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Lissabon-Krimi im Ersten : Heute hier, morgen da

  • -Aktualisiert am

Der frühere Oberstaatsanwalt Eduardo (Jürgen Tarrach) ist Spezialist für besonders hoffnungslose Fälle. Bild: ARD Degeto/Armando Claro

Der Mordstourismus im Ersten geht in die nächste Runde. Im „Lissabon-Krimi“ gibt es tolle Kulissen zu sehen, die Spannung lässt aber zu wünschen übrig.

          Wer immer donnerstags mit der Degeto verreist, der kommt ganz schön rum. Venedig, Barcelona, Istanbul. Athen, Paris, Tel Aviv. Zürich, Bozen und Kroatien. Von der Bretagne kann man sich direkt nach Paris und Urbino umschalten. Neu ist eine Doppelpackung Lissabon mit etwas Fado und gutem Score (Musik Marco und Robert Meister) und berückend schön gefilmten Stadtansichten (Kamera Klaus Merkel).

          Die Donnerstags-Reisekrimis der ARD erinnern durch ihre Häufung dabei mehr und mehr an den „Tatort“ in seinen früheren Jahren. Eine formatierte Reihe, die meistens durch ihre Abweichungen interessant wird, aber trotzdem das beruhigende Gefühl vermittelt, sich jederzeit in Handlung und Dramaturgie orientieren zu können. Meistens gibt es ein Ermittlerpaar, das Probleme miteinander und mit dem Leben hat, diese aber nicht in den Vordergrund stellt. Man sieht Amateure, die einander umbringen, und Berufsverbrecher (vorwiegend lokale Mafia), die Strippen ziehen. Es geht um ARD-typische Gerechtigkeitswiederherstellung. Schaut man mehrere dieser Tourismus-Krimis hintereinander weg, was in der Mediathek möglich, aber ziemlich anstrengend ist, geht es einem wie manchem Reisenden, der das Vorteils-Paket „10 europäische Städte in vier Tagen“ inklusive Selfie-Stick gebucht hat und vorsichtshalber nur mit Sicherheitsleuten aufs Münchner Oktoberfest geht. Man verliert das Gefühl fürs Geographische und historisch Gewordene, fühlt sich aber überall folkloristisch animiert.

          Schwache Besetzung mit einem Lichtblick

          Auch „Der Lissabon-Krimi: Der Tote in der Brandung“ macht trotz Jürgen Tarrach da keine Ausnahme. Der Fall ist zum Sterben langweilig, und von den dramatischen Umständen, die zum Ausscheiden des ehemaligen Oberstaatsanwalts Eduardo Silva (Tarrach) bei Gericht geführt haben und den Gründen seiner weltschmerzgeprägten Existenz am Rand der Stadt erfährt man in der ersten Folge herzlich wenig. Deutsche Schauspieler spielen portugiesische Charaktere, die Nebenrollen sind mit nicht immer treffsicher synchronisierten Einheimischen besetzt.

          Eine schöne Ausnahme ist die wienerisch-kroatische Entdeckung Vidina Popov, die als Marcia Amaya, künftige Assistentin des ruppigen Einzelgängers Silva, eine gute Vorstellung gibt. Amaya ist Roma und trägt eigentlich einen anderen Vornamen, hat nach dem frühen Tod der Eltern trotz fünf Geschwistern ein Prädikatsexamen geschafft und als Jahrgangsbeste abgeschlossen. Davon ist nicht nur der jetzige Staatsanwalt Júlio dos Santos (Christoph Schechinger) animiert, der ihr gleich beim ersten Zusammentreffen eine Referendariatsstelle anbietet, sondern auch Silva. Bislang ist Amaya stellen- und chancenlos, wird als Roma auch ansonsten von der Polizei schikaniert.

          Silva dagegen lebt in einer Pension zwischen seinen Rechtswerken und verteidigt als Kleinanwalt die hoffnungslosen Fälle. Die Figur ist wohl als Verkörperung der landestypischen Saudade angelegt, was sich bekanntermaßen nur unzulänglich mit Melancholie oder Weltschmerz übersetzen lässt. Tarrach, der die Rolle mit seiner leicht undurchsichtigen Lässigkeit gibt, unterspielt die allzu platte Absicht. Bei seinen Plädoyers hat er Momente, in der detektivischen Ermittlungsarbeit eher weniger. Dafür arbeitet sich Popov tapfer von Schauplatz zu Schauplatz, um den Mord an einem Geschäftsmann aufzuklären, für den dessen bipolar gestörte Gattin Joana Cordeiro Soares (Alexandra Gottschlich) in Untersuchungshaft sitzt.

          Der Fall führt über die Schwester der Verdächtigen, Tereza Cordeiro (Nicole Gerdon), zu Tiago Zarco (André Gago), einem stadbekannten Großverbrecher und alten Gegenspieler Silvas. Pensionswirtin Beatriz Oliveiras (Katharina Pichler) Beschützerinneninstinkte, deren Herkunft noch unklar ist, werden arg strapaziert. Auch wenn die Stadt Lissabon beeindruckend leuchtet, sieht man hier vor allem durcherzählte Degeto-Routine (Buch Kai-Uwe Hasenheit und Patrick Brunken, Regie Sibylle Tafel). Der zweite Fall, „Alte Rechnungen“, der Eduardo Silva persönlich in die Vorkommnisse verwickelt, ist dagegen eine deutliche Steigerung.

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