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Neues Snowden-Interview : Die Nacktbilder der NSA

  • -Aktualisiert am

Entspanntes Snowden-Interview mit Guardian-Chef Alan Rusbridger Bild: Guardian

Edward Snowden hat erstmals Namen amerikanischer Agenten enthüllt und obendrein verraten, was sie treiben. Sollte er dafür „in Ketten in Guantánamo landen“, könne er damit leben, sagt er.

          Die rote Linie ist überschritten. Edward Snowden hat im „Guardian“ Namen amerikanischer Agenten genannt. Sie lauten: Bill, George und Tom. Und verraten hat er sie gleich dazu. Denn diese zwischen achtzehn und 22Jahre alten Männer stolpern bei ihrer hochgeheimen Arbeit zum Schutze nationaler Sicherheit hin und wieder über Nacktbilder unbescholtener Bürger.

          Was dann passiert, versuchen Aktivisten seit Monaten erfolglos der Öffentlichkeit zu erklären: Die Agenten beginnen einen Ringtausch. Obwohl den einen nicht angeht, woran der andere arbeitet, fliegen diese Bilder plötzlich von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz, von Büro zu Büro, bis alle sich daran ergötzt haben oder ein noch besseres Bild aufgetrieben wurde. Vielleicht eine Angelegenheit mangelhafter Erziehung, über die auch die überforderte Geheimdienstaufsicht hinwegsieht. Aber ein Fall für die Öffentlichkeit ist es schon.

          Neben diesen Enthüllungen wiederholt Snowden nämlich auch, was wir eigentlich schon wissen: Jeder, der Kameras und Mikrofone – also ein Mobiltelefon – bei sich trägt, ist von der Überwachung betroffen. Dabei, sagt Snowden, gibt es überhaupt keinen Grund, mit digitalen Informationen anders umzugehen als mit Briefen, Krankenakten, Gehaltsabrechnungen oder Liebesbriefen. Denn tatsächlich ließe sich auf modernen Wegen noch viel eher Sicherheit herstellen als mit Papierdokumenten.

          Der Heuhaufen ist „euer Leben“

          Wieder nennt Snowden Namen, von Diensten, die digitale Privatsphäre ermöglichen. Aber es gilt eben auch als modern, von Technologie keine Ahnung zu haben, sich nicht betroffen zu fühlen und die Überwachung mit der Metapher vom Heuhaufen abzutun. Den brauche man schließlich, um darin die Nadel (also die Terrorverdächtigen) zu finden. Wer so denke, sagt Snowden nun – grob ins Deutsche übersetzt –, sei bescheuert. Der Heuhaufen sei das Leben, das Intime, die Menschen, die man kennt, die einem etwas bedeuten, die man liebt. Man müsse ein Depp sein zuzulassen, dass irgendjemand wild in diesen Leben herumwühlt. Am liebsten würde Snowden öffentlich darüber reden.

          Mit dem „Guardian“-Chefredakteur Alan Rusbridger sprach er über seine Zuversicht, dass sich wohl in Amerika keine zwölf Menschen finden lassen, die als Jury geschlossen glauben, dass die durch ihn bekannte gewordene Geheimdienstpraxis in einem möglichen Gerichtsverfahren bedeutungslos wäre. Nur die amerikanische Regierung bestehe darauf, ihn nach Spionagegesetzen abseits der Öffentlichkeit zu verurteilen. Aber, sagt Snowden in dem eigentlich heiteren Gespräch, er könne es auch akzeptieren, in Ketten gelegt in Guantánamo zu landen. Das klingt nach Übertreibung. In der Sache ist es Snowden ernst. Vielleicht ist die Politik schon allein deshalb nicht in der Lage, mit ihm zu reden.

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