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Neues aus Bayreuth : Wagnertratsch

  • -Aktualisiert am

Es ist ein ehernes Gesetz: Zehn Wochen vor der Eröffnung der Bayreuther Festspiele treibt der Klatschmohn Blüten. Diesmal haben wir es mit einer besonders ansehnlichen Kettenreaktion zu tun.

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          Wird irgendwo das Hemd zu kurz für die ganz große Kunst, dann gedeihen umso prachtvoller der Klatschmohn und die Tratschtüte. Scheint eine Art Naturgesetz zu sein. Besonders schöne Blüten treiben diese Pflanzen jedes Jahr pünktlich zehn Wochen vor der Eröffnung der Bayreuther Festspiele, und wie alle Freunde guter Musik hoffen wir jetzt, dass die gemeine Riesentratschtüte, die von der Süddeutschen Zeitung am vergangenen Freitag aus dem Hut gezaubert wurde, kein böses Omen ist. Zwar: „Kritiker klatschen nie! ... außer: In der Pause“ (So formulierte es einst Gerald Hoffnung in einem seiner unsterblichen Cartoons) Jedoch, liebe Freunde der fränkischen Bratwurst, die Pausen in Bayreuth sind nicht umsonst doppelt so lang als anderswo, dazu rechnen wir ehrlicherweise auch noch die 322 Tage Riesenpause, die von Ende August bis Mitte Juli nächsten Jahres andauert, da in dieser Zeit das Bayreuther Festspielhaus total geschlossen ist, außer natürlich für Touristenführungen.

          Letztere wurden seit Anfang Januar 2015 konsequent abgesagt, zum finanziellen Nachteil für die Fremdenführer der Stadt Bayreuth, die deshalb auch mit den Schwestern Festspielleiterinnen gerade im Clinch liegt. Die indes haben jetzt andere Probleme. Die Münchner Kritikerkollegen legten nämlich ein Schreiben vor. Es handelt sich um den Gesellschafterbeschluss der Bayreuther Festspiele GmbH, der besagt, dass Eva Wagner-Pasquier Ende August ihr Festspielleiterinnenamt niederlegen soll. Okay, das wurde Anfang Januar schon mal veröffentlicht und diskutiert. Außerdem, diese kleine Knospe ist neu, sei beschlossen worden: Frau Wagner-Pasquier dürfe vom 1. Juni bis 20. Juli nicht das Festspielgelände betreten.

          Respekt und Irritation

          Alle einschlägigen Verdächtigen dementierten sofort, vom Vorsitzenden des Fördervereins bis hin zur weiteramtierenden Festspielleiterin Katharina Wagner, und sogar der Anwalt Wagner-Pasquiers dementierte, offerierte aber subito eine neue Blüte: „Da es der ausdrückliche Wunsch von Herrn Thielemann ist, dass sie (Wagner-Pasquier) die (Tristan)-Generalprobe nicht besucht, wird sie das selbstverständlich respektieren.“ Dem leicht entzündlichen Maestro Christian Thielemann trauen wir nun zwar alles Mögliche zu, zum Beispiel, dass er neben sich ungern andere große Dirigenten duldet. Aber diese Dummheit dementierte er sofort. Er sagte: „Um Himmels willen“, und, er werde den „Tristan“ selbstverständlich trotzdem dirigieren.

          Daraufhin meldete sich, aus München, Maestro Kirill Petrenko zu Wort, der nicht zum Kummer von Maestro Thielemann den „Ring“ in Bayreuth ein Jahr früher aufgeben wird, weshalb Maestro Marek Janowski, der vor kurzem noch erklärt hatte, er wolle nie, nie, nie wieder eine „Ring“-Produktion dirigieren, der abscheulichen Regietheaterexzesse halber, ab 2016 als Einspringer ausgerechnet den Castorf-„Ring“ dirigieren soll. Petrenko erklärte, er sei „zutiefst irritiert“, erwarte selbstverständlich die „Präsenz“ der gesamten Festspielleitung, werde aber trotzdem dirigieren. Jetzt warten wir noch auf eine Stellungnahme von Maestro Janowski. Wozu, ist wirklich egal.

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