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Neuer Konzertsaal für München : Wir bauen einen Leuchtturm an der Isar

An seine Stelle könnte ein neuer Konzertsaal treten: der Kongresssaal des Deutschen Museums in München Bild: Deutsches Museum

Schon lange träumt das Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks von einem eigenen Konzertsaal. Jetzt hat die Politik das Thema entdeckt - und die Chance für einen Neubau steigt.

          Ist es vollbracht? Bekommt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks nun endlich die langersehnte und mit viel Aplomb eingeforderte eigene Konzerthalle? Wie es einem Klangkörper, der zu den besten zehn der Welt gerechnet wird, gut anstehen würde? Nimmt man die jüngsten Erklärungen bayerischer Politiker ernst, stehen die Chancen nicht schlecht. Denn nach dem Wissenschaftsminister hat sich nun auch der Ministerpräsident Seehofer (CSU) in maritimer Metaphorik für ein solches „Leuchtturmprojekt“ ausgesprochen. Mitte des nächsten Jahres soll das Kabinett so weit sein, dem Neubau einer Philharmonie zuzustimmen.

          Hannes Hintermeier

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

          Mögliche Bauplätze sind im Lauf der Jahre einige genannt worden. Neben dem zunächst favorisierten Marstallgelände hinter dem Nationaltheater waren dies unter anderem ein Grundstück nahe dem Circus Krone, ein Kiesbett in der Isar, ein Parkhaus hinter den Kammerspielen, die Alte Akademie in der Neuhauser Straße sowie eine Überbauung der Rampen des Altstadtrings. Fünfzehn Kandidaten hat eine Arbeitsgruppe im Auftrag des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst untersucht. Und ist nun mit dem Kongresssaal des Deutschen Museums und dem Finanzgarten hinter dem Landwirtschaftsmuseum fündig geworden - wobei sich die Begeisterung eindeutig Richtung Kongresssaal neigt.

          Da helfen ministerielle Flapsigkeiten nicht

          Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) hat gleich nach dem Kunstminister freudig ins Horn gestoßen, obgleich er als Stadtvater von der „Konkurrenz“ ist und selbst noch immer mit hohen finanziellen Belastungen, die auf dem kommunalen Kultur-Klotz Gasteig lasten, geplagt ist. Er würde „diesem Nazi-Bau keine Träne nachweinen“, freue sich „auf erfrischende Architektur an dieser Stelle“. Der zuständige Minister Wolfgang Heubisch (FDP) ist gegen „kleinbürgerliche Münchner Lösungen“, er wünscht sich internationale Stararchitekten. Der „Süddeutschen Zeitung“ offenbarte der Schwabinger sogar recht unmünchnerisch, er habe „keine Lust, an diesem Platz dieses olle Ding stehen zu lassen“.

          Die 1930 von German Bestelmeyer erbaute Halle steht unter Denkmalschutz. Noch hält sich Egon Johannes Greipl, der Generalkonservator des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, bedeckt; aber dass er eine Abrissgenehmigung erteilen könnte, gilt als nicht ausgeschlossen. Wie ideal der Baugrund auf der Flussinsel tatsächlich ist, wird sich zeigen. Das benachbarte Deutsche Museum weiß aus leidvoller Abpumperfahrung, dass bei Hochwasser regelmäßig die Keller volllaufen. Da helfen ministerielle Flapsigkeiten Richtung Hamburg mit Verweis auf die Elbphilharmonie nicht weiter. Schwerer wiegt die historische Widmung der Museumsinsel. Als Oskar von Miller 1903 das Deutsche Museum gründete, hatte er einen Ausstellungsort für Technik im Sinn. Ob und wenn wie sich dieser mit einer Konzerthalle verträgt, ist Gegenstand einer Machbarkeitsstudie, die das Heubisch-Ministerium in Auftrag gegeben hat.

          Das hat man der Phantasie des Architekten überlassen

          Das Museum selbst hatte zunächst andere, wenn auch wenig konkrete Pläne mit dem Bau. Im Zuge der demnächst anstehenden Generalsanierung des maroden Hauses sollte der Kongresssaal „bestandssaniert“ werden. Der Haupteingang des Museums soll dabei isarabwärts zur Ludwigsbrücke rücken. Die Rede war auch von einem „Forum der Zukunft“ oder einem „Haus der europäischen Forschung“, in dem man Großprojekte wie das Cern oder Iter publikumswirksam vermitteln wollte. Ob von der genehmigten Sanierungssumme von vierhundert Millionen Euro für das Museum womöglich wieder Geld abgezwackt wird, um damit den Freistaat Bayern als möglichen Bauherrn zu unterstützen?

          Generaldirektor Wolfgang Heckl hat mittlerweile den ersten Schreck überwunden und bekennt sich nun auch öffentlich zu dem Vorschlag, den der Vorsitzende seines Verwaltungsrates, der Präsident der Technischen Universität Joachim Hermann, zusammen mit Ministerpräsident Seehofer und Minister Heubisch akklamiert hat. Hermann spricht von einer einmaligen Chance, Technik und Musik als kreatives Element zu verbinden. Ihm schwebt eine Doppelnutzung vor: Der Konzertsaal könnte von Orchester und Museum gleichermaßen genutzt werden. Das hat man auch anderswo - in Luzern, Helsinki und unlängst in Reykjavík - umgesetzt. Ob tatsächlich der erhoffte große Wurf gelingt, die Quadratur von brillanter Akustik und Konferenztauglichkeit, Probenräumen und Raum für Jugendarbeit, hat man der Phantasie der Architekten überlassen.

          Die Philharmonie wird kein Wahlkampfthema sein

          Und den Ergebnissen der Machbarkeitsstudie, von der man sich auch Auskunft über die möglichen Kosten erhofft. Noch kursieren wolkige Angaben von mehreren hundert Millionen Euro. Als vor sechs Jahren über einen Neubau am Marstall nachgedacht wurde, hieß es, für siebzig Millionen Euro sei ein solcher Bau zu stemmen. Nun weiß man, dass die öffentliche Hand keine Meisterschaft im Kostenmanagement entwickelt hat.

          Sein Werben zeitigt Erfolg: Mariss Jansons hat den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer als Unterstützer gewonnen

          Umso mehr fragt sich der Musikliebhaber an der Isar, woher das Geld kommen soll? Zunächst von ihm selbst, denn mit einer Spendenbereitschaft von dreißig, vielleicht vierzig Millionen Euro wird in der Musikstadt München gerechnet. BR-Intendant Ulrich Wilhelm plädiert dafür, „sich wirklich auf die Idee einzulassen“. Er hat angekündigt, sein Haus werde für Miete und Erstbenutzungsrecht ebenso Vorauszahlungen leisten, wie es die technische Ausstattung mitfinanzieren wolle. Ein Ansage, die für rund fünfundzwanzig Millionen Euro gut sein sollte. Wer den Rest der Baukosten trägt, die Fachleute mit 150 Millionen Euro beziffern, ist noch auszuhandeln. Seehofer und der neue SPD-Spitzenkandidat Ude sind derweil übereingekommen, die Philharmonie nicht als Wahlkampfthema zu zerreiben.

          Nachtrag

          In der Disziplin Volte hat sich der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude Meriten erworben. Auch weil die Münchner ihrem „Bürgerkönig“, der 2013 Ministerpräsident werden möchte, vieles verzeihen. Jetzt hat der Sozialdemokrat wieder bei Vollgas die Handbremse gezogen – und sich nach anfänglicher Begeisterung für den Neubau eines Konzertsaals für das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks  zum Zweifler gewandelt.

          Bei einem Gespräch mit den städtischen Münchner Philharmonikern Mitte dieser Woche teilte das Stadtoberhaupt mit, es sei weder etwas entschieden noch überhaupt absehbar, ob aus den Plänen für einen (Neu-)Bau auf der Museumsinsel etwas werden könne. Im Gegenteil, nicht nur die Opposition im Landtag sei skeptisch, auch wesentliche Teile der regierenden CSU. Er habe dem BR ein halbes Jahr Bedenkzeit eingeräumt, dann müsse sich das Orchester erklären, ob es weiterhin im Gasteig spielen wolle. Danach soll die Planung für eine bedarfsgerechte Sanierung dieses städtischen Kulturzentrums beginnen.

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