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New York demontiert Roosevelt : Problem-Teddy

  • -Aktualisiert am

Reitet künftig anderswo: Seit 1940 stand Theodore Roosevelts Reiterstatue vor dem American Museum of Natural History in New York. Bild: AP

Rassistischer „Teddy“ Roosevelt? Die Reiterstatue des Präsidenten vor dem American Museum of Natural History wird abgebaut. Nach dieser Logik müsste Roosevelt auch in anderen Medien gecancelt werden.

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          Aus den Augen, aus dem Sinn? Die seit langem angegriffene und wiederholt beschmierte Reiterstatue Präsident Theodore Roosevelts vor dem American Museum of Natural History in New York wird demnächst abtransportiert. Weil der reitende Bronze-Präsident zu seiner Linken von einer „Person of Color“ und zur Rechten von einem Häuptling flankiert wird, die dem Bildhauer James Earle Fraser zufolge „Roosevelts Freundlichkeit allen Rassen gegenüber“ verkörpern, hatten Verbände der Indianer, pardon, der „Ureinwohner“ wie das I-Wort neuerdings allenthalben und selbst in den mittlerweile sprachpolitisch gesäuberten Disney-Comics heißt, seit 2016 die Demontage des Denkmals gefordert. Die „Black Lives Matter“-Bewegung setzte sich nun durch. Da das Monument der Stadt New York gehört, sah sich deren Bürgermeister De Blasio zu der öffentlichen Verlautbarung veranlasst, die Statue habe Schwarze und indigene Völker explizit als unterdrückt und rassisch minderwertig dargestellt.

          Selbsternannte Geschichtsreiniger: Im Jahr 2017 wurde das Roosevelt-Monument von der „Monument Removal Brigade“ mit roter Farbe bespritzt.
          Selbsternannte Geschichtsreiniger: Im Jahr 2017 wurde das Roosevelt-Monument von der „Monument Removal Brigade“ mit roter Farbe bespritzt. : Bild: Picture-Alliance

          Sind die neben dem Präsidenten Stehenden automatisch minderwertig?

          Das wäre mit einem Blick auf die Geschichte des Reiterdenkmals leicht zu entkräften – drei gleichberechtigt nebeneinander Einherreitende wird man bei einem nur einer Person gewidmeten Monument nicht finden, wie noch bis Ende September die historisch umfassende Schau „Pferd und Reiter/in“ im oberpfälzischen Etsdorf belegt. Zumal beide Assistenzfiguren als Spurensucher - so der Bildhauer - und vor allem Waffenträger durchaus eine prestigeträchtige Funktion ausüben. Doch die salomonische Formulierung auf der bisherigen Plakette am Denkmal – „Einige sehen die Statue als heroische Gruppe, andere als Symbol der Rassenhierarchie“ – reichte nicht. Der nun bald leere Sockel am Eingang Central Park West ist jedoch nicht das Einzige im Museum, das auf die Familie Roosevelt als Unterstützer des Museums verweist. Auch im Innern muss aufgeräumt werden. Existiert dort doch noch ein sitzender Bronze-Präsident und erwacht in dem Filmklassiker „Nachts im Museum“ seine Wachs-Reiterfigur in ihrem Saal nicht nur zum Leben; der im Film stark geforderte Nachtwächter freundet sich sogar mit ihm an, was durch einen Sympathen vor dem Herrn wie den Roosevelt verkörpernden Mimen Robin Williams leichtfällt. Eine positive Darstellung des Inkriminierten? Vergangenheit auch dies, der Film müsste in der Logik der Denkmalstürmer dringend um die zu positiven Stellen beschnitten werden.

          Überhaupt Verharmlosung: Zwar wissen wir seit Stephen King, dass manche Kuscheltiere nicht so arglos sind, wie es den Anschein hat. Konsequenterweise aber müssten die Canceler als Nächstes die Verbannung von Roosevelts Kosenamen auf den Friedhof der Kuscheltiere fordern. Will es die Legende doch, dass der von 1902 an „Teddy“ genannte und von 1906 an von Margarete Steiff mit einem solchen aus Stoff geehrte Präsident weiland auf einer Jagd keinen einzigen Bären schoss, zugleich aber die Offerte seiner Begleiter, auf einen am Baum festgebundenen Bären zu schießen, entrüstet ablehnte. Allein schon Jagd, dann noch auf herzige Petze – unhaltbar. Es wird mindestens eine weitere Tafel im Museum benötigen, um Roosevelts Restruhm zu retten.

          Stefan Trinks
          Redakteur im Feuilleton.

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