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Neuer Start im nächsten Jahr : Nach dem Fernsehpreis ist vor dem Fernsehpreis

Ausnahmsweise auf einem anderen Parkett: Sandra Maischberger mit Klaas Heufer-Umlauf (links) und Hans Sigl bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreis 2014 im Coloneum in Köln. Bild: action press

In diesem Jahr gibt es nichts zu gewinnen. Der Deutsche Fernsehpreis wurde von seinen Gesellschaftern - ARD, ZDF, RTL und Sat.1 - aufs Altenteil geschickt. Aber es soll weitergehen - später. Konzepte und Ideen sind gefragt.

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          Klaas Heufer-Umlauf hatte es einfach drauf. Als er im vergangenen Oktober den „letzten Deutschen Fernsehpreis der Welt“ moderierte, riss er alle mit. Seine Komoderatorin Sandra Maischberger, den Schauspieler Hans Sigl als Dritten im Bunde und das Publikum auch. Das war würdig und witzig, nicht staatstragend und verkrampft, sondern voller Selbstironie. Geht doch, dachte man sich an diesem Abend.

          Geht doch, dass eine Jury die nach ihrer Ansicht besten Arbeiten des Jahres mit dem Deutschen Fernsehpreis auszeichnet (kritisieren kann man die Entscheidungen im Einzelnen selbstverständlich immer). Und geht doch, dass man die Preisgala im Fernsehen zeigt. Doch das ist nun Geschichte. Die Stifter des Preises - ARD, ZDF, RTL und Sat.1 - haben die Gala beerdigt und den Deutschen Fernsehpreis gleich mit. In diesem Jahr wird nichts mehr ausgezeichnet,

          2016 sollen bei einem „Branchentreff“ herausragende Leistungen gewürdigt werden. Wie und wo genau und unter welchem Namen, das ist noch nicht klar. Klar ist erst einmal nur, dass die Gemeinsamkeiten zwischen den Stiftern aufgebraucht sind. Sie haben das Ende des Preises zwar gemeinsam beschlossen, gewollt hat das Aus aber vor allem Sat.1. Dort war der Ofen schon vor zwei Jahren kalt, als die anderen Sender sich - nach Ansicht von Sat.1 - nicht mehr an die Verabredung hielten, kein allzu starkes Programm gegen die Ausstrahlung der Preisverleihung aufzubieten.

          Die Privatsender sind keineswegs unschuldig an der Entwicklung

          Ein Quotenkiller ist die Gala ohnehin, die seinerzeit von Cindy von Marzahn und Oliver Pocher heruntermoderierte Show war es im Besonderen. Warum also? Das fragten sie sich seither bei Sat.1. Bei RTL war man ähnlicher Meinung, wollte aber doch den gemeinsamen Preis retten. Dass darüber - Stichwort „Branchentreff“ - noch gesprochen wird, ist auch dem Kölner Privatsender zu verdanken. Das ZDF und die ARD - vertreten durch den WDR - wollten derweil weitermachen wie bisher. Was kein Wunder ist, sammelten die Öffentlich-Rechtlichen beim Deutschen Fernsehpreis doch zuletzt fast so viele Auszeichnungen ein wie beim Grimme-Preis, der mit dem Privatfernsehen nichts anfangen kann.

          Woran dessen Sender nicht unschuldig sind. Ausgezeichnetes, selbstproduziertes Fernsehen ist bei den Privaten seit langem eher die Ausnahme denn die Regel. Von außen betrachtet, sieht das nun wie eine Bankrotterklärung aus: Das Fernsehen, das vom Publikumszuspruch lebt, will ebendiesem die Prämierung besonders toller Programme lieber nicht zeigen. Die Beteiligten möchten es anders sehen: Nach einer Pause geht es im ersten Quartal 2016 weiter, Preise gibt es immer noch, man bleibt dabei halt unter sich - so wie es bei anderen Film- und Fernsehprämierungen auch ist. Warum sich weiter mit einer Last mühen, die allen zu viel war - den Sendern, dem Publikum, den Kritikern sowieso, aber auch der ganzen Branche?

          Und es stimmt schon: Es war sehr merkwürdig, dass Marcel Reich-Ranicki, der verstorbene Literaturkritiker dieser Zeitung, als er 2008 vor laufenden Kameras den Preis ablehnte, Standing Ovations bekam. Das war ihm gegenüber vielleicht höflich gemeint oder eine Schockreaktion. Doch es zeigte sich: Hier im Saal sitzen lauter Leute, denen das Ganze irgendwie peinlich ist: Deutscher Fernsehpreis - nein, danke! Super, endlich sagt’s mal einer.

          Jetzt ist der Preis weg, und jetzt gilt es, die richtigen Lehren zu ziehen. Wie wäre es zum Beispiel damit, die Einzelpreise für Regie, Kamera, Buch, Schnitt, Ausstattung und so weiter beim „Branchentreff“ 2016 wiedereinzuführen? Abgeschafft worden waren sie, um die Preisgala fürs Fernsehpublikum schnittiger zu gestalten. Was zur Folge hatte, dass die Deutsche Akademie für Fernsehen ins Leben gerufen wurde und Auszeichnungen vergab, die der Deutsche Fernsehpreis gestrichen hatte.

          Und „Branchentreff“ hin oder her: Klaas Heufer-Umlauf sollte den bitte auch moderieren. Der von ihm zuletzt dargebotene Selbstironie-Level sollte das Maß der Dinge sein. Der Deutschen Fernsehpreis ist tot. Es lebe der - ein Name wird sich schon finden.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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