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AfD und Pegida : Neue Rechte marschiert

Vorweihnachtliche Montagsdemonstration der Pegida in Dresden Bild: AP

Die AfD hat mit ihrer Solidaritätsbekundung zu Pegida ihren politischen Kurs zu erkennen gegeben. Er führt direkt ins völkische Lager.

          Bei ihrer Neujahrsansprache sitzt die Bundeskanzlerin da, wie sie immer dasitzt. Wie bei einer Lesestunde. Herzlich unaufgeregt sagt Angela Merkel ihren Text auf. In dem freilich geht es unbeschaulich zur Sache. 2014 war ein annus horribilis. Russland annektiert die Krim und fällt in die Ukraine ein. Der IS errichtet ein Mörder-Regime, dem Tausende zum Opfer fallen und vor dem Hunderttausende fliehen. Europa ist der Fluchtpunkt.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Sich aus allem heraushalten, vor allem die Flüchtlinge abweisen, die Folgen des globalen Terrors ignorieren und anderen überlassen – das ist die Haltung, die sich auf den neuen Montagsdemos der „Pegida“ ausdrückt. Angela Merkels Ton ist pastoral, ihre Botschaft ist deutlich: Sie sagt „allen, die auf solche Demonstrationen gehen: Folgen Sie denen nicht, die dazu aufrufen, denn zu oft sind Vorurteile, ist Kälte, ja sogar Hass in deren Herzen.“

          Vom Ressentiment getragen

          Mit diesem Hass werden wir es 2015 noch zu tun bekommen. Denn er zeigt sich nicht nur auf der Straße, er bekommt parlamentarische Rückendeckung. Alexander Gauland, der AfD-Fraktionsvorsitzende im Brandenburger Landtag, findet nämlich, die Bundeskanzlerin „verurteilt Menschen von oben herab, die sie gar nicht kennt“. Ob er die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ besser kennt? Etwa den Organisator der Demonstrationen in Dresden, Lutz Bachmann? Der auf der Homepage seiner PR- und Fotoagentur als erste Referenz die Dresdner Tabledance-Bar „Angels“ und Leipzigs „First Class Erotikclub“ namens „Medusa“ angibt? Und sich mit seiner „engen Zusammenarbeit mit namhaften Medien aus aller Welt“ brüstet, namentlich dem Axel-Springer-Verlag. Wohinter sich nichts anderes verbirgt, als dass er sich, nach Auskunft von Springer, mit ein paar Bildern ab und an als „Leserreporter“ verdingt hat. Ein dem Presserecht genügendes Impressum gibt der Pegida-Mann auf seiner Seite übrigens nicht an.

          Ob sich Alexander Gauland, der als „Beobachter“ Mitte Dezember bei einem Pegida-Aufmarsch dabei war, angesehen hat, wer da alles mitmarschiert und den Ton angibt? Die Einlassungen von Teilnehmern im Original, zusammengestellt von dem Magazin „Panorama“, könnte sich der AfD-Politiker in der ARD-Mediathek ansehen. Gauland bewirkt, was er der Kanzlerin vorwirft: noch mehr Zulauf für Pegida. Er macht das Ressentiment gegen „die da oben“, gegen die „Lügenpresse“ und gegen die salonfähig, die in dem Neunzehn-Punkte-Pamphlet von Pegida nur verschwurbelt erwähnt werden: Flüchtlinge, Einwanderer und alle, die anders sind, als es dem rechtsnationalen Biedermeier ins Weltbild passt.

          Nun wissen wir, wo die Reise der Alternative für Deutschland hingeht: ins völkische Lager. Die Zeiten, in denen sich der Parteivorsitzende Bernd Lucke, wie in der Talkshow von Günther Jauch, windet und nicht genau sagen will, warum und wieso und vor allem was an Pegida unterstützenswert sei, enden. Was war das für ein Geheuchel – der Bundesregierung sei das Schicksal der Flüchtlinge, die sich vor dem IS-Terror in die Nachbarländer von Syrien und des Iraks gerettet haben, gleichgültig. Jetzt sagt Lucke, er teile Gaulands Aussagen „vollkommen“. Die Bundeskanzlerin stempele „Menschen als fremdenfeindlich ab, ohne ihnen Gehör schenken zu wollen“.

          2015 wird anscheinend das Jahr, in dem die AfD das Uneigentliche der Neuen Rechten ablegt und Klartext spricht. Sie tut nicht mehr nur so, sie sei der deutsche „Front National“.

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