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Neue Pädagogen für Deutschland : Kita-Garantie plus

Zuerst wollte Hessen aus Rentnern neue Lehrer machen, jetzt sollen Arbeitslose in der Kita aushelfen. Aber hat wirklich jeder von ihnen noch ein Kinderlied auf den Lippen?

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          Eine pfiffige Idee: Die Arbeitsministerin erwägt, Arbeitslose zu Fachkräften der Kindertagesstätten auszubilden. Mit Zwei- und Dreijährigen kann man’s ja machen; die muss man im entwicklungspsychologischen Zweifel bloß mit ein paar bunten Klötzchen beschäftigen, im Matsch spielen lassen und mit Nudeln und Tomatensoße abfüllen.

          Gibt es nicht in jedem Erwachsenen ein inneres Kind (Milton Erickson), das man in seinem Unbewussten nur wachküssen muss, damit es den Kindern, die am Gitter der personell unterbesetzten Kita rütteln, auf frühpädagogischer Augenhöhe die Pforte öffnen kann? Erinnerungen werden wach an die propagandistische Idee der „Unterrichtsgarantie plus“ - eine hessische Regierungsvokabel für die Verachtung pädagogischer Fachstandards, sofern es seinerzeit darum ging, Rentner, Arbeitslose und überhaupt alle Menschen guten Willens auf die Schüler loszulassen, die anderenfalls von Unterrichtsausfall bedroht gewesen wären.

          So nun also auch in den Kitas: Damit nur irgendwie der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz in den nächsten Jahren erfüllt werden kann, mobilisiert man die letzten Reserven im Volk. Nach dem Motto: Wäre doch gelacht, wenn unsere Arbeitslosen, ein Lied auf den Lippen, nicht ihr Herz für Kinder entdeckten und wir unser Land nicht mit einer gemeinsamen und noch dazu preiswerten Kraftanstrengung zukunftsfähig machen könnten! Der Vorgang taucht die furios geführte Debatte ums Betreuungsgeld in ein neues Licht.

          Während man sich über 150 Euro echauffiert, die im Monat bekommen soll, wer sein ein-, zwei- oder dreijähriges Kind privat betreuen (lassen) will - und nur um diese Kleinkinder geht es ja, nicht um eine Luxusbetreuung für ältere Vorschulkinder, die nicht in den Kindergarten wollen -, während also das Betreuungsgeld fälschlich gegen den Kita-Ausbau ausgespielt wird, soll die eigentlich fällige Debatte jetzt sang- plus klanglos von der Bundesagentur für Arbeit abgefangen werden: die Debatte um die Qualität der Kitas. Erst wenn es nicht mehr nur um die schiere Zahl der Kita-Plätze, sondern auch um die Garantie ihrer pädagogischen Standards geht, ist die ideologische Blase geplatzt.

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