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Neues aus Zamonien : Hui Spinne!

Der Autor und Zeichner Walter Moers hat ein Millionenpublikum, vor dem er sich seit Jahren verborgen hält. Seine Schöpfungen aber gehen neuerdings in die Wissenschaft ein: In der Schweiz ist die „Zamonische Zwergspinne“ entdeckt worden.

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          Der Mensch, der Walter Moers entdeckt, wird noch gesucht. Dem erfolgreichen Schriftsteller und Comiczeichner ist es gelungen, unerkannt zu bleiben. Kein neueres Foto ist von ihm bekannt, die verfügbaren älteren sollen, so versichern Freunde, die es wissen müssten, andere Personen zeigen. Moers verweigert öffentliche Auftritte, nimmt deshalb keine Preise persönlich entgegen, gibt keine Fernsehinterviews, macht keine Lesungen – sehr zum Leidwesen seiner zahllosen deutschen Leser, die sich spätestens seit dem Zyklus um den imaginären Kontinent Zamonien, der 1999 mit dem Roman „Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär“ begonnen und 2007 mit „Der Schrecksenmeister“ noch keineswegs beendet wurde, in Millionen messen lassen.

          Moers ist überdies einer jener deutschen Autoren, die in ein Dutzend andere Sprachen übersetzt wurden und vor allem auch ihr Publikum in diesen Zungen finden. Doch niemand findet ihn. Dafür halten seine Schöpfungen nun Einzug in die Realität. Als Holger Frick vom Zoologischen Institut der Universität Bern vor kurzem in Graubünden eine neue Spinnenart entdeckte, taufte er sie auf den Namen „Zamonische Zwergspinne“.

          Ähnlich wie die Nasen der zamonsichen Zwergpiraten

          Die Begründung überzeugt: Das auf dem Grund von Fichtenwäldern auf rund zweitausend Metern Höhe lebende winteraktive Tier ist mit lediglich zwei Millimetern ein veritabler Zwerg, und dennoch weist es einen markanten Fortsatz am Körper auf, der einem Kopf ähnelt – den Spinnen bekanntlich aber gar nicht haben. Dieser Fortsatz nun erinnerte den versierten Zamonien-Leser Frick an die aus den von Moers selbst illustrierten Büchern bekannten Nasen der zamonischen Zwergpiraten, und schon hatte die frisch entdeckte Art ihren Namen weg.

          Man hätte auch die Ähnlichkeit ihres Fortsatzes zu den extern knospenden Gehirnen des zamonischen Gelehrten Abdul Nachtigaller konstatieren können, doch dazu wären sechs solcher Auswüchse notwendig gewesen. Gefunden wurde die neue Art, die mittlerweile schon im ganzen Alpenraum und in Fernost nachgewiesen werden konnte, von Frick übrigens auf der Graubündner Alp Flix. Das ist der Name eines Lesern dieser Zeitung durchaus bekannten anderen Comicautors. Nicht auszudenken, was erst in der Stadt Moers für Entdeckungen unserer harren könnten.

          Andreas Platthaus
          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

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