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Abendmahlsstreit : Warum nicht reinen Wein einschenken?

Kelch des Herrn Bild: Picture-Alliance

Es geht um das „Wie“ der göttlichen Präsenz: Die jüngste Wortmeldung des Ökumenischen Arbeitskreises evangelischer und katholischer Theologen ist methodisch übergriffig.

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          In mystischer Erkenntnisordnung ist alles eins. Nach dem Prinzip der „coincidentia oppositorum“ fallen die Gegensätze im Unendlichen zusammen. Nikolaus von Kues bezog in diese Einheitsidee auch die kontradiktorischen, also sich logisch widersprechenden Gegensätze ein. Demnach sind die Gegensätze nur in der Welt ausgefaltet, in Gott jedoch eingefaltet. Letzteres ändert freilich nichts daran, dass man auch in der Theologie auf den endlichen Begriffsapparat angewiesen bleibt, sofern man auf differenzierte theologische Begründungen Wert legt. Und sie nicht – unter welchem Einheitsmodell auch immer – mit einem affektiven „Unity now!“-Appell einfalten möchte.

          Christian Geyer-Hindemith
          Redakteur im Feuilleton.

          Volker Leppin, Tübinger Kirchenhistoriker mit Forschungsschwerpunkt zu den Mystikern des späten Mittelalters, folgt der mystischen Spur auch bei der Bearbeitung von ökumenischen Sollbruchstellen. Zusammen mit der Münsteraner Ökumenikerin Dorothea Sattler hat Leppin die wissenschaftliche Leitung des Ökumenischen Arbeitskreises evangelischer und katholischer Theologen (ÖAK) inne. In dieser Eigenschaft zeichnet er nun auch mitverantwortlich für die aktuelle Replik des Arbeitskreises zu den „Lehrmäßigen Anmerkungen“, mit denen die römische Glaubenskongregation auf die ÖAK-Studie „Gemeinsam am Tisch des Herrn“ reagiert hatte (Geisteswissenschaften vom 14. Oktober 2020). Die autorisierte Fassung der ÖAK-Replik zur römischen Kritik machten Leppin und Sattler am vorigen Samstag auf der Website der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster öffentlich.

          Das „Wie“ göttlicher Präsenz

          Darin heißt es zum Thema „Realpräsenz Christi“ unter den Gestalten von Brot und Wein: „Die Gegenwart Jesu Christi wird sich niemals durch den Rekurs auf immer ja auch zeitbedingte menschliche Erklärungsmodelle intellektuell erfassen lassen.“ Was als hermeneutisches Prinzip vollkommen unstrittig ist – der überlegene Anspruch des Wortes gegenüber jeder seiner Auslegungen und Anwendungen –, wird hier als antiintellektuelle Pointe formuliert. Aber schon Hans-Georg Gadamer legte in „Wahrheit und Methode“ dar: Natürlich bleibt gegenüber jedem Erklärungsmodell immer ein Bedeutungsüberschuss des Explanandums. Freilich setzt, so Gadamer, solche hermeneutische Unausschöpfbarkeit das Bemühen um intellektuelle Annäherung nicht ins Unrecht, wie bruchstückhaft sie gegenüber dem Ganzen der (historischen, juristischen, theologischen) Überlieferung auch ausfallen mag.

          Der springende Punkt ist theologisch ja in der Tat nicht das „Dass“ der Gegenwart Christi in Eucharistie und Abendmahl, sondern nach wie vor das gänzlich verschiedene „Wie“ dieser Präsenz. Dazu heißt es in der autorisierten Fassung des ÖAK-Papiers: „Das ,Dass‘ steht außer Frage – das ,Wie‘ bleibt ein dem denkerischen menschlichen Zugriff entzogenes Geheimnis.“ Doch spricht sich hier wiederum ein mystisches Vorurteil aus: Warum sollte ein als theologisches Geheimnis ausgewiesener Sach- und Beziehungsgehalt sich denkerischen Annäherungsversuchen entziehen? Hätte man damit nicht jedes theologische Register in seinem Vernunftanspruch depotenziert?

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