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Neuer BND-Chef : Geheimsache

  • -Aktualisiert am

Es ist nicht zu fassen: Der neue BND-Chef ist ein Vertrauter Wolfgang Schäubles. Ist sein Lebenslauf jetzt noch steigerungsfähig?

          Was macht ein Geheimdienst? Er kramt mit Geheimnissen, er „krämert“ sie (Akkusativ) oder wohl eher damit (Dativ). Sein Geschäft ist also eindeutig die Geheimniskrämerei. Dies an die Adresse all derjenigen, die glauben, einem Geheimdienst so etwas wie „Transparenz“ verordnen zu können, nur weil man irgendwann festgestellt hat, dass so ein Geheimdienst doch tatsächlich ein „Eigenleben“ führt - was soll er denn sonst führen? Dauernd Gesprächsprotokolle, die dann auch noch ins Netz gestellt werden? Alles Mögliche führt doch heutzutage ein Eigenleben, sogar einzelne Wörter, die einer von sich gibt, ein anderer aufschnappt, nachplappert und so weiter - bis man es dann auch schon bald nicht mehr hören kann.

          Was den Bundesnachrichtendienst betrifft, so hieß es über den designierten neuen Präsidenten flä!chen!de!ckend!, wirklich flächendeckend, dieser sei oder gelte als ein „Vertrauter Wolfgang Schäubles“. Überall wurde das gesagt, sogar in den naturgemäß eher knapp gehaltenen Radio- und Fernsehhauptnachrichten fand dieser „Vertraute“ Erwähnung: „und gilt als . . .“, na, Sie haben es ja sicherlich alle mitbekommen. Nun muss man grundsätzlich sagen: Ist doch nichts dabei, der „Vertraute Wolfgang Schäubles“ zu sein. Und in der Tat: Es gibt Ehrenrührigeres, als der „Vertraute Wolfgang Schäubles“ zu sein, wenn auch wohl wenig Schwereres; denn dafür braucht man, nach allem, was man so hört, eine äußerst robuste Konstitution.

          Kontrolle ist besser

          Schon deswegen kann diese Laufbahn nicht von Hinz und Kunz eingeschlagen werden; die Ausbildung dauert viele Jahre, und praktisch jeden Tag steht irgendeine Prüfung an. Wenn man es dann aber geschafft und das Diplom „Vertrauter Wolfgang Schäubles“ in der Tasche hat, dann ist man ein gemachter Mann und wird überall genommen, denn die Abbrecherquote ist hoch, die Durchfallquote auch. Diejenigen, die mit Wolfgang Schäuble weniger vertraut sind, wollen sogar wissen, es habe überhaupt erst einer geschafft, ebendieser neue Bundesnachrichtendienstpräsident (Name tut nichts zur Sache).

          Der nun bald pensionierte war offenbar kein „Vertrauter Wolfgang Schäubles“, sonst hätte der doch die vorzeitig Pensionierung verhindert. Vielleicht war das der eigentliche Fehler dieses Wolfgang Schäuble nicht so vertrauten Präsidenten. Über ihn heißt es nur, er habe zu den „besseren Präsidenten“ gehört. Es gab offenbar auch ganz viele schlechte. Aber der neue Präsident soll sich jetzt nicht zu sicher fühlen. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, zumal in dieser Branche! Nicht, dass es dermaleinst über ihn heißt, unter den Vertrauten Wolfgang Schäubles habe er zu den besseren gehört. Aber ein neuer wird so schnell nicht nachwachsen.

          Edo Reents

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

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