Terroropfer auf der absoluten Priorität des Mahnmals bestehen.

          Die Kulturorganisationen, die meinten, der Umzug an die Südspitze von Manhattan sei beschlossene Sache, müssen sich hingegen mit veränderten Umständen abfinden. Ausgeschlossen ist es nicht länger, daß die Einladungen an sie wieder zurückgezogen werden. Die Behandlung von Daniel Libeskind sollte ihnen ein warnendes Beispiel sein.

          Nicht für bare Münze nehmen

          Selbst wenn ihre Ambitionen nicht, wie die Libeskinds, direkt in den Strudel wirtschaftlicher Interessen gerieten, täten sie gut daran, die Versprechungen und Abmachungen der für die Bebauung von Ground Zero zuständigen Lower Manhattan Development Corporation und der von ihr fürs Geldsammeln gegründeten World Trade Center Memorial Foundation nicht für bare Münze zu nehmen. Wie sich wiederholt gezeigt hat, neigen hehre Absichten und pathetische Visionen dazu, der finanziellen Realität nicht standzuhalten.

          Immer unverhohlener wird der Ort, der wie kein anderer dazu ausersehen war, ein neues New York zu prägen und dabei für die gesamte Welt neue urbane Lebensformen zu entwickeln, nach altvertrauten Rentabilitätsmustern zurechtgestutzt. Und die verblassende Erinnerung an die Terroranschläge wird es der Memorial Foundation nicht gerade erleichtern, Geldquellen zumal für kulturelle Einrichtungen zum Sprudeln zu bringen.

          Wer sich noch an die salbungsvollen Töne erinnert, die einst für die Bebauung und revolutionäre Umgestaltung und Nutzung von Ground Zero angeschlagen wurden, wird über die banale Gebrauchsmusik jetzt nur noch entsetzt sein.

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